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Samstag, 21. Juli 2018 28° 8

Polizei

Blitzen mit Ansage entschleunigt

Die Nittendorfer Inspektion beteiligte sich mit drei Messstellen am bayerischen „Marathon“. Es gab nur wenige Temposünder.
Von Norbert Lösch

„Das Kennzeichen muss im Kreis auftauchen“: Polizeioberkommissar Wolfgang Bleyer weist eine Kollegin von der Bereitschaftspolizei in die Handhabung der Laser-Pistole ein. Fotos: Lösch
„Das Kennzeichen muss im Kreis auftauchen“: Polizeioberkommissar Wolfgang Bleyer weist eine Kollegin von der Bereitschaftspolizei in die Handhabung der Laser-Pistole ein. Fotos: Lösch

Westlicher Landkreis.Der Einsatz war auch für die Kollegen der Polizeiinspektion Nittendorf nicht unbedingt alltäglich. Sie „wanderten“ am Mittwoch von morgens bis nachmittags mit ihrem Laser-Geschwindigkeitsmesser durch den halben westlichen Landkreis, um sich am bayerischen „Blitzmarathon“ zu beteiligen. An drei von insgesamt 17 vorgesehenen Kontrollstellen in Stadt und Landkreis war die PI Nittendorf aktiv – mit unterschiedlichem „Erfolg“.

„Man kriegt schnell ein Gespür dafür, ob jemand zu schnell unterwegs ist“, sagt Wolfgang Bleyer. Der Polizeioberkommissar steht mit dem stellvertretenden PI-Leiter Jochen Baumann und weiteren Kollegen schon seit eineinhalb Stunden an der Kontrollstelle in Penk, an der Staatsstraße zwischen Pielenhofen und Etterzhausen. Im Ortsbereich gilt ein Tempolimit von 70 Stundenkilometern, wobei auf dem Streckenabschnitt im Naabtal gerade bei schönem Frühlingswetter erfahrungsgemäß schon mal stärker aufs Gas gedrückt wird. Heute allerdings nicht: Als Bleyer das Stativ mit der Laser-Pistole nach zwei Stunden wieder im Kofferraum verstaut, um nach Mariaort weiterzuziehen, ist ihm kein einziger Fahrer ins Netz gegangen, der erheblich schneller unterwegs gewesen wäre.

„Kleine Sünder“ nicht verwarnt

„Der Spitzenreiter lag heute bei 80 km/h. Das hätte zwar für eine Ermahnung gereicht, wir wollen aber nicht päpstlicher sein als der Papst“, sagt der am Messgerät ausgebildete Polizist. Erst ab einer Geschwindigkeit von 86 Stundenkilometern wären Fahrer angehalten und zur Seite komplimentiert worden. „Das ist am Übergang zwischen dem Verwarnungs- und dem Anzeigenbereich.“ Und den hatten die Nittendorfer Beamten, die von Kollegen der Bereitschaftspolizei unterstützt wurden, den ganzen Tag über im Auge.

Die Laser-Pistole hält Abstand und Geschwindigkeit fest.
Die Laser-Pistole hält Abstand und Geschwindigkeit fest.

„Die Autofahrer sind offensichtlich genug gewarnt, dass es hier und heute keine Ausreißer gibt“, kommentiert Jochen Baumann das Geschehen auf der Straße. Das sei nicht frustrierend, sondern vielmehr Sinn der Sache: Mit dem angekündigten Blitzen sollen Verkehrsteilnehmer dafür sensibilisiert werden, Geschwindigkeitsbeschränkungen grundsätzlich zu beachten. Deswegen hatten er und seine Kollegen auch keinen Grund, sich und das Messgerät zu verstecken. Ganz offensichtlich standen sie in Penk am Straßenrand und richteten die Laser-Pistole in einer Entfernung von 150 bis 200 Meter auf herannahende Fahrzeuge.

Geblitzt wird von 18. April, 6 Uhr, bis 19. April, 6 Uhr:

Weil die meisten Autofahrer gewarnt waren oder spätestens bei Sichtkontakt reagierten und deshalb längst nicht alle ins Visier genommen wurden, blieb auch mal Zeit für einen Scherz. So antwortete Wolfgang Bleyer beispielsweise auf die Anregung, den Laser doch auf einen auf der Naab herannahenden Kanufahrer zu richten, mit dem trockenen Hinweis: „Das kann ich schon machen, bringt aber nichts. Ich kann das Messgerät nämlich nicht auf Knoten umstellen.“

Anders gestaltete sich die Situation am nächsten Messpunkt stadteinwärts, zu dem die Nittendorfer Beamten weiterzogen. Die Laser-Pistole justierten sie nämlich auf der Brücke über die Staatsstraße zwischen Winzer und Mariaort. Wer dort deutlich schneller als mit den erlaubten 80 Sachen unterwegs war, wurde am Parkplatz am früheren Schotterwerk kurz vor Etterzhausen herausgewunken.

Auch bei Hemau wurde geblitzt

Eine weitere Messstelle wurde am Tangrintel zwischen Hemau und Painten (Staatsstraße, höchstens 70 km/h) aufgebaut. Am Nachmittag zog der stellvertretende Leiter der PI Nittendorf gegenüber der MZ Bilanz. Die fiel nach jeweils ein- bis zweistündiger Überwachung unterschiedlich aus.

„Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Verkehrsteilnehmer überall sehr anständig unterwegs waren und es keine wirklichen Besonderheiten gab“, so Baumann. Eine „Nullnummer“ habe es aber nur in Penk gegeben, an den anderen Kontrollpunkten war die Kelle durchaus im Einsatz.

„Bei erlaubten 80 Stundenkilometern war ein Pkw-Fahrer mit Tempo 121 unterwegs. Das ist aber noch unter der Fahrverbots-Grenze“

Jochen Baumann, stv. Leiter der PI Nittendorf

Die meisten Temposünder gab es wie erwartet in Kneiting. „Von 176 gemessenen Fahrzeugen waren dort neun deutlich zu schnell.“ Der Spitzenreiter? „Bei erlaubten 80 Stundenkilometern war ein Pkw-Fahrer mit Tempo 121 unterwegs. Das ist aber noch unter der Fahrverbots-Grenze“, sagte der PI-Vizechef. Und bei Hemau war bei 76 gemessenen Fahrzeugen genau eines zu schnell: ein Auto mit 93 statt der erlaubten 70 Stundenkilometer.

Rund 1900 Polizisten sind bis Donnerstagmorgen bayernweit im Einsatz, um an 2000 Stellen die Geschwindigkeit zu messen und Raser aus dem Verkehr zu ziehen. Nach dem 24-stündigen „Blitzmarathon“ will die Polizei über die Aktion berichten und Zahlen nennen.

Im Vorjahr gingen laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann landesweit insgesamt 8941 Geschwindigkeitssünder ins Netz. Das zeige, dass es immer noch zu viele Unbelehrbare gibt – obwohl auch im letzten Jahr alle Messstellen frühzeitig im Internet abrufbar waren. Auf der Grundlage der Informationen hatte auch die Mittelbayerische am Mittwoch in ihrer Online-Ausgabe eine Übersicht aller Kontrollpunkte im Verbreitungsgebiet veröffentlicht.

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