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Prozesse

„Berater“ prellte Freunde um Vermögen

Ein Mann aus dem nördlichen Landkreis Regensburg hatte fremdes Geld hochspekulativ angelegt. Der Schaden ist enorm.

Am Regensburger Amtsgericht hat sich ein Mann aus dem Landkreis Regensburg verantworten müssen, der sich als Finanzberater ausgegeben hatte. Foto: Arne Dedert, dpa
Am Regensburger Amtsgericht hat sich ein Mann aus dem Landkreis Regensburg verantworten müssen, der sich als Finanzberater ausgegeben hatte. Foto: Arne Dedert, dpa

Regensburg.Ein früherer Bankangestellter (30) aus dem nördlichen Landkreis soll sich – ohne die erforderliche Erlaubnis zu haben – als selbstständiger Finanzberater und -makler betätigt und Freunde und Bekannte durch hochspekulative Geschäfte um ein Vermögen geprellt haben. Die Schadenssumme: unterm Strich 322158 Euro. Am Mittwoch stand er wegen besonders schweren, gewerbsmäßigen Betrugs in 27 Fällen, vorsätzlicher Anlagevermittlung ohne Erlaubnis und Urkundenfälschung vor dem Schöffengericht. Er legte ein Geständnis ab. 

Nach seiner Tätigkeit für ein Geldinstitut glaubte der 30-Jährige nach eigenen Angaben, genügend Fachkenntnisse angesammelt zu haben, um von seiner Wohnung aus Finanzgeschäfte zu vermitteln. Er setzte einfach ein Rundschreiben in das Blättchen seines Sportvereins, in dem er gute Renditen für sichere, festverzinsliche Wertpapiere versprach. Fünf Freunde und Sportkameraden vertrauten dem Mann in den Jahren von 2012 bis 2016 ihre Ersparnisse an – insgesamt mehr als 600000 Euro.

Doch der Angeklagte legte das Geld nicht wie vereinbart an, sondern steckte es in hochspekulative Papiere, sogenannte „Pink Sheets“, wie er vor Gericht bekannte. „Zur Beruhigung“ der Anleger ging er sogar so weit, Anlagebestätigungen der Geldinstitute zu fälschen und den Investoren zuzusenden.

Nach Informationen eines der Geschädigten hatte sich der selbst ernannte Finanzmakler auch deshalb gründlich verzockt, da er darauf setzte, dass der „Brexit“ nicht zustande kommen würde. „Leider ging dann alles den Bach runter“, sagte der Ex-Bankmann. Danach brachen seine enttäuschten Freunde fast alle den Kontakt mit ihm ab. Auch seine Ehefrau sei „schockiert“ gewesen, sagte der Angeklagte. Doch heute stehe sie zu ihm und unterstütze ihn.

Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, er habe die vereinnahmten Gelder „für eigene Zwecke“ verwendet, ließ der Angeklagte aber nicht gelten: „Ich wollte niemandem schaden. Ich hoffte, dass ich aufgrund meines Wissens deutlich mehr Geld erwirtschaften kann.“ Er habe alles für seine Kunden angelegt, versicherte er. Der Vorsitzende Richter Dr. Alexander Guth konfrontierte ihn aber mit der Tatsache, dass von den Anlagekonten durchaus immer wieder Gelder für den eigenen Bedarf abgezweigt wurden: Es gab mehrfach Barabhebungen, Überweisungen und Tankabbuchungen. 

Da der Angeklagte inzwischen jedoch wieder einen gut bezahlten Job als Projektmanager hat und, auch mit Hilfe seiner berufstätigen Frau, aktiv Schadenswiedergutmachung betreibt, kam er mit einer Kombination aus einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe von 400 Tagessätzen zu je 40 Euro noch glimpflich davon. Ein Teil der Vorwürfe war im Vorfeld eingestellt worden. (mov)

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