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Infrastruktur

Bei Verkehrsprojekten geht wenig voran

Eine ganze Reihe von Vorhaben sind im Norden und Westen von Regensburg angedacht. Die MZ stellt den Stand der Planungen vor.
Von Thomas Kreissl, MZ

Autos stehen im Stau – ein alltägliches Bild im Berufsverkehr rund um das Nadelöhr Pfaffensteiner Brücke.
Autos stehen im Stau – ein alltägliches Bild im Berufsverkehr rund um das Nadelöhr Pfaffensteiner Brücke. Foto: Lex

Regensburg.Eine ganze Reihe von Verkehrsprojekten sind am Schnittpunkt zwischen der Stadt Regensburg und nördlichem Landkreis Regensburg geplant und in der Diskussion. Viele Probleme sind noch nicht gelöst, manche Projekte nicht mehr als Gedankenspiele und gegen andere wird geklagt. In dieser Gemengelage scheint es schwierig, schnelle Lösungen für den weiter zunehmenden Verkehr zu finden. Die MZ stellt die Maßnahmen und den aktuellen Stand der Planungen vor.

Der Lappersdorfer Kreisel soll umgebaut werden.
Der Lappersdorfer Kreisel soll umgebaut werden. Foto Lex

Komplexes Großprojekt

Die zentralen Verkehrsprojekte am Schnittpunkt zwischen Stadtnorden und Landkreis sind der Bau der Sallerner Regenbrücke und der damit verbundene Umbau des Lappersdorfer Kreisels. Bereits im Februar vergangenen Jahres wurde das Planfeststellungsverfahren für das 30-Millionen-Projekt beendet, zu dem auch der Ausbau der Regensburger Nordgaustraße gehört.

Allerdings hat das umstrittene Verkehrsprojekt auch entschiedene Gegner im Regensburger Norden. So kämpft die Bürgerinitiative LOS („Leben ohne Stadtautobahn“) seit Jahren dagegen und hat sich stets ein Bürgerbegehren vorbehalten, um das Vorhaben möglicherweise zu verhindern. Ein weiterer Gegner ist Gerhard Hauner, Inhaber einer Gärtnerei in der Lappersdorfer Straße, der nicht nur seinen Betrieb mit 30 Mitarbeitern gefährdet sieht, sondern die Verkehrspolitik an sich infrage stellt. Hauner gehört auch zu den insgesamt fünf Klägern gegen den 550 Seiten umfassenden Planfeststellungsbeschluss. Seit März vergangenen Jahres liegt das Projekt jetzt beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München. Nicht abzusehen ist bislang, wann dazu in München mit einer Entscheidung zu rechnen ist. Das bestätigt Dr. Klaus Löffelbein auf Anfrage der MZ. Er kann zu dem Verfahren noch keinerlei Termin nennen.

„Derzeit gibt es kein Baurecht“ , erklärt Abteilungsleiter Manfred Rieger vom federführenden Staatlichen Bauamt Regensburg. Gearbeitet wird seinen Worten zufolge derzeit an einer Rahmenvereinbarung zwischen dem Bauamt, der Autobahndirektion, der Gemeinde Lappersdorf sowie Stadt und Landkreis Regensburg. Hier wird beispielsweise festgeschrieben, wer für was zuständig ist und wie die Kosten verteilt werden. Zudem wird eine Bauentwurfsplanung erstellt, die aber erst von der Obersten Baubehörde und Regierung genehmigt werden müsste.

Selbst wenn die Klagen vom Verwaltungsgerichtshof abgelehnt werden sollten, wird es bis zur Verwirklichung des hochkomplexen Bauvorhabens noch eine ganze Weile dauern. Rieger rechnet mit einer Bauzeit von vier bis fünf Jahren, in deren Verlauf neben der Regenbrücke beispielsweise auch noch zwei Brückenbauwerke im Bereich des Lappersdorfer Kreisels entstehen müssten. Um die Eingriffe in den Verkehr dabei so gering wie möglich zu halten, ist nach Ansicht des Abteilungsleiters im Bauamt eine aufwendige und komplizierte Planung der Baumaßnahme notwendig.

Noch gibt es keine Machbarkeitsstudie zu den Parallelbrücken an der Pfaffensteiner Brücke
Noch gibt es keine Machbarkeitsstudie zu den Parallelbrücken an der Pfaffensteiner Brücke Foto: Lex

