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Donnerstag, 20. September 2018 27° 1

Hochwasser

100 Hektar Ackerland für Polderdämme

Die Nachricht vom Flächenverbrauch entsetzte die Bauern. Die IG-Polder plant Versammlungen. Politiker sollen Farbe bekennen.
Von Hans Biederer, MZ

  • Schon Anfang 2015 wuchs der Widerstand gegen die geplanten Flutpolder Eltheim und Wörthhof (im Bild eine Demonstration bei der Auftaktveranstaltung im Februar 2015 in Barbing). Daran hat sich wenig geändert. Archivfoto: xtl
  • IG-Polder-Sprecher Markus Hörner (Mitte) und Harald Hillebrand, Flutpolderbeauftragter im Landratsamt, mit Bürgermeister Hans Thiel. Foto: Biederer

Geisling.Die neuesten Entwicklungen zum Thema Flutpolder waren der Anlass für das jüngste Treffen der Interessensgemeinschaft „Polder“. IG-Vorsitzender Markus Hörner aus Geisling hatte deshalb zur Ortssprecherversammlung geladen. „Es hat sich einiges Interessantes seit unserem letzten Treffen aufgestaut“, teilte er den über 50 Anwesenden im Gasthaus „Zum Posthorn“ mit.

Wie sich in der Sitzung zeigte, brannte dieses Thema nicht nur den Ortssprechern, dem Vertreter des Bauernverbandes, Fachberater Andreas Basler sowie den Bürgermeistern Elisabeth Kerscher aus Wiesent, Hans Thiel aus Barbing und Jürgen Koch aus Pfatter auf den Nägeln. Viele Landkreisbewohner beteiligten sich konstruktiv, aber auch sehr kritisch, an den Diskussionen. Wie Fachberater Andreas Basler feststellte, wäre es wichtig, noch im Herbst aktiv zu werden, um auf sich aufmerksam zu machen.

59 Fragen blieben unbeantwortet

IG-Polder-Vorsitzender Markus Hörner informierte, dass das erste Ergebnis des Grundwassermodells übersandt worden sei. Für ihn stehe im Vordergrund, die Sinnhaftigkeit des geplanten Polderbaus zu hinterfragen. „Ich unterstelle so manchem Wasserbauer, dass diese hier einen sportlichen Ehrgeiz entwickelt haben“, resümierte der Vorsitzende.

Wie der Referent der Landrätin, Harald Hillebrand, bekannt gab, sind derzeit noch 59 Fragen an die Staatsregierung unbeantwortet geblieben. Hillebrand, der im Landratsamt der Flutpolderbeauftragte ist, brachte mit dem Wort „Polderdemenz“ einen neuen Fachbegriff ein. Stromabwärts juble man angesichts der Hoffnung, dass der Polder gebaut werde. Das bedeute dort, dass man noch näher in hochwassergefährdete Gebiete bauen könne, meinte der Vertreter des Landratsamts.

Sehr enttäuscht zeigte sich Markus Hörner über das Grundwassermodell, das vor wenigen Tagen überreicht wurde. „Ich hätte mir hier etwas Dynamischeres vorgestellt. Darin wird lediglich der mittlere Grundwasserstand berechnet“, so Hörner. „Das Entscheidende ist aber nicht das mittlere Hochwasser. Elementar für uns ist, wie sich ein extremes Hochwasser auf unsere Ortschaften auswirken wird. Darum ist dieses Gutachten für mich unbefriedigend“, sagte er. Gutachter Prof. Dr.-Ing. Andreas Malcherek werde sich mit diesem Gutachten intensiv auseinandersetzen.

Auf Entsetzen bei den Landwirten stieß die Information des Vorsitzenden, dass durch den Bau der Polderdämme etwa 100 Hektar an wertvollem Ackergrund verloren gehen. „Die Länge eines Damms beträgt pro Polder etwa 20 Kilometer. Die Dämme werden bis zu 50 Meter breit und erreichen Höhen zwischen drei und neun Meter“, informierte der Vorsitzende.

„Wie sollen wir nun weiter vorgehen?“, fragte Markus Hörner. Fest steht für ihn, dass Anfang 2018 in Barbing eine große Versammlung einberufen werden soll. Dazu sollen Vertreter der Politik eingeladen werden. Bürgermeister Jürgen Koch befürchtet jedoch, dass die sich zwar gegen den Polderbau aussprechen, im Landtag unter dem Fraktionszwang aber ganz anders entscheiden. Auch für seinen Amtskollegen aus Barbing, Hans Thiel, ist diese geplante Veranstaltung äußerst wichtig. „Die Politikvertreter müssen dann vor uns sagen, wie sie zum Polderbau stehen“, betonte er. Für Franz Beutl, Stefan Kramer und Harald Hillebrand ist es wichtig, hochkarätige Politiker einzuladen. „Denn nur diese können etwas bewirken“, sind sich beide sicher. Einen Dank richtete Harald Hillebrand an die Vertreter des Wasserwirtschaftsamts: „Sie bringen sich wirklich konstruktiv und fair ein“, stellte er fest.

Lichtl: „Ich glaube keinem mehr“

Manfred Lichtl hingegen zeigte sich enttäuscht über den Dialogprozess. Er verglich die Situation mit einem Wasserfass, in das jeder einen Eimer schüttet. „Wer ist schuld, wenn das Fass übergeht? Der Letzte oder der Erste?“, fragte er. „Ähnlich verhält es sich mit unserer Region. Wir mussten den Donauausbau hinnehmen und sind mit den Kiesabbaugebieten betroffen. Beide erhöhen den Grundwasserspiegel. Neben der MERO sollen nun auch noch die Stromtrasse und die Flutpolder kommen. Irgendwann läuft auch bei uns das Fass über“, stellte der IG-Grundwasser-Vorsitzende fest. „Ich fühle mich hier von den Behörden und der Politik vorgeführt. Ich glaube keinem mehr. Für mich ist das Ganze nur ein Show-Effekt der Politik“, ärgerte sich Lichtl. „Seit Jahren wird sukzessive auf den Polderbau hingearbeitet. Das ist unverschämt uns gegenüber. Deshalb müssen wir unseren Unmut bei Demonstrationen kundtun, sonst haben wir schon verloren“, appellierte er an alle. Dem pflichtete Stefan Kramer aus Kiefenholz bei.

Johannes Weig prangte den massiven Flächenverbrauch an, der mit dem Bau der Polder verbunden ist. „Ich befürchte zudem einen sprunghaften Anstieg der Grundstückspreise“, sagte der Landwirt. „Wir treten nun in eine heiße Phase ein. Hier brauchen wir ganz dringend auch die Unterstützung der Bevölkerung“, schloss der Vorsitzende die Veranstaltung.

Der Flächenverbrauch

  • Das Einlassbauwerk

    für den geplanten Polder Eltheim soll bei der Autobahnbrücke errichtet werden. Die Höhe der Polderdämme bezifferte Hörner je nach Bodenbeschaffenheit zwischen drei und neun Meter.

  • Die Länge

    des geplanten Damms beträgt pro Polder etwa 20 Kilometer. Bei einer Dammbreite von etwa 50 Metern beläuft sich der Flächenverbrauch an Ackerland für die Polderdämme auf etwa 100 Hektar.

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