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Bahnausbau

Barrierefrei – aber mit Hindernissen

Der Haltepunkt Mausheim wird für 2,5 Millionen umgebaut. Dennoch sind Behinderte auch künftig auf fremde Hilfe angewiesen.
Von Dietmar Krenz

Der neue Bahnsteig in Mausheim wird zwar behindertengerecht ausgebaut, der Zugang zum Haltepunkt ist aber nicht barrierefrei. Fotos: Krenz
Der neue Bahnsteig in Mausheim wird zwar behindertengerecht ausgebaut, der Zugang zum Haltepunkt ist aber nicht barrierefrei. Fotos: Krenz

Beratzhausen. Es liest sich wie ein Schildbürgerstreich: Da baut die Deutsche Bahn den bestehenden Haltepunkt in Mausheim barrierefrei für rund 2,5 Millionen Euro aus – und trotzdem kann kein Mensch mit Behinderung den neuen Bahnhof ohne fremde Hilfe nutzen. Dies hat zwei Gründe: Die neue Bahnsteigkante liegt im Zuge des bundesweiten Modernisierungskonzepts auf einer Höhe von 76 Zentimetern über Schienenoberkante und viele Personenzüge erreichen diese Einstiegshöhe noch nicht. Dies soll sich aber in Zukunft durch Umstellungen und neue Züge ändern.

Die Bahnsteige werden in modularer Bauweise hergestellt.
Die Bahnsteige werden in modularer Bauweise hergestellt.

So weit so gut: Wenn da nicht der zweite Grund wäre: der Zugang zum Haltepunkt. Für den zeichnet der Markt Beratzhausen verantwortlich. Und trotz mehrmaliger Anträge, einer Unterschriftenaktion und Marktratsbeschlüssen wurden keine weiteren ernsthaften Anstrengungen unternommen, den Ausbau umzusetzen, moniert Marktrat Tobias Walter von den Freien Wählern.

Ein Schildbürgerstreich?

Doch von Anfang an: Bereits im Frühjahr 2016 gab die Deutsche Bahn bekannt, dass der Haltepunkt näher an Mausheim gebaut werden soll. In einer Marktratssitzung wurde das Projekt vorgestellt. Nachdem Ende 2016 auch die Pläne für die Zuwegung standen, war klar, dass zwar ein barrierefreier Einstieg vom Bahnsteig in den Zug möglich werden würde, jedoch der Weg auf den Bahnsteig wegen einer Treppe einerseits und eines steilen Anstiegs auf der anderen Gleisseite nicht barrierefrei ist.

Nachdem der 2. Bürgermeister und Behindertenbeauftragte des Landkreises Regensburg, Martin Tischler (FW), bei vielen Stellen vorstellig wurde, um einen echten barrierefreien Zugang zu erreichen, war das Ergebnis mehr als ernüchternd. Vonseiten der Bahn hieß es, eine Barrierefreiheit würde erst ab 1000 Fahrgästen pro Tag hergestellt. Der Freistaat Bayern stellte lediglich einen Zuschuss von 50 Prozent der förderfähigen Kosten in Aussicht.

Somit war klar, dass Beratzhausen einen Eigenanteil von 100 000 Euro für den behindertengerechten Zugang bezahlen müsste. Mit diesem Kenntnisstand stimmte im März 2017 das Gremium in nichtöffentlicher Sitzung ab. Vorgestellt wurde eine barrierefreie Zuwegung, wie sie vom Planungsbüro der DB aufgezeigt wurde. Der Ausbau wurde schließlich abgelehnt.

Der bestehende Bahnhaltepunkt wird zurückgebaut.
Der bestehende Bahnhaltepunkt wird zurückgebaut.

Das wollten Marktrat Tobias Walter (Freie Wähler) und viele Bürger der Marktgemeinde nicht hinnehmen. Walter gründete eine Bürgerinitiative und sammelte Unterschriften. In nur vier Tagen kamen weit mehr als 300 zusammen. „Ein barrierefreier Bahnsteig ohne barrierefreie Zuwegung ist ein Schildbürgerstreich“, argumentiert der Sprecher der Initiative.

