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Dienstag, 19. Juni 2018 26° 4

Verkehr

Barbing erstickt am Verkehr

Die A 3 wird erweitert, zeitgleich wird an der B 8 gebaut. Für das Verkehrsaufkommen im Ort hat das dramatische Folgen.
Von Tino Lex

Die 40-Tonner versuchen durch Barbing den Baustellen zu entgehen. Foto: Lex
Die 40-Tonner versuchen durch Barbing den Baustellen zu entgehen. Foto: Lex

Barbing.„In Barbing ist es so wie früher, als es noch keine Umgehung gab“, fasst Konditor und Unternehmer Martin Kellnhauser das derzeitige Verkehrsaufkommen in Barbing zusammen. In der Tat stellte Bürgermeister Hans Thiel in der letzten Gemeinderatssitzung fest, dass sich das Verkehrsaufkommen in den Hauptverkehrsstraßen des Dorfes zwar vervierfacht habe, aber anhand der kommunalen Verkehrsüberwachung könne man feststellen, dass Tempoverstöße wie in früheren Zeiten passé seien.

Kein Wunder, könnte man meinen, denn wenn so viele auf der Straße sind, kann man gar nicht schnell fahren – doch weit gefehlt: Die Messungen wurden in Zeiten vorgenommen, die weit entfernt von den Hauptverkehrszeiten, der berühmten „Rushhour“, waren.

Laster brettern durch den Ort

Von oben schön zu sehen: die Großbaustelle auf der B 8 im Süden Barbings. Foto: Lex
Von oben schön zu sehen: die Großbaustelle auf der B 8 im Süden Barbings. Foto: Lex

Die Barbinger stört vor allem, dass die großen Lastwägen ganz ungeniert durch den Ort brettern, um die derzeit nicht passierbare Bundesstraße in Richtung Straubing schnell zu umgehen. „Normalerweise ist ganz klar ausgeschildert, dass die Umleitung über die Neutraublinger Umgehung zu erfolgen hat. Es halten sich aber die wenigsten Verkehrsteilnehmer daran“, erklärt der zweite Bürgermeister Barbings, Anton Schindlbeck, die Situation. Aber richtig ärgert er sich darüber, dass nicht nur die Hauptverkehrsstraße in Barbing genutzt wird, sondern oft auch Schleichwege durch die verkehrsberuhigten Zonen in der Friesheimer oder Donaustaufer Straße eingeschlagen werde. „Manchem geht es nicht schnell genug. Dann wird noch vor dem Kreisel schnell die Hauptstraße verlassen und durch diese Schleichwege gefahren“, sagt Schindlbeck. „Unmöglich“ findet er das, denn dort seien viele Familien mit Kindern zuhause und „der viele Verkehr birgt da dann auch Gefahren“, warnt er.

Barbing verfügt über drei Kreisel: einen am Westeingang, einen vor dem Nahversorgungszentrum im Süden und schließlich einen im Osten. Täglich ist zu beobachten, wie sich die dicken Brummis durch die Kreisel quälen, denn eigentlich sind sie viel zu groß für diese.

2018 verkehrstechnisch abhaken

Wie aber soll man das eindämmen? Schindlbeck sieht hier nur eine einzige Möglichkeit: häufigere Polizeikontrollen. Allerdings: Die Hauptverkehrsadern kann jeder passieren – nur bei Anliegerstraßen könne man Strafen verhängen. Wie geht‘s also weiter?

„Ich denke wir können das Jahr 2018 verkehrstechnisch abhaken“, macht der zweite Bürgermeister wenig Mut. Denn wenn in rund acht Wochen die Baustelle in Richtung Straubing fertiggestellt sein wird, steht bereits die nächste Baustelle an.

Dann nämlich soll die Straße, die von Donaustauf kommend in die Bundestraße 8 mündet, ertüchtigt werden. Hier soll nach dem Willen der Planer eine weitere Einbiegespur in Richtung Regensburg entstehen. Die Bauzeit? Mindestens so lang wie bei der bisherigen Baustelle.

Einbußen der Geschäftsleute

Die Bürger fragen sich, warum mit der Ertüchtigung der Straßen rund um Barbing nicht früher begonnen wurde. Nun fallen die Bauarbeiten an der Autobahn und an der Bundesstraße zusammen. Das nervt Autofahrer und Barbinger, die nun unter dem hohen Verkehrsaufkommen im Ort leiden. „Das lag nicht in unserer Hand“, verteifigt sich Bürgermeister Hans Thiel. „Ein halbes Jahr früher geplant und alles wäre entzerrt“, sagt auch er. Zwar drücke das Straßenbauamt jetzt aufs Tempo und kommt so den Barbingern entgegen. „Aber dass es jetzt so ist, damit müssen alle zurechtkommen“, sagt der Rathauschef.

Leben müssen damit auch die Geschäftsleute in Barbing, die mit zum Teil erheblichen Einbußen zu kämpfen haben. So weiß Anton Schindlbeck von Rainer Lattus, dem Betreiber des Edeka-Marktes, dass nachmittags unter der Woche oft gar nichts los sei, und dies eben erst, seitdem die Baustelle auf der B 8 eingerichtet sei. Lattus geht von 30 Prozent weniger Einnahmen aus, solange das Nahversorgungszentrum Barbing verkehrstechnisch nicht voll erreichbar ist. Und auch die Gastronomen in Barbing rechnen mit einem Umsatzrückgang.

Den Bürgern in Barbing bleibt einstweilen nur zu hoffen, dass die Bauarbeiten planmäßig voranschreiten und es auf der A 3 nicht häufig zu Unfällen kommt.

Gastronomen verzeichnen Einbußen

  • Martin Kellnhauser:

    Martin Kellnhauser führt seit einigen Jahren das Café Kelli in der Barbinger Kirchstraße. „Seit den Umbaumaßnahmen habe ich Einbußen zwischen 15 und 30 Prozent zu verzeichnen. Vor allem die Radfahrer, die über die Brücken kamen, bleiben aus.“

  • Anna Dakas:

    Ähnlich verhält es sich beim Barbinger Griechen. Anna Dakas spricht ebenso von rund 20 Prozent Einbußen. „Die Autofahrer, die von Süden kommen oder von Neutraubling, aber auch Regensburg, müssen sich bis zu uns durchschlagen.“

Alles rund um den sechsspurigen Ausbau der A 3 lesen Sie in unserem MZ-Spezial.

Aktuelle Staumeldungen: Wo es sich auf den Straßen rund um Regensburg staut, erfahren Sie in unserem Verkehrsticker.

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