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Sonntag, 19. August 2018 32° 3

Nahverkehr

Anschluss mit dem Bürgertaxi

Regenstaufs Bürgermeister plädiert im Nahverkehr für verstärkten ehrenamtlichen Einsatz. Der Markt will dabei helfen.
Von Sabine Norgall

Kein Bürgertaxi aber einen Gemeindebus gibt es in Sinzing. Am Donnerstagvormittag bringen damit Ehrenamtliche die Senioren zum Einkaufen oder zum Arzt. An anderen Tagen können Vereine oder Gruppen den Bus in einem Belegungsplan buchen. Archiv-Foto: Waeber
Kein Bürgertaxi aber einen Gemeindebus gibt es in Sinzing. Am Donnerstagvormittag bringen damit Ehrenamtliche die Senioren zum Einkaufen oder zum Arzt. An anderen Tagen können Vereine oder Gruppen den Bus in einem Belegungsplan buchen. Archiv-Foto: Waeber

Regenstauf.1889 Einwohner leben zum Stichtag 30. Juni 2018 in den Regenstaufer Ortsteilen Steinsberg, Eitlbrunn und Loch. Mit dem im Herbst 2017 dort gegründeten Bürgertreff versuchen einige sich dafür zu engagieren, dass ihre Heimatorte keine reinen Schlafstätten werden. Ein Punkt, der für sie dabei besonders wichtig ist, ist eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Zur jüngsten Versammlung des Bürgertreffs brachte Regenstaufs Bürgermeister Siegfried Böhringer ein paar Vorschläge mit, die auf privates Engagement zielen: „Eine Linie beim RVV durchzubringen ist ungleich schwieriger, als nachbarschaftliche Hilfe.“

Das jüngste Treffen des Bürgertreffs fand vergangene Woche im Gasthaus Spanner in Eitlbrunn statt. Foto: Norgall
Das jüngste Treffen des Bürgertreffs fand vergangene Woche im Gasthaus Spanner in Eitlbrunn statt. Foto: Norgall

Die Idee vom Mitfahrbankerl

Böhringer stellte in Aussicht, der Markt könnte ein Auto zu Verfügung stellen und die Versicherung übernehme. Dafür müssten sich rüstige Senioren finden, die nach Voranmeldung bereit wären, ältere Mitbürger bei Bedarf nach Regenstauf zu fahren. Als weitere Idee gefiel dem Bürgermeister das sogenannte „Mitfahrbankerl“. Einige Gemeinden testen das dort, wo der öffentliche Nahverkehr dünn ist.

Sehen Sie im Video: Immer mehr Gemeinden testen die Idee vom „Mitfahrbankerl“, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Die Idee dahinter: Bürger, die eine Mitfahrgelegenheit suchen, setzen sich auf das „Mitfahrbankerl“. Autofahrer, die unterwegs nach Regenstauf sind, könnten anhalten und die „Tramper“, die dort warten, mitnehmen.

„Die Resonanz für ein Bürgertaxi lag bei Null.“

Thea Lohner-Strebl

Unser Medienhaus fragte bei der ehemaligen Markträtin der Freien Wähler, Thea Lohner-Strebl, nach. Vor 13 Jahren rief sie das Projekt „Regina“ (Regenstauf gibt Nachbarschaftshilfe) ins Leben. In dessen Rahmen startete sie vor rund zehn Jahren einen einmonatigen Versuch für die Regenstaufer Ortsteile. Senioren, die eine Mitfahrgelegenheit suchten, hätten sich bei „Regina“ melden können. Die Resonanz, sagt sie, lag bei Null.

„Wenn die Chance besteht, dass einem der Nachbar samt Einkaufstüten vor der Haustür absetzt, nutzt man das lieber als den Bus.“