Es gibt noch keine Machbarkeitsstudie

Schon bei seiner Sitzung im Januar 2012 machte der Regensburger Stadtplanungsausschuss deutlich, wo die Prioritäten der Stadt liegen, sollte tatsächlich eine weitere Donauquerung notwendig werden. Demnach sind das ganz klar die Parallelbrücken zur Autobahnbrücke bei Pfaffenstein, stellte der Ausschuss damals fest. Ob diese Lösung aber überhaupt noch in Frage kommt, hängt für die Stadt davon ab, welche Entlastungswirkung der Ausbau der Nordgaustraße sowie der Neubau der Sallerner Regenbrücke und des Lappersdorfer Kreisels für die Verkehrsströme in Stadt und Landkreis bringen. Das erklärt Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Anfrage der MZ. Eine Verknüpfung zwischen den Parallelbrücken und einer möglicherweise anstehenden Erweiterung des Pfaffensteiner Tunnels besteht nach Auskunft der Pressesprecherin nicht. Das hatte sich im vergangenen Dezember allerdings noch anders angehört. Damals hatte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs gegenüber der MZ erklärt, dass sich durch Überlegungen der Autobahndirektion, den Pfaffensteiner Tunnel möglicherweise dreispurig auszubauen, eine neue Situation ergeben könnte. Deswegen wollte er zunächst prüfen lassen, ob eine Machbarkeitsstudie für Parallelbrücken sinnvoll erscheint. Auf diese Studie wartet der Landkreis allerdings mittlerweile seit dem Jahr 2012.

Immer wieder kommt es zu Behinderungen wegen Arbeiten im Pfaffensteiner Tunnel.
Immer wieder kommt es zu Behinderungen wegen Arbeiten im Pfaffensteiner Tunnel. Foto: Lex

Komplettsanierung ist nötig

Schon seit einiger Zeit erleben viele Autofahrer hautnah mit, welche Auswirkungen Bauarbeiten im Pfaffensteiner Tunnel haben können. Vor allem morgens und abends haben sich die beiden Röhren zwischen Stadt und Landkreis oftmals als Nadelöhre erwiesen, die so manche Zeitplanung mehr oder weniger durcheinander bringen können. Dabei ist das nur das Vorspiel. Denn der Autobahntunnel muss umfangreich bautechnisch saniert werden, weiß Christian Unzner, der Leiter der Dienststelle Regensburg der Autobahndirektion Südbayern.

In der Folge früherer Unglücke in anderen Autobahntunneln war auch der Zustand der Regensburger Röhren schon vor einiger Zeit untersucht worden. Dabei stellte sich heraus, dass eine sicherheitstechnische Nachrüstung über kurz oder lang unumgänglich ist. Doch das ist nicht alles: Auch die komplette Innenschale und die Fahrbahn müssen auf absehbare Zeit erneuert werden. Was das bedeutet erklärt Christian Unzner auf Anfrage der MZ: „Ein Jahr Vollsperrung jeweils pro Tunnelröhre.“

Da das verkehrstechnisch nach Ansicht der Autobahndirektion derzeit nicht lösbar ist, muss die Komplettsanierung warten, bis die Sallerner Regenbrücke realisiert ist und für Entlastung sorgen kann. Unzner geht hier von einem Zeitraum von zehn Jahren aus, in dem die Regenbrücke realisiert wird und die Planungen für die Tunnelsanierung erfolgen. Dabei soll nach Auskunft des Regensburger Dienststellenleiters auch geprüft werden, inwieweit eine Erweiterung auf drei Fahrsteifen pro Tunnelröhre sinnvoll ist. Angedacht ist hier ein Verflechtungsstreifen zwischen den Ausfahrten Regensburg-Nord und Regensburg-West. „Das ist eine aufwendige planerische Arbeit“, weiß Unzner. Der augenblickliche Vorgeschmack, den Stadt- und Landkreisbürger schon jetzt auf die Bauarbeiten bekommen, ist nichts anderes, als die erste Phase der Sanierung. Hier geht es vor allem um die Erneuerung der Betriebsanlage und eine vereinfachte bauliche Zwischeninstandsetzung.

So stellen sich Studenten der Fachhochschule den Brückenschlag über die Donau vor.
So stellen sich Studenten der Fachhochschule den Brückenschlag über die Donau vor. Fotomontage: FH Regensburg

Sinzing oder Kneiting als Lösung?

Zum Bau einer weiteren Donauquerung für den Verkehr aus dem nördlichen und westlichen Landkreis verweist Verkehrsplaner Dr. Christoph Häusler vom Landratsamt auf die vom Landkreis in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie. Demnach kämen hier sowohl die Nahverkehrsbrücke bei Sinzing als auch eine Brücke bei Kneiting als Lösungen infrage. Allerdings verweigere die Stadt Gespräche über eine weitere Donauquerung stets, sagt der Verkehrsplaner.

Nach Ansicht von FDP-Kreisrat Hans Jeserer müssten sich deshalb die Fraktionen des Regensburger Stadtrates und des Kreistags zusammensetzen, um eine Lösung zu finden. „So geht es nicht weiter!“, schimpft Jeserer. Und der Sinzinger Bürgermeister Patrick Grossmann warnt schon jetzt vor dem Verkehrsinfarkt im westlichen Landkreis, wenn der Neubau der Sinzinger Autobahnbrücke ansteht.

