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Landkreis
Samstag, 23. Juni 2018 18° 3

Neubau

Alter Park weicht für Sozialwohnungen

Regenstaufer Anwohner am alten Krankenhausareal wehren sich gegen große Baukörper. Alte Bäume sollen erhalten bleiben.
Von Sabine Norgall

Über 60 Jahre durften die Bäume im alten Krankenhauspark ungestört wachsen. Jetzt verkauft der Landkreis das Gelände. Die Anwohner fordern, dass sich die Bebauung an die Einfamilienhäuser der Umgebung anpassen soll und die alten Bäume geschont werden. Foto: Norgall
Über 60 Jahre durften die Bäume im alten Krankenhauspark ungestört wachsen. Jetzt verkauft der Landkreis das Gelände. Die Anwohner fordern, dass sich die Bebauung an die Einfamilienhäuser der Umgebung anpassen soll und die alten Bäume geschont werden. Foto: Norgall

Regenstauf.Mit dem Verkauf des letzten Stücks Parkgelände, das vom Areal des ehemaligen Kreiskrankenhauses in Regenstauf übrig blieb, will der Landkreis Regensburg ein positives Signal setzen. Statt nur von den Landkreisgemeinden zu fordern, dass diese sich im sozialen Wohnungsbau engagieren sollen, will der Landkreis selbst einen Beitrag leisten. Die Planungsvorgabe für das knapp 2800 Quadratmeter große Grundstück lautete, dass die Bevölkerung mit preiswertem, generationsübergreifenden Wohnraum versorgt werden soll. Auf Drängen des Markts Regenstauf soll es in den Neubauten auch eine Tagespflegeeinrichtung für Senioren geben.

„Dass der ehemalige Krankenhauspark einmal bebaut wird, war klar.“

Dr. Manfred Ederer

Die Anwohner an der Dr. Martin-Luther-Straße und der Friedensstraße reagierten „leicht geschockt“, als ihnen Pläne mit zwei großen, viergeschossigen Bauriegeln mit einer Firsthöhe von über 12 Metern vorgelegt wurden. Dr. Manfred Ederer wandte sich, zusammen mit anderen Anwohnern, an unser Medienhaus. Dass der ehemalige Krankenhauspark irgendwann einmal bebaut werde, sagt er, sei allen klar gewesen. Wie seine Nachbarn fordert er jedoch, dass sich die Bauten an die umliegenden Einfamilienhäuser anpassen sollten. Auch die großen Bäume im Süden und Osten des Parks, die gut 60 Jahre alt sind, müssten erhalten bleiben.

An die Umgebung anpassen

Im nördlichen Bereich grenzt das Seniorenwohnheim an die Parkfläche an. Foto: Norgall
Im nördlichen Bereich grenzt das Seniorenwohnheim an die Parkfläche an. Foto: Norgall

Bereits 2015 gab es eine genehmigte Bauvoranfrage für vier Einfamilienhäuser auf dem Gelände. Dagegen, sagt Thomas Liebl, der unmittelbar neben dem ehemaligen Park wohnt, hätte niemand etwas gehabt. Liebl und Ederer verweisen auf das Seniorenheim und das betreute Wohnen, die anstelle des alten Kreiskrankenhauses entstanden. Während man dort mit einem Geschoss tief in den Boden gegangen sei, sähe die aktuelle Planung vor, das Gelände aufzufüllen, so dass die Häuser noch höher herauskämen. Für den ganzen Siedlungsstreifen, sagt Liebl, gelte eine E+1- oder E+D-Bebauung. Er fragt: „Warum muss man das jetzt aufreißen?“ Die Einfamilienhäuser hätten eine durchschnittliche Firsthöhe von acht Metern.

Spontan entschieden sich die Anwohner zu einer Unterschriftenaktion, mit der sie sich gegen eine ihrer Meinung nach überdimensionierte Bebauung aussprechen. Foto: Norgall
Spontan entschieden sich die Anwohner zu einer Unterschriftenaktion, mit der sie sich gegen eine ihrer Meinung nach überdimensionierte Bebauung aussprechen. Foto: Norgall

Für das Grundstück des ehemaligen Krankenhausparks gibt es ebenso wie für drei weitere Baulücken im Privatbesitz keinen Bebauungsplan. Wenn jetzt vierstöckig gebaut werde, argumentiert Liebl, wecke das Begehrlichkeiten für die anderen Grundstücke.

„Die Parkplätze reichen heute schon nicht aus.“

Thomas Liebl

Außerdem fürchten die Anlieger, dass die Neubauten zusätzlichen Verkehr in die Dr.-Martin-Luther-Straße ziehen, wo die Parkplätze heute schon nicht ausreichten. Beim Ortstermin mit unserem Medienhaus entschließen sich die Anwohner spontan zu einer Unterschriftenliste, mit der sie im Landratsamt gegen die ihrer Meinung nach überdimensionierte Bauplanung protestieren wollen.