Bürgermeister Patrick Grossmann

In Sinzing zum Beispiel gibt es einen Gemeindebus, der am Donnerstag als Seniorenbus eingesetzt wird. Fünf Ehrenamtliche wechseln sich ab und bringen Bürger aus den Ortsteilen Eilsbrunn und Viehhausen, wo die Nahversorgung schlecht ist, zu festen Zeiten ab den üblichen Haltestellen zum Einkaufen oder zum Arzt nach Sinzing. Die Nachfrage allerdings ist nicht groß. Zwei bis drei Senioren nutzen das Angebot. Bürgermeister Patrick Grossmann bedauert dies, sieht es aber auch als positives Zeichen dafür, dass die Nachbarschaftsstruktur noch funktioniert. Grossmann: „Wenn die Chance besteht, dass einem der Nachbar samt Einkaufstüten vor der Haustür absetzt, nutzt man das lieber als den Bus.“ Den Sinzinger Gemeindebus sponserte die Sparda-Bank. Er steht nicht nur für Seniorenfahrten zur Verfügung, sondern wird auch von Vereinen oder Gruppierungen gebucht. Im Rahmen der Nachbarschaftshilfe können Senioren in Sinzing auch auf Ehrenamtliche zurückgreifen, die sie gegen geringes Entgelt an die Nachbarschaftshilfe mit dem privaten Pkw zum gewünschten Zeitpunkt zum Arzt bringen. Alfred Lechermann, 2. Vorsitzender des Seniorenbeirats Sinzing, bedauert, dass auch dieses Angebot kaum angenommen wird.

Statt eines Bürgertaxis schlägt Lohner-Strebl eine Telefonzentrale im Regenstaufer Rathaus vor, bei der sich Bürger melden könnten, die eine Mitfahrgelegenheit suchten. So könnten diese an Ehrenamtliche vermittelt werden, die bereit seien zu fahren. Lohner-Strebl setzt viel auf ehrenamtliches Engagement, sieht aber bei Organisationsfragen auch die Gemeinde für ihre Bürger in der Pflicht.

Der Bürgertreff

  • Gründung:

    Ausschlaggebend für die Gründung des Bürgertreffs Steinsberg, Eitlbrunn und Loch war der Ärger über den Abbau der Selbstbedienungsfiliale der Sparkassen im vergangenen Jahr in Steinsberg.

  • Ausrichtung:

    Jeder kann mitmachen. Es gibt keine parteipolitische Ausrichtung. Neben SPD-Marktrat Christian Engl engagiert sich unter anderem der AfD-Bundestagskandidat von 2016, Armin Bauer.

  • Ziel :

    Gemeinsam will man sich dagegen wehren, dass die westlichen Gemeindeteile ausbluten.

  • Agenda:

    Themen, die dem Bürgertreff am Herzen liegen, sind eine bessere Anbindung der Ortsteile im Personennahverkehr, Radwege, auf denen man sicher in Richtung Regenstauf und Regensburg fahren kann, behindertengerechte Bürgersteige, der Fortbestand der Geschäfte und medizinische Versorgung vor Ort.

Keine Chance sah Böhringer für Fahrten des Citybusses nach Steinsberg. Dessen Fahrplan sei eng mit den Abfahrtszeiten der Züge verknüpft. Da gebe es keinen Spielraum. Würde der Citybus seine Runde über Steinsberg ausdehnen, wären die Fahrgäste gut eine Stunde lang unterwegs. Ein Citybus für Steinsberg ginge nur mit einer zweiten Linie. Die komme aber finanziell nicht in Frage, weil das durchschnittliche Defizit für den Citybus, das die Gemeinde Jahr für Jahr trägt, bereits jetzt bei 55 000 Euro liegt.

Herbert Bucher nannte beim Bürgertreff eine weitere Idee für eine bessere Busanbindung. Er regte an, die Linie 15, die von Steinsberg kommend über Eitlbrunn und Loch nach Lappersdorf fährt, solle bei einzelnen Fahrten bei Grub zurück zur Kreisstraße G21 fahren, von dort weiter nach Regenstauf fahren. Auf Höhe des Baumarkts könnte sie Fahrgäste in den Citybus entlassen und anschließend über Medersbach nach Lappersdorf weiterfahren. Bürgermeister Böhringer sagte zu, dass man diesen Vorschlag an den RVV weiterleiten werde.

Sichere Radwege bauen

Die Unterstützung der Gemeinde sagte Böhringer bei dem vom Bürgertreff geforderte Bau der Radwege (MZ berichtete) nach Regensburg und Regenstauf entlang der Kreisstraßen R 18 und R 21 zu. Bauträger bei den Kreisstraßen sei der Landkreis. Die Gemeinde könne nur unterstützend tätig sein. Für einen sicheren Radweg zwischen Eitlbrunn und Steinsberg entlang der Gemeindestraße in Richtung Fortsberg ist der Markt zuständig. Dieser Radweg scheitert seit Jahren daran, dass der Markt dort keinen Grund erwerben kann.

Christian Engl kündigte an, dass der Bürgertreff zusammen mit Dr. Klaus Wörle, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, einen Arbeitskreis gründet. Darin soll die Dringlichkeit der Radwege verdeutlicht werden. Das Ergebnis wolle man Landrätin Tanja Schweiger vorgelegen.

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