Landrätin Tanja Schweiger sieht allerdings wenig Chancen auf einen aussichtsreichen Dialog. „Es gibt unterschiedliche Auffassungen“, sagt sie. Denn ihren Worten zufolge liegt die Priorität der Stadt beim Neubau von Sallerner Regenbrücke und Lappersdorf Kreisel. Solange diese Projekte nicht umgesetzt und ihre Auswirkungen absehbar seien, werde vonseiten der Stadt zum Thema Donauquerungen nichts passieren. Auch Schweigers Hinweis, dass eine Brücke über den Regen eine Brücke über die Donau nicht kompensieren könne, fruchtet bei Wolbergs nicht.

Dass sich die Haltung der Stadt zu den Donauquerungen nicht geändert hat bestätigt Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra. Sie verweist auf den Beschluss des Stadtplanungsausschusses vom Januar 2012. Die Stadträte machten damals deutlich, dass es für eine Sinzinger Nahverkehrsbrücke mittelfristig keine städtischen Mittel gibt. Zum Thema Kneitinger Brücke stellte das Gremium fest, dass die Stadt hier keinerlei Trassenüberlegungen unterstützt. Begründet wurde dies damit, dass durch eine solche Brücke ein wichtiges Naherholungsgebiet in einem Stadtbezirk mit typischem Wohngebietscharakter unvertretbar beeinträchtigt würde.

Die Sinzinger Autobahnbrücke wird neu gebaut.
Die Sinzinger Autobahnbrücke wird neu gebaut.Foto: Lex

Neubau ist beschlossene Sache

Dass bei der Sinzinger Autobahnbrücke baulich etwas getan werden muss, steht schon seit geraumer Zeit fest. Gegenüber der MZ machte der Regensburger Dienststellenleiter Christian Unzner von der Autobahndirektion Südbayern jetzt deutlich, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich zu bewältigen wäre.

Deshalb wird die Brücke in zwölf bis 15 Jahren neu gebaut. Bis dahin werden verschiedene Varianten auf ihre Machbarkeit untersucht. Dabei spielt auch eine Rolle, dass für die Autobahn A 3 zwischen Nittendorf und Regensburg ein dreistreifiger Ausbau vorgesehen ist. Nicht ausgeschlossen ist nach Angaben von Unzner, dass neben der jetzigen Brücke zunächst eine völlig neue Konstruktion entsteht, bevor die alte abgerissen wird. „Wir müssen prüfen, welche Möglichkeit an dieser Stelle die beste ist“, erklärt der Regensburger Dienststellenleiter. In jedem Fall wird die Baumaßnahme an der Sinzinger Autobahnbrücke aber mit der Sanierung des Lappersdorfer Tunnels abgestimmt.

Wie wird die Osttangente in den Landkreis verlängert?
Wie wird die Osttangente in den Landkreis verlängert? Foto: Seidl

Zeitlarn will keine Umgehung

Keine konkreten Planungen gibt es nach Auskunft von Dr. Christoph Häusler zur Verlängerung der Regensburger Osttangente auf Landkreisgebiet. Der Verkehrsplaner des Landratsamtes sieht den Knackpunkt hier in der geplanten Umgehungsstraße von Zeitlarn. Die würde zwar den Verkehr aus der Ortsdurchfahrt herausziehen, werde aber vom Zeitlarner Gemeinderat nach wie vor abgelehnt. Bei einem Verkehrsgespräch im März waren dazu mögliche Varianten vorgestellt worden. „Aber Zeitlarn will keine Umgehung“, macht Häusler deutlich.

Durch Zahlen belegt ist seinen Worten zufolge, dass sich die Verkehrsbelastung der Ortsdurchfahrt von Gonnersdorf nach der Eröffnung der Osttangente deutlich erhöht hat. Deshalb sieht der Verkehrsplaner hier Handlungsbedarf. Allerdings gibt es keine einfachen Lösungsansätze. Denn eine Umgehung wird von den Bürgern abgelehnt, da sie den Ort zu stark einschnüren würde. Ob und wie die Ausfahrt Haslbach an der B 16 attraktiver gestaltet werden kann, hängt derzeit von der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans ab, die nicht vor Jahresende zu erwarten ist. Denn hier fällt die Entscheidung, ob die B 16 nach Westen mit zwei Spuren je Fahrbahn ausgebaut wird. Eine Anbindung der Kreisstraße R 6 an die Bundesstraße im Westen von Gonnersdorf ist wohl kaum zu bewerkstelligen. Denn dann wären die Abstände zwischen den Zufahrten zur B 16 zu kurz, argumentiert das Staatliche Bauamt.

Eine Lösung wäre hier möglicherweise die Verlegung der Staatsstraße 2150 nach Osten. Sie führt jetzt durch Thanhausen und Fußenberg und kreuzt kurz vor Gonnersdorf die B 16. Eine Verlegung würde nicht nur Thanhausen und Fußenberg entlasten, sondern auch möglicherweise die Erschließung des neuen Baugebiets Roither Berg ermöglichen und dann an die Auffahrt bei Wenzenbach anschließen. Auf absehbare Zeit ist diese Lösung jedoch wohl nur möglich, wenn die Gemeinde Wenzenbach die Baulast übernimmt. Der Landkreis könnte dazu personelle und finanzielle Hilfe anbieten .

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