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Soziales

Auch Mustafa hilft in der Kleiderkammer

Ein Helferkreis in Undorf versorgt Bedürftige. Zu den Ehrenamtlichen gehört auch ein syrischer Flüchtling als Dolmetscher.
Von Paul Neuhoff

Helferinnen der Undorfer Kleiderkammer sichten und sortieren angelieferte Kleidung. Fotos: Neuhoff
Helferinnen der Undorfer Kleiderkammer sichten und sortieren angelieferte Kleidung. Fotos: Neuhoff

Nittendorf.Seit gut zwei Jahren gibt es mittlerweile die Kleiderkammer in der Mittelschule Undorf. In ihr können sich Flüchtlinge, etwa aus Syrien, Afghanistan oder Afrika, aber auch sonstige Bedürftige mit Kleidung und anderen gespendeten Gütern eindecken.

Die Kleiderkammer ist nicht, wie ihr Name vermuten lässt, ein dunkler Lagerraum, vollgestopft mit Kleidung. Vielmehr fühlt man sich in dem geräumigen, hellen Raum mit großen Fenstern fast an eine Abteilung in einem klassischen, kleinen Warenhaus erinnert. Etwa die Hälfte des Raumes füllen fahrbare Kleiderständer, auf denen ordentlich hunderte von Kleidungsstücken in allen Größen und Varianten hängen. Für alle Altersgruppen ist etwas dabei.

Auch Spielzeug ist im Angebot

In hohen Schränken an der Wand warten fein säuberlich zusammengelegt Pullover und Shirts auf Abnehmer. An der gegenüberliegenden Wand findet man Regale, voll mit Geschirr, aber auch mit Spielzeug. In weiteren Ablagen sind Schuhe und Taschen in allen Größen aufgereiht. Ein Besucher kann sich durchaus wohlfühlen.

Bekleidung in Hülle und Fülle – ordentlich aufgereiht
Bekleidung in Hülle und Fülle – ordentlich aufgereiht

Die Helfer um ihre Sprecherin Christa Kraus tun alles, damit Berührungsängste gar nicht aufkommen. Als der Reporter unseres Medienhauses die Kleiderkammer besucht, arbeiten neben Christa Kraus noch Erika Fleischhauer, Maria Bawidamann, Helga Pinkatschek, Christa Lang und Otto Kraus sowie Mustafa Sabrin auf bedürftige Kunden.

Der Syrer Sabrin, der schon bei der ersten Flüchtlingswelle im Herbst 2015 nach Bayern kam, fährt am Ausgabetag extra mit Bus und Zug von Donaustauf nach Undorf, um als Dolmetscher zu fungieren. Mustafa ist anerkannter Asylbewerber und hat sich schon passable Deutschkenntnisse angeeignet. Er hat sogar ein Gedicht geschrieben, das sichtbar an einer Wand angebracht ist. Darin heißt es unter anderem: „Unsere ehrliche Hochachtung für die Menschen aus Undorf, weil sie Botschafter der Liebe und des Friedens sind.“

„Am Anfang war es mit der Verständigung schwierig“ erzählt Maria Bawidamann. Seit Mustafa dabei ist, sei alles leichter. Inzwischen würden aber auch schon die Kinder von Asylsuchenden, die schon länger da sind, dolmetschen. Mustafa übersetzt nicht nur, er hilft seinen Landsleuten auch bei der Suche nach passender Kleidung und berät, fast wie ein gelernter Verkäufer und immer mit einem Lächeln, „seine Kunden“. Überhaupt herrscht in der Mannschaft gute Laune und die Besucher werden respektvoll angenommen.

Wie Otto Kraus schildert, kommen die Flüchtlinge teils nur mit dem, was sie auf dem Leib tragen, nach Deutschland. Entsprechend war und ist der Andrang an den Ausgabetagen manchmal so groß, dass man zur „Blockabfertigung“ übergehen musste. Die vor der Tür Wartenden erhalten eigens angefertigte Einlasskarten. Kleinere Gruppen können dann für eine Zeit von etwa zwanzig Minuten aussuchen und anprobieren. Nur so könnte man ein heilloses Durcheinander und Streit um die Artikel verhindern und die Ausgabe in einem angemessenen zeitlichen Rahmen abwickeln.

Alles wird verwertet

Wer vom Helferstab gerade nicht mit der Ausgabe beschäftigt ist, nutzt die Zeit, um Kleidung und sonstige Gegenstände, die abgegeben wurden, zu sichten und zu sortieren. „Wir bekommen viel und freuen uns darüber“, sagt Christa Kraus, merkt aber etwas frustriert an, dass manchmal auch verschmutzte, übelriechende oder zerrissene Kleidung abgegeben werde.

Es komme aber trotzdem nichts in die Mülltonne. Kleidung, die zum Tragen nicht mehr taugt, werde an Spezialfirmen übergeben, die daraus noch Putzwolle oder Ähnliches fertigen, erklärt Christa Kraus noch. Der Erlös daraus kommt einem Hilfsprojekt des früheren Undorfer Seelsorgers Pater Thomas zu Gute.

Wenn Christa Kraus und ihre Mitstreiter die Kleiderkammer auch gerne organisieren, so wäre es doch schön, wenn sich noch Frauen und Männer finden würden, die 14-tägig bei der Ausgabe oder auch bei der Annahme dabei wären, merkt die engagierte Undorferin an.

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