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Prozess

Bewährungsstrafe für Vergewaltiger

Ein 25-Jähriger vergewaltigte seine Ex-Freundin – aus Angst, sie würde ihn verlassen. Danach wollte er in den Tod springen.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (mitte) mit seinem Verteidiger Maximilian Keser. Foto: Boeselager
Der Angeklagte (mitte) mit seinem Verteidiger Maximilian Keser. Foto: Boeselager

Regensburg.Für eine Vergewaltigung aus Verzweiflung ist ein 25-jähriger Erntehelfer am Dienstag glimpflich davon gekommen: Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dr. Wolfhard Meindl verurteilte den jungen Mann zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. Er hatte über seinen Verteidiger Maximilian Keser zuvor gestanden, seine langjährige Lebensgefährtin in einer Arbeiterunterkunft für Helfer bei der Spargelernte im Landkreis Regensburg zum Sex gezwungen zu haben. Die Frau hatte zuvor angekündigt, sie wolle zurück in ihre Heimat fahren. Er hatte Angst, sie würde dort einen anderen Mann kennen lernen und ihn verlassen.

Angeklagter ist Analphabet

Das Paar kannte sich schon seit langem. Sie wuchsen im gleichen Dorf auf, verliebten sich. Vor vier Jahren kam ihr gemeinsamer Sohn zur Welt. Der Angeklagte arbeitete seit seiner Kindheit als Schafhirte. Er hat nie lesen und schreiben gelernt. Zum Geldverdienen verdingte er sich, wie auch seine Lebensgefährtin, als Erntehelfer in Deutschland.

Doch bevor die Frau als Erste abreiste, trennte sie sich von dem 25-Jährigen. Er folgte ihr wenige Wochen später. Beide bezogen getrennte Zimmer. „Doch er versuchte, mich zurück zu gewinnen“, hatte die junge Frau bei ihrer polizeilichen Vernehmung gesagt. „Immer wieder, aber auf eine höfliche Art.“ Sie wollte erst nicht, meinte dann aber, vielleicht könne man es doch wieder versuchen. „Er war glücklich und küsste mich“. Doch als die Frau ihm dann ankündigte, sie wolle in Kürze zurück in ihre Heimat fahren und nicht bei ihm in Deutschland bleiben, geriet er in Panik.

„Jetzt bleibst Du hier und gibst mir, was ich will, wenn Du eh heimfährst.“

Der Angeklagte zum Opfer

Als sie ihn zum Mittagessen holen wollte, schloss er die Zimmertür hinter ihr und sagte zu ihr: „Jetzt bleibst Du hier und gibst mir, was ich will, wenn Du eh heimfährst“. Sie wollte das Zimmer verlassen. Er packte sie am Unterarm, so die Vorwürfe. Die Frau wehrte sich, kratzte ihn im Gesicht. Doch der Mann war ihr körperlich überlegen. Er drückte sie aufs Bett, zog ihr den Slip herunter und verging sich an ihr. Aufgewühlt und weinend verließ sie das Zimmer.

Ein paar Stunden später schlugen Mitarbeiter der Einrichtung Alarm: Der 25-Jährige war auf das Dach gestiegen und drohte, von dort in den Tod zu springen. Angestellte konnten dies aber verhindern. Der Angeklagte kam zunächst ins Bezirkskrankenhaus, dann in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte will seine Ex zurück

„Es tut mir leid, was ich getan habe“, sagte der Angeklagte nach seinem Geständnis. „So etwas wird nie mehr vorkommen.“ Trotzdem habe er die Hoffnung nicht aufgegeben, seine große Liebe wieder zurück zu gewinnen und „eine Familie zu sein.“

Das Geständnis ersparte der Geschädigten eine Aussage vor Gericht. Nach Angaben einer Polizeibeamtin, die die junge Frau damals vernahm, habe diese eigentlich gar keine Anzeige erstatten wollen und kein Verfolgungsinteresse gezeigt. „Er hat meinem Sohn oder mir nie körperliche Gewalt angetan“, sagte sie damals. „Er ist eigentlich ein anständiger Mensch.“ Nur trinke er manchmal zu viel. Sie habe bei dem Übergriff keine Schmerzen verspürt. Es habe sie aber außer Fassung gebracht, dass er sich auf einmal „wie ein Tier“ verhalten habe.

„Er ist eigentlich ein anständiger Mensch.“

Das Opfer

Der Angeklagte sagte vor Gericht, er sei damals aufs Dach gestiegen, um heraus zu finden, ob sie ihn noch liebe. „Ich wollte, dass sie mir nachkommt, und mich da herunter holt.“

Die Staatsanwältin sagte in ihrem Plädoyer, rechtlich liege hier zwar eine Vergewaltigung vor. Aber dies sei ein Sonderfall. Es gebe „extreme Milderungsgründe in Hinblick auf Tatbild und Tatfolgen.“ So habe das Geständnis der Geschädigten eine Aussage erspart. Sie habe kein Verfolgungsinteresse. Der Übergriff sei im Rahmen einer langjährigen On-off-Beziehung geschehen, in einer Ausnahmesituation, was auch die Aktion auf dem Dach belege. Die Gewaltanwendung liege an der unteren Grenze. Da für den reuigen Angeklagte ohne Deutschkenntnisse die U-Haft härter war als für andere, sprach sie sich für eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren aus. Der 25-Jährige sei bisher unbescholten. Die Prognose sei gut. Dem Antrag schloss sich auch der Verteidiger an, der betonte, bei der Geschädigten seien „keine bleibenden Schäden“ vorhanden, weder psychisch noch physisch.

Auch das Schöffengericht schloss sich den Ausführungen der beiden Vorredner an. Der Angeklagte darf somit bald die Heimreise antreten.

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