Nur Bedenken geäußert

Der Antrag der BI wurde Mitte April im Rathaus eingereicht, jedoch erst in der Sitzung Ende Juli 2017 auf die Tagesordnung genommen. Nach langer Diskussion stimmte der Marktrat unter der Voraussetzung einiger Forderungen an die Bahn zu. Wieder verging nach Ansicht von Walter unnötig viel Zeit. Nach mehrfachen Nachfragen zum Sachstand hieß es zunächst aus dem Rathaus, man warte auf die Rückmeldung der Bahn.

Als nun bis November 2017 immer noch nichts passierte, wurde Walter selbst bei der Regierung der Oberpfalz vorstellig. Von dort hieß es, man halte die Maßnahme für sinnvoll und werde die Förderung unterstützen. Dazu sei aber noch die Zuarbeit vonseiten der Gemeinde notwendig. Auch in einem Gespräch mit der Bahn wurde Bereitschaft signalisiert, sowohl über die Kostenaufteilung der geplanten Treppe zugunsten einer Rampe zu sprechen, als auch eine Zusage zu geben, dass der Umbau keinen Einfluss auf einen künftigen Ausbau des Bahnhofs Beratzhausen habe.

„Leider wurde auch hier von der Marktgemeinde Beratzhausen nichts in dieser Hinsicht forciert. Es wurden lediglich Bedenken geäußert, ob alle Forderungen des Beschlusses vom Juli auch umzusetzen seien“, informiert Walter. Daher stellte er einen erneuten Antrag, den Beschluss abzuändern. In der Dezembersitzung wurde mehrheitlich beschlossen, lediglich drei Forderungen an den Ausbau zu knüpfen.

 Die neue Bahnsteigkante liegt im Zuge des bundesweiten Modernisierungskonzepts auf einer Höhe von 76 Zentimetern über Schienenoberkante.
Die neue Bahnsteigkante liegt im Zuge des bundesweiten Modernisierungskonzepts auf einer Höhe von 76 Zentimetern über Schienenoberkante.

„Die Bahn baut nun seit Anfang März den Haltepunkt um. Damit ist eine barrierefreie Zuwegung nicht unmöglich geworden, jedoch mit höheren Kosten verbunden“, sagt der Freie Wähler. Eine Absprache mit der Bahn zum gemeinsamen Planen und Bauen sei nicht mehr möglich. „All diese Kosten hätten geteilt werden können, hätte man hier frühzeitig das Gespräch mit der Bahn und den Förderbehörden gesucht“, ist Tobias Walter sicher. „So erhält Beratzhausen nun den einzigen barrierefreien Bahnsteig zwischen Batzhausen und Undorf, auf den man jedoch nicht barrierefrei kommt.“

Keine Antwort der Bahn

Auf die Vorwürfe angesprochen, verweist Bürgermeister Konrad Meier auf seinen Bauamtsleiter. Wie Dieter Kuberski mitteilt, wurde bereits einen Tag nach dem Marktratsbeschluss im Dezember 2017 der Antrag samt Forderungen an die Deutsche Bahn geschickt. Darauf gab es keine Antwort. Ebenfalls keine Reaktion erfolgte auf ein neuerliches Schreiben am 7. Februar 2018, worüber auch die Markträte informiert wurden. „Auch wir bedauern zutiefst, dass die Bahn nicht darauf eingeht und wir dem Beschluss keine Außenwirkung folgen lassen können“, bezieht Kuberski Stellung.

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Bahnstation mausheim

  • Bauzeit:

    März 2018 bis Ende 2018

  • Was wird gebaut?

    Zwei Außenbahnsteige mit einer Länge von je 170 Metern, einer Breite von 2,5 Metern und einer Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern über Schienenoberkante. Die Bahnsteige werden näher zum Ort in modularer Bauweise hergestellt.

  • Kosten:

    Die Deutsche Bahn investiert rund 2,5 Millionen Euro.

  • Weitere Maßnahmen:

    Im Landkreis Regensburg werden noch die Stationen Deuerling (geplante Inbetriebnahme 11/2019) sowie Sünching (geplante Inbetriebnahme 2021) barrierefrei ausgebaut. (wd)

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