Schon jetzt, kritisieren die Anwohner, gibt es zu wenig Parkplätze in der Dr. Martin-Luther-Straße. Foto: Norgall
Schon jetzt, kritisieren die Anwohner, gibt es zu wenig Parkplätze in der Dr. Martin-Luther-Straße. Foto: Norgall

„Die Tagespflege für Senioren wird in Regenstauf dringend gebraucht.“

Bürgermeister Siegfried Böhringer

In Regenstaufs Rathaus betonen Bürgermeister Siegfried Böhringer und Bauamtsleiter Reinhold Viehbacher, dass dem Markt aktuell weder eine Bauvoranfrage noch ein Bauantrag vorlägen. Grundsätzlich, sagt Böhringer, könne der Landkreis mit seinem Grundstück machen, was er wolle. Er werte es aber sehr positiv, dass es eine Tagespflege für Senioren geben soll. Diese werde in Regenstauf dringend gebraucht.

Anstelle des alten Krankenhauses entstand auf dem Gelände bereits ein Seniorenwohnheim und eine Wohnanlage für betreutes Wohnen. Foto: Norgall
Anstelle des alten Krankenhauses entstand auf dem Gelände bereits ein Seniorenwohnheim und eine Wohnanlage für betreutes Wohnen. Foto: Norgall

„Im Innenbereich muss sich die Bebauung an der Umgebung orientieren.“

Bauamtsleiter Reinhold Viehbacher

Auf den fehlenden Bebaungsplan angesprochen, erläutert Viehbacher, dass sich in so einem Fall im Innenbereich die Bebauung an der Umgebung orientiere. Das unmittelbar benachbarte Seniorenheim und das betreute Wohnen seien Gebäude mit drei und vier Geschossen.

Nach Protesten der Anwohner im Rathaus, sagt Viehbacher, habe man gegenüber dem Landkreis vorgeschlagen, dass das südliche Gebäude, das an die Einfamilienhäuser anschließt, nur dreigeschossig gebaut werden soll und das Fundament mindestens 50 Zentimeter niedriger geplant werden solle.

Sozialwohnungen und Tagespflege

  • Wohnungen:

    Laut Auskunft des Landratsamtes werden verteilt auf zwei Gebäude insgesamt 25 Wohnungen errichtet, deren Größe liegt zwischen 40 und 120 Quadratmetern. Alle Wohnungen sind barrierefrei und ausschließlich für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen.

  • Tagespflege:

    Zusätzlich zu den Wohnungen wird es, auf ausdrücklichen Wunsch des Markts, eine Tagespflegeeinrichtung für Senioren mit 18 Plätzen geben.

  • Parkplätze:

    Für die Wohnungen und Tagespflege gibt es 40 Parkplätze.

Böhringer verweist im Zusammenhang mit der Gebäudehöhe auf die aktuelle Diskussion und das Volksbegehren der Grünen, das fordert, im Innenraum nachzuverdichten, statt neue Flächen im Außenbereich zu versiegeln. Dass auf den Baulücken, für die ebenfalls kein Bebaungsplan gilt, ebenfalls viergeschossig gebaut werden könnte, hält Viehbacher für „unwahrscheinlich“. Schließlich müssten die Abstandsflächen eingehalten werden.

„Die Reduzierung beim südlichen Gebäude um ein Stockwerk ist ein Zugeständnis des Landkreises an die dortige Nachbarschaft.“

Pressesprecher Hans Fichtl

Wie Hans Fichtl, Leiter der Pressestelle des Landratsamts, auf Nachfrage mitteilt, wurde der Verkauf des Grundstücks durch den Kreisausschuss grundsätzlich genehmigt. Nachdem in den letzten Wochen umgeplant wurde, müsse der Kreisausschuss vor dem endgültigen Verkauf wohl noch einmal beraten. Laut Auskunft des Landratsamts werden zwei Gebäude mit Tiefgarage errichtet. Das nördliche Gebäude soll zwölf Meter, das südliche neun Meter hoch sein. Die Reduzierung beim südlichen Gebäude um ein Stockwerk sei ein Zugeständnis des Landkreises an die dortige Nachbarschaft. Gegenüber dem Investor gebe es die Auflage, möglichst viele Bäume zu erhalten.

Landratsamt ist Doppelbehörde

Beim Ortstermin mit unserm Medienhaus hatten Anwohner kritisch angemerkt, dass der Landkreis als Verkäufer des Grundstücks auftrete, und im nächsten Schritt die Baugenehmigung ausstelle. Wie Fichtl erläutert, sei es so, dass der Landkreis als kommunale Gebietskörperschaft das Grundstück verkaufen wird. Der Investor müsse eine Baugenehmigung beim Landratsamt beantragen. Das Landratsamt handelt dann als staatliche Verwaltungsbehörde. In diesem Vorgang spiegle sich das Landratsamt als Doppelbehörde wider, die kommunale und staatliche Aufgaben erfülle. Im Vorfeld der Ausschreibung habe die Kreisfinanzverwaltung, die den Landkreis als Verkäufer vertritt, die Planung nicht nur mit dem Markt Regenstauf, sondern auch mit der Bauabteilung (staatliches Landratsamt) abgestimmt, um die Anforderungen so zu formulieren, dass diese später genehmigungsfähig seien.

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