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Engagement

Blutspendedienst in Regensburg sieht rot

Die Spendebereitschaft im Landkreis Regensburg liegt deutlich unter dem Bayernschnitt. Sie wird bis 2035 weiter sinken.
Von Heiner Stöcker

Immer weniger Spender geben beim Roten Kreuz Blut. Foto: BSD Bayern
Immer weniger Spender geben beim Roten Kreuz Blut. Foto: BSD Bayern

Regensburg.Der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes schlägt Alarm: Jedes Jahr zur Zeit der Sommerferien werden die Blutkonserven knapp. In diesem Jahr verschärft sich die Situation noch: Heiße Temperaturen und die Fußball-Weltmeisterschaft sorgen für einen zusätzlichen Rückgang der Spendebereitschaft, sagt Stefanie Sklarzik, Pressesprecherin des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes. „Aber es ist jetzt noch keine Dramatik anzubringen – kein Engpass oder dergleichen.“ Aber ein Rückgang.

Das könnte sich in Zukunft allerdings ändern – und besonders für den Bereich des BRK-Kreisverbandes Regensburg zeichnet sie ein düsteres Bild. 533 008 Menschen in Bayern erschienen im Jahr 2017 zu 4403 angebotenen Blutspendeterminen, um ihr Blut für andere zu geben. „Damit nehmen nur 5,29 Prozent der spendefähigen bayerischen Bevölkerung tatsächlich die Gelegenheit wahr, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen.“ Spenden kann jeder Gesunde 18- bis 72-Jährige.

Versorgungsauftrag erfüllt

Viele waren noch nie Blutspenden, andere sogar schon dutzende Male. Diese Spender aus dem Landkreis wurden 2017 sogar geehrt. Foto: Rehme/BSD
Viele waren noch nie Blutspenden, andere sogar schon dutzende Male. Diese Spender aus dem Landkreis wurden 2017 sogar geehrt. Foto: Rehme/BSD

Dennoch gelang es dem Blutspendedienst des BRK (BSD) im vergangenen Jahr 487 535 Blutspenden für die kranken und verletzten Patienten in den Kliniken zu sammeln und seinem Versorgungsauftrag nachzukommen. Der Blutbedarf der Kliniken, der pro Tag etwa 2000 Konserven beträgt, konnte 2017 jederzeit gedeckt werden, sagt die Pressesprecherin.

Die Prognosen des BSD für das Jahr 2035 sehen schlecht aus: Das Spenderpotenzial im Freistaat wird etwa gleich bleiben, sich allerdings regional verlagern. Während die Bevölkerung in ländlichen Regionen Bayerns abnimmt, werden größere Städte und Ballungsräume gewinnen. Da allerdings die Spendebereitschaft in urbanen Gebieten deutlich geringer ist, als auf dem Land, wird das Spendeaufkommen langfristig bayernweit um etwa acht Prozent zurückgehen. Grund ist laut Stefanie Sklarzik der demografische Wandel der Gesellschaft. Die Menschen werden immer älter und scheiden damit als potenzielle Spender aus. Im Gegenteil: Je älter Menschen werden, umso häufiger werden Blutkonserven in der medizinischen Versorgung, also zum Beispiel bei Operationen, benötigt. Die Menschen wechseln vereinfacht gesagt die Rolle vom potenziellen Spender hin zum möglichen Patienten. „Daher wird es für uns immer schwieriger den Bedarf noch zu decken.“

Regensburg fällt in Statistik negativ auf

Negativ fällt Regensburg in der aktuellen BSD-Statistik für 2017 auf: Zwar wird das Blutspendeaufkommen im Gebiet des BRK-Kreisverbands Regensburg bis 2035 nur um 2,65 Prozent zurückgehen – entgegen dem Bayerntrend von rund acht Prozent. Aber im Kreisverband Regensburg spendeten im vergangenen Jahr gerade mal 5642 Menschen insgesamt 8133 Blutkonserven. Das entspricht nur 3,28 Prozent der spendefähigen Bevölkerung im Alter von 18 bis 72 Jahren. Damit liegt die Spendebereitschaft deutlich unter dem bayernweiten Durchschnitt, der bei 5,29 Prozent liegt.

