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Streit

AfD-Auftritt spaltet Lappersdorf

Pfarrer Liesaus wirft Bürgermeister Hauner massive Fehler vor. Der spricht von haltlosen Vorwürfen und will Konsequenzen.
Von Christof Seidl

Zerstritten: Der Karether Pfarrer Ronald Liesaus (links) sagte in seiner Predigt, Christian Hauner (rechts) habe als Lappersdorfer Bürgermeister im Umgang mit einem Auftritt der AfD im Aurelium versagt. Hauner bezeichnet die Vorwürfe als völlig haltlos und fordert nun ein Gespräch mit dem bischöflichen Ordinariat. Archivfoto: ldk
Zerstritten: Der Karether Pfarrer Ronald Liesaus (links) sagte in seiner Predigt, Christian Hauner (rechts) habe als Lappersdorfer Bürgermeister im Umgang mit einem Auftritt der AfD im Aurelium versagt. Hauner bezeichnet die Vorwürfe als völlig haltlos und fordert nun ein Gespräch mit dem bischöflichen Ordinariat. Archivfoto: ldk

Lappersdorf.Der Auftritt der AfD im Lappersdorfer Aurelium am Samstag (MZ berichtete) hat nun auch den Karether Pfarrer Ronald Liesaus dazu gebracht, sich politisch zu positionieren. Er griff das Thema am Sonntag in seiner Predigt auf – und fand sehr deutliche, kritische Worte.

Liesaus wirft dem Lappersdorfer Bürgermeister Christian Hauner vor, seinen Marktrat nicht rechtzeitig am 8. Mai (dem Tag der AfD-Anfrage) von dem geplanten Auftritt der Rechtspartei im Aurelium informiert zu haben. Die Markträte hätten dies erst am 29. Mai aus der Mittelbayerischen erfahren. Auch danach seien die Aussagen des Marktoberhauptes „schwammig“ gewesen – „und zeugten von einer gewissen Hilflosigkeit ob der Tragweite dieses Vorgehens“. Zu diesem Zeitpunkt wären nach Liesaus Worten Standfestigkeit und Augenmaß gefragt gewesen. Stattdessen sei das Handlungsmuster einer Abänderung des Sprichworts „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ gefolgt: „Denn hier ist es so, dass der Kapitän das Schiff fluchtartig verlässt, wenn es nur eine leichte Schlagseite bekommt.“ Weiter heißt es in der Predigt, die der MZ schriftlich vorliegt: „Seit Donnerstag ist er (Hauner, Anm. der Redaktion) nicht im Markt auf seinem Posten, sondern im Urlaub. Er kehrte zwar am Samstag zurück, doch das nimmt dem Ganzen nicht die Schärfe. Das riecht schon sehr nach Vernachlässigung der Amtspflichten.“ In einer so aufgeladenen Situation müsse das Marktoberhaupt durchgehend vor Ort sein.

„Das geht ihn nichts an“

Bürgermeister Christian Hauner zeigte sich gegenüber der MZ von Aussagen des Geistlichen völlig überrascht. „Ich bin sprachlos, was dieser Pfarrer da von sich gibt.“ Die Vorwürfe, die Liesaus in seiner Predigt vor den Kirchenbesuchern gemacht habe, seien völlig haltlos. „Und das geht ihn nichts an. Der Pfarrer soll sich um seine Kirche kümmern.“

Der Lappersdorfer Bürgermeister sagte, es sei richtig, dass er mit seiner Familie und zwei weiteren Familien am Donnerstag in Urlaub gefahren sei. Das Quartier hätten sie bereits an Weihnachten gebucht, der Aufenthalt sei bis Sonntag geplant gewesen. Aber er sei am Samstagvormittag bereits wieder in Lappersdorf gewesen, eben weil er es als seine Pflicht angesehen habe, bei einer solchen Veranstaltung vor Ort zu sein.

„Ich bin ein gläubiger Mensch, aber dieser Pfarrer ist für mich gestorben.“

Bürgermeister Christian Hauner

Hauner lässt die Angelegenheit nicht auf sich beruhen. „Ich habe bereits im Ordinariat angerufen und ein Gespräch mit dem Bischof gefordert. Das ist mir auch zugesagt worden.“ Außerdem habe er seinen Anwalt konsultiert. Was den Bürgermeister besonders ärgert: Liesaus habe nie versucht, mit ihm über diese Angelegenheit zu sprechen. Er habe ihn am Donnerstag noch bei der Fronleichnamsprozession gesehen. Der Pfarrer habe sich sogar noch bedankt, weil der Bauhof die Straßen nach dem Unwetter in der Nacht zuvor gesäubert hatte. „Aber er hat kein Wort über die AfD-Veranstaltung gesagt.“ Hauner weiter: „Ich bin ein gläubiger Mensch, aber dieser Pfarrer ist für mich gestorben.“

Liesaus beschränkte seine Kritik nicht auf Hauner. Auch der 3. Bürgermeister war Ziel harscher Worte. Jan Kirchberger war schon vor der Veranstaltung wegen seiner Äußerung, er glaube nicht, dass die AfD einen rechtsradikalen Hintergrund habe, in die Kritik geraten. Solche Äußerungen würden nicht von Sachverstand sprechen und seien „brandgefährlich“, sagte Liesaus. Wenn man die rechtsradikalen Äußerungen der AfD-Führungsleute Gauland und Höcke betrachte, müsse man sich fragen, was alles passieren müsse, bis Kirchberger erkenne, „wes Geistes Kind diese Partei ist“.

Eindrücke von Gegendemo und AfD-Veranstaltung

Der Karether Pfarrer kritisierte aber nicht nur, er schlug auch ein Treffen von Kommunalpolitikern, Vereinsvertretern, Pfarrern und Bürgern im Aurelium vor, um „die aufgerissenen Gräben in der Kommune wieder zu füllen“. Dort könnten die Beteiligten gemeinsam überlegen, wie sie „das Miteinander und den Frieden in Lappersdorf“ wiedergewinnen – „und so solchen gefährlichen Organisationen wie der AfD das Wasser abgraben“.

Soll Aurelium politikfrei werden?

Die Karether Pfarrgemeinderatssprecherin Brigitte Fischer hält den Vorschlag von Liesaus für sehr hilfreich. Der Pfarrer habe sehr dezent Stellung bezogen. „Er hat zum Dialog aufgerufen, das finde ich sehr gut.“ Die Spaltung im Markt dürfe nicht weitergehen. Hauner ging auf den Vorschlag des Pfarrers gegenüber der MZ nicht ein. Der Bürgermeister ist vielmehr gespannt, ob der Antrag von Kirchbergers Bürgerliste, der alle politischen Veranstaltungen im Aurelium untersagen will, im Marktrat eine Mehrheit finden wird. SPD-Markträtin Barbara Rappl hatte bei der Gegendemonstration vor dem Aurelium bereits geäußert, dass sie gegen eine derartige Beschränkung sei.

Das Bischöfliche Ordinariat teilte auf Anfrage der MZ mit, dass die Beschwerde schriftlich eingereicht werden solle. Dann werde die zuständige Abteilung auch die Einlassung des betroffenen Mitarbeiters hören, um sich ein genaues Bild zu machen. Dies sei die übliche Vorgehensweise.

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