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Leidenschaft

Albert Schettl filmt und filmt und filmt

Der Neutraublinger hat mit über 90 Jahren viele Ideen. Für den Streifen „Er läuft wieder“ gab es erneut eine Auszeichnung.
Von Petra Schmid

Für die richtige Einstellung ist Albert Schettl keine Mühe zu viel. Er ist Perfektionist. Fotos: Petra Schmid (2), Schettl (2)
Für die richtige Einstellung ist Albert Schettl keine Mühe zu viel. Er ist Perfektionist. Fotos: Petra Schmid (2), Schettl (2)

Neutraubling. Neutraubling. Albert Schettl ist drahtig und sein Gang überzeugt durch einen federnden Schritt. Keiner sieht ihm an, dass er schon den 90. Geburtstag feierte. Auch Gattin Rosemarie hat dieselbe jugendliche Ausstrahlung. Warum die beiden Senioren so beneidenswert agil sind, könnte daran liegen, dass sie ein ungebrochenes Interesse an ihrer Umwelt haben. Was um sie herum passiert, verfolgen sie akribisch per Foto- und Filmkamera.

Bei Festivitäten oder außergewöhnlichen Ereignissen ist Schettl selten ohne seine Kamera anzutreffen. Seit mehr als 50 Jahren blickt der gebürtige Schwabelweiser durch das Objektiv einer Filmkamera. Er blickt dabei auf alte Handwerkskunst und traditionelle Feste oder verfolgt komplexe Abläufe, wie den Bau eines Cellos, die Restaurierung des Chinesischen Turms in Donaustauf oder die Sanierung des Salettls in Regensburg-Kumpfmühl. Sein aktuellster Film trägt den Titel „Er läuft wieder.“ Wer meint, hier habe sich Schettl einem Sportler gewidmet, täuscht sich, es geht dabei nämlich um einen Elektromotor.

1965 gab es die erste Kamera

Als sich 1965 der damals frischverheiratete Schettl seine erste Kamera kaufte, dachte er wohl nicht, dass ihn das Filmen ein Leben lang nicht mehr loslassen würde, und schon gar nicht, dass er später einmal dafür viele Auszeichnungen holen würde. 999 Mark hat ihn die Super-8-Kamera damals gekostet. Ausflüge mit seiner Frau Rosemarie und vom Hausbau 1968 in der Neutraublinger Gärtnersiedlung hielt er in den Anfangsjahren fest. Seine erste Kamera leistete rund ein Dutzend Jahre treue Dienste. Dann folgte eine Kamera, die Überblenden möglich machte und an deren Filme eine Tonspur aufgeklebt werden konnte. Ende der 70er Jahre kaufte Schettl schließlich seine erste Tonfilmkamera. Sein erster richtiger Dokumentarfilm, dem er sich mittlerweile verschrieben hat, entstand im Jahr 1983 „Der Körblzäuner“.

In den vergangenen 30 Jahren hat der leidenschaftlichen Filmer, der dabei von seiner Frau unterstützt wird, beim Bundesfilmfestival Dokumentarfilm und bei den Bayerischen Film- und Videofestspielen Preise abgesahnt. Die „Bayern-Oscars“, weiße Porzellanlöwen, stehen im Rudel in der Vitrine. Kürzlich konnte er wieder eine Auszeichnung im Schrank dazustellen. In Dortmund erhielt er für seinen Streifen „Er läuft wieder“ in der Kategorie Dokumentarfilm Bronze. Die Freude darüber ist ihm auch heute anzusehen.

Alte Handwerkskunst im Blick

Schettl geht es dabei aber nicht darum, als toller Filmer zu gelten. Es liegt ihm vielmehr am Herzen, alte Handwerkskunst festzuhalten, bevor diese vielleicht verschwindet, hebt er im Gespräch hervor. Für den knapp 20 Minuten langen Film investierte er viel Zeit und brauchte einen langen Atem, bis er ihn realisieren konnte. Vor Jahren fragte er bereits bei der Regensburger Firma an und erhielt damals eine Absage, denn es habe zeitlich einfach nicht gepasst, blickt Schettl zurück. Dies sei für ihn kein Problem, denn Projekte habe er viele im Kopf. Im November vergangenen Jahres habe er dann die Zusage zum Dreh erhalten und im Dezember mit den Dreharbeiten angefangen zum Thema „Instandsetzung eines Elektromotors“.

Wenn er quasi die Dreherlaubnis habe, beginnt für ihn die Vorarbeit: Schettl erstellt sein Drehbuch. Für ihn heißt das, die Produktionsabläufe alle zu kennen. Nur, wenn er wisse, was der nächste Arbeitsschritt sei, und ob ein Handwerker etwa Rechts- oder Linkshänder ist, könne er den Positionswechsel der Kamera vorausplanen, ohne seinen „Darsteller“ bei der Arbeit zu stören, erklärt er das Konzept seiner Arbeit.

Auch bei seinem letzten Dreh seien viele Fachbegriffe, die der Handwerker benützte, „böhmische Dörfer gewesen“, sagte er lachend. Ihm liegt aber viel daran, dass der Text von jedem Laien verstanden werde. Also fragt der Neutraublinger so lange nach, bis er eine Erklärung findet, die vom Zuschauer verstanden wird. Geduld braucht es freilich nicht nur hinter der Kamera, auch die Darsteller müssen Arbeiten oft mehrmals wiederholen, bis Schettl zufrieden ist. Was letztendlich im „Kasten“ ist, soll nämlich perfekt sein. Entdeckt er zu spät noch einen, nur für ihn sichtbaren, Fehler, wurmt ihn dies gewaltig, gibt er zu. Ehefrau Rosemarie bestätigt lachend, es mache Spaß, ihren Albert zu unterstützen. Aber er sei halt so furchtbar genau, und alles müsse immer exakt passen.

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