„Der Blutspendedienst kämpft aktiv darum, dass auch zukünftig genügend Spender tatkräftig mithelfen, den Blutbedarf in den Kliniken auch langfristig zu decken“, sagt Sklarzik. „Spendernachwuchs in und um Regensburg ist gefragter denn je.“

„Der demografische Wandel und die Spendebereitschaft in der Bevölkerung sind große Herausforderungen für die Blutspende“, sagt BSD-Geschäftsführer Georg Götz. Es stünden immer weniger Spender zur Verfügung, weil jedes Jahr Stammspender die Obergrenze des Spendealters überschreiten und ihnen immer weniger junge Menschen nachfolgten.

Darüber hinaus stehen aktuell einem Blutspendepotenzial von 9,2 Millionen Menschen im Freistaat, lediglich rund 250 000 aktive Blutspender gegenüber, „die durchschnittlich zwei Mal im Jahr zur guten Tat schreiten“.

Der BSD und die BRK-Kreisverbände, die ihn bei der Durchführung der Blutspendetermine unterstützen, sind gefordert, diesen Herausforderungen wirkungsvoll zu begegnen. So hat der BSD bereits vor Jahren begonnen, seine Terminstruktur anzupassen, Abläufe bei den Blutspendeterminen zu optimieren und die Kommunikation rund um die Blutspende auszuweiten.

Kampf um die Spender

„Unser oberstes Ziel bleibt es, auch zukünftig den Blutkonservenbedarf in den Kliniken zu decken. Dafür werden wir bereits jetzt um das entsprechende Spenderpotenzial und daran gebunden um das Blutspendeaufkommen bayernweit kämpfen.“

„Wir müssen ständig für Aufmerksamkeit sorgen“, sagt Stefanie Sklarzik. Unter dem Hashtag „missingtype“ wirbt der Blutspendedienst aktuell vor allem in den sozialen Medien um neue Spender. „Spende _lut _eim R_ten Kreuz“ ist der Slogan. Das Weglassen der Buchstaben A, B und O soll darauf hinweisen: Da fehlt was. „Das hat gut geklappt – reicht aber trotzdem nicht aus. Aufmerksamkeit muss nach wie vor auch in den klassischen Medien generiert werden.“

Spende-Termine im Landkreis bis August

  • Regenstauf:

    26. Juni, Mittelschule, Hauzensteiner Str. 52, 17 bis 20.30 Uhr

  • Altenthann:

    28. Juni, Grundschule, Am Kirchbuckl 1, 17 bis 20 Uhr;

  • Viehhausen:

    2. Juli, Grundschule, Schulstraße 4, 16 bis 20 Uhr;

  • Kallmünz:

    3. Juli, Volksschule, Schulweg 20, 17 bis 20 Uhr;

  • Wörth/Do:

    16. Juli, Volksschule, Gschwelltalstr 10, 16.30 bis 20.30 Uhr

  • Laaber:

    5. Juli, Grundschule, Am Kirchberg 14, 17 bis 20 Uhr;

  • Pfatter:

    20. Juli, Volksschule, Jahnstr. 26, 17 bis 20 Uhr

  • Bernhardswald:

    9. August, Grundschule, Kreuther Str. 22; 16 bis 20 Uhr

  • Thalmassing:

    13. August, Pfarrheim, Hauptstr 7a, 17.30 bis 20.30 Uhr

  • Kareth:

    20. August, Sportzentrum, Am Sportzentrum 1, 17 bis 20 Uhr

  • Pentling:

    27. August, Real, Blutspendemobil, Hölkeringer Str. 20, 14 bis 19 Uhr.

  • Neutraubling:

    29. August, BRK-Seniorenheim, Marktplatz 3, 17 bis 20 Uhr

Die aktuellen Blutspendetermine in der Region finden sie auch hier.

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