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Dienstag, 24. April 2018 22° 3

Gericht

Bei der Oma Drogen gebunkert

Ein per Haftbefehl gesuchter Dealer fand bei seiner Großmutter in Wiesent Unterschlupf und hortete bei ihr Rauschgift.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (mitte) wird von Polizeibeamten in den Gerichtssaal geführt. Foto: Boeselager

Regensburg.Seit seiner Jugend geriet der heute 39-jährige Wiesenter Florian K. (Name geändert) wegen Drogenbesitzes und -handels immer wieder mit der Polizei in Konflikt. Sein Strafregister ist mit Eintragungen üppig bestückt. Der gelernte Hersteller für Werbemittel bringt bereits einiges an Hafterfahrung mit. Seit Dienstag geht es für den „dicken Fisch“ in der Rauschgiftszene der Region – so Beamte der PI Wörth – vor dem Regensburger Landgericht um ein großes Paket an Betäubungsmitteln quer durch das Sortiment. Die Drogen soll der gebürtige Regensburger zwecks späteren Verkaufs an mehreren Stellen im Gemeindegebiet Wiesent gebunkert haben. Der Angeklagte legte nach einem Deal mit dem Gericht ein umfassendes Geständnis ab.

Angeklagter legte Geständnis ab

Laut Anklageschrift hatte der Wiesenter bis zur zufälligen Entdeckung seines geheimen Lagers im November 2016 in einem Erdbunker in Wiesent 283 Ecstasy-Tabletten, 528 Gramm Amphetamin und 237 Gramm MDA, jeweils von guter bis mittlerer Qualität, versteckt.

Im April letzten Jahres stießen Polizeibeamte nach einer Verkehrskontrolle des Angeklagten, der damals per Haftbefehl gesucht wurde, im Wiesenter Haus seiner Großmutter, bei der er untergeschlüpft war, auf weitere Drogen: 196 Gramm MDMA, 273 Gramm Amphetamin, 0,98 Gramm Kokain, rund 150 Gramm Marihuana sowie eine kleinere Menge Heroin.

Der Dealer soll im April letzten Jahres laut Staatsanwaltschaft zudem unter einer Holzbrücke in Wiesent weitere zwei Kilo Cannabis und etwas Kokain zwecks anschließenden Weiterverkaufs versteckt haben. In diesem Punkt wurde die Anklage aber nicht zugelassen.

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Nach einem Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten stellte die Kammer unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl dem Angeklagten bei einem Geständnis eine Haftstrafe zwischen zwei Jahren drei Monaten und zwei Jahren neun Monaten in Aussicht. Daraufhin räumte Florian K. über seinen Anwalt Helmut Mörtl alle Vorwürfe ein.

Danach war der Angeklagte zuletzt 2011 wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt worden. Doch kurz vor Ende des Maßregelvollzugs flüchtete K. aus der Einrichtung, da er zuletzt auch dort unter anderem Spice konsumiert hatte und fürchtete, sein Konsum werde auffliegen. Jahrelang war er danach auf der Flucht, auch im Ausland. Seine Familie hielt weiter zu ihm und überwies ihm auch Geld, so Mörtl. Doch K. fiel nach etwa eineinhalb Jahren „wieder massiv in den Drogenkonsum zurück“: Heroin, Kokain und Marihuana brauchte er bald wieder in großen Mengen. Um das zu finanzieren, habe er mit „weichen und mittleren Drogen“ gedealt, so das Geständnis.

Drogen aus dem Erdbunker

  • Kiloweise Drogen:

    Der Angeklagte hatte in einem Erdbunker im Gemeindegebiet Wiesent 284 Ecstasy-Tabletten, 237 Gramm MDMA und über ein halbes Kilogramm Amphetamin versteckt.

  • MDMA:

    Die Abkürzung MDMA steht für die chirale chemische Verbindung 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin. Es gehört zu den Amphetaminen. MDMA ist insbesondere als weltweit verbreitete Partydroge bekannt.

  • Absichten:

    Der Angeklagte wollte die Drogen verkaufen. Er selbst konsumierte vor allem Heroin in hohen Dosen, Kokain und Cannabis.

  • Therapie:

    Er erklärte vor Gericht, er würde gerne eine stationäre Therapie antreten und später einmal mit seiner Freundin in Thailand leben. mov

In der Zeit bis zu seiner Festnahme im August letzten Jahres pendelte der flüchtige Mann zwischen Deutschland und Thailand hin und her, wo seine Freundin lebt. In der Heimat nahm die Großmutter ihren Enkel zeitweilig auf.

So kam die Polizei im April letzten Jahres auf die Spur des 39-Jährigen. Ein Beamter erzählte im Zeugenstand, K. sei ihm in Wiesent bei einer Verkehrskontrolle als drogenverdächtig aufgefallen. Beim Check der Personalien rief der Kollege: „Der wird fei gesucht!“ Doch da gab der Autofahrer schon Fersengeld und verschwand im Garten seiner Oma. Die Beamten eilten hinterher, konnten aber nur noch die Jacke des Mannes mit Auto- und Hausschlüsseln sicherstellen. Der Flüchtige war offenbar über eine an eine Betonmauer angelehnte Leiter entkommen.

Oma: „Er wohnt hier nicht.“

Da niemand auf das Klingeln im Haus öffnete, verschafften sich die Beamten selbst Eingang mit den Schlüsseln aus der Jacke – und stießen im Keller auf K.‘s Großmutter. Die Dame erklärte, ihr Enkel wohne nicht bei ihr. Sie gestattete aber die Durchsuchung der Räume. In der Garage und im Zimmer des Angeklagten stießen die Beamten zwar nicht auf den Gesuchten, aber auf dessen Drogen. Dennoch blieb die Seniorin dabei: „Diese Zimmer bewohne ich!“ Dies nahmen ihr die Beamten aber denn doch nicht ab. Das Haus blieb weiter unter Beobachtung der Polizei, bis Florian K. den Fahndern schließlich im August ins Netz ging. Der Prozess ist auf zwei Verhandlungstage angesetzt.

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