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CSU feiert mit der Präsidentin

Barbara Stamm kommt zum 70. Geburtstag nach Wiesent. Stolz ist der Ortsverband auch auf Wiesents Austritt aus der VG.
Von Walter Schiessl

Das Singspiel beim Starkbierfest der CSU ist alle Jahre der Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben. Foto: Archiv/Schmid
Das Singspiel beim Starkbierfest der CSU ist alle Jahre der Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben. Foto: Archiv/Schmid

Wiesent.Der CSU-Ortverband zählt ganze 46 Mitglieder, bestimmt aber dennoch weitgehend die Geschehnisse in der knapp 2600 Einwohner zählenden Gemeinde. Der Ortsverband wurde justament im Juni 1948 gegründet – ein Grund, den die Vorstandschaft am Freitag gebührend feiert. Keine geringere als Landtagspräsidentin Barbara Stamm wird den Wiesentern die Glückwünsche der Staatsregierung überbringen.

Die Geschichte der Wiesenter CSU beginnt mit Hans Deml, Josef Fichtl, Hans Urban und Josef Laumer, die vor 70 Jahren beschlossen, aus der Kriegsvergangenheit die richtigen Lehren zu ziehen. „Man muss sich ja noch vorstellen“, sagt Alois Giehrl (55), der den Verband seit 2006 führt, „Deutschland war in Trümmern.“ Die Wiesenter krempelten die Ärmel hoch und leisteten zum Wiederaufbau ihre Beiträge.

Der Ort hat sich gewandelt

Herbert Hanwalter, Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher und CSU-Vorsitzender Alois Giehrl (von links) bereiten das Jubiläum vor. Foto: Archiv/Schmid
Herbert Hanwalter, Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher und CSU-Vorsitzender Alois Giehrl (von links) bereiten das Jubiläum vor. Foto: Archiv/Schmid

Noch älter als die CSU ist die Freie Arbeiterschaft, die es in der kleinen Gemeinde wohl schon seit den 30er Jahren gibt. Sie besteht sogar noch heute, tritt aber kaum in Erscheinung, einzig bei den Bürgermeisterwahlen schickte sie ein paarmal einen Kandidaten ins Rennen. Eine Zeit lang gab es auch die SPD, die 1984 einen Gemeinderatssitz ergatterte. Die Freien Wähler wiederum waren von 1990 bis 2008 im Gremium vertreten. „Der Ort hat sich in den 70 Jahren natürlich gewandelt“, sagt Alois Giehrl sen. (87), der Vater des jetzigen Vorsitzenden und auch der Bürgermeisterin. Früher war Wiesent hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt, heute gibt es viele Firmen. Der Senior saß von 1972 bis 1990 im Gemeinderat, er erlebte mit dem Austritt aus der VG in Wörth den wohl entscheidendsten Einschnitt der Wiesenter Geschichte der Neuzeit mit.

„Es wollte uns nicht in den Kopf, dass wir in eine VG mit Wörth, Brennberg und Pfatter sollten“, erinnert sich Alois Giehrl sen. Der 87-Jährige schreibt es vor allem der örtlichen CSU zu, dass dieser politische Verwaltungsakt wieder rückgängig gemacht werden konnte. Es habe vorher viele Versprechungen gegeben, sagt er, so hätte ein neues Verwaltungsgebäude zwischen Wiesent und Wörth entstehen sollen und dem Wiesenter CSU-Bürgermeister Robert Kiener sei zugesagt worden, die ganze VG zu führen. „Aber nichts davon traf ein“, sagt der Senior. Das sei am Widerstand der Wörther, aber auch an anderen Widrigkeiten gescheitert. Der Protest sei so heftig gewesen, dass dem damaligen Landrat Leonhard Deininger beim Betreten des lautstark johlenden Fichtl-saals nichts anderes übrig blieb, als sofort den Rückzug anzutreten. „Aber am Ende gab es für die Wiesenter ein großes Fest, mit dem die wieder erreichte Selbstständigkeit gefeiert wurde“, erinnert sich Alois Giehrl sen.

In den 70 Jahren hat die CSU stets den Bürgermeister gestellt mit Ausnahme der Jahre von 1983 bis 1990, als nach dem Rücktritt von Robert Kiener der Gemeindeschreiber Hans Walchs-häusl für die Freie Arbeiterschaft ans Ruder kam. Doch ihm folgte dann schon sein Schwiegersohn Hans Rösch nach, der wieder in den Reihen der CSU verankert war. Bei Walchshäusls Wahl hatte die CSU darauf verzichtet, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Über die ersten Jahre des kleinen Ortsverbandes gibt es keine Aufzeichnungen. Geführt wurde er in den 70er Jahren von Edmund Schellerer, dem Hans Rösch (1981 bis 1991), Josef Spitzer (1992 bis 2001) und Hans Beiderbeck (2001 bis 2005) nachfolgten. Seit 2006 hat Alois Giehrl den Vorsitz inne. Im Gemeinderat, bei dem stets die Hälfte der Sitze erreicht wurde, sitzen heute neben der Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher (CSU) sechs der 14 Gremiumsmitglieder, Herbert Hanwalter, Georg Hastreiter, Heinrich Rösch jun., Hubert Scheck, Michael Stedele und Josef Zimmerer junior.

Der Streit ist schädlich

Die CSU stellte nach Robert Kiener mit Hans Rösch und jetzt Elisabeth Kerscher die Bürgermeister, die die Umstrukturierung der Gemeinde in die Hände nahmen. Rösch leitete zusammen mit dem Wörther Bürgermeister Anton Rothfischer den Bau des Gewerbeparks ein, den Elisabeth Kerscher dann im ersten Bauabschnitt vollendete, der Gemeinderat schuf unter ihrer Ägide auch durch den Umbau des alten Schulhauses ein modernes Gemeindezentrum. Alois Giehrl, im Berufsleben ein Steuerberater, gefällt das Polit-Theater zwischen der CSU und der CDU nur wenig. „Auch wenn die CSU sicher in einigen Punkten recht hat“, sagt er, „so ein Streit gehört hinter verschlossenen Türen geführt und nicht öffentlich ausgetragen“. Das sei kein guter Stil, der hier an den Tag gelegt werde, fügt er an und sieht aber auch bei Kanzlerin Merkel Defizite: „Sie sollte auch einmal nachgeben können und ein Stück weit einlenken. Man muss sich zusammenraufen!“

Die Feierlichkeiten

  • Festakt:

    Der 70. Geburtstag der Wiesenter CSU wird am Freitag ab 19 Uhr im Gasthaus Schellerer gefeiert. Dort wird nach der Begrüßung durch den Ortsvorsitzenden Alois Giehrl ab 19.30 Uhr die Landtagspräsidentin Barbara Stamm die Festansprache halten. Nach einem Essen werden dann Mitglieder geehrt und die Kerscher-Musikanten spielen auf.

  • Geschichte:

    Die Feierlichkeiten enden dann mit einem Rückblick, den Alois Giehrl zusammengestellt hat. Eine Quelle davon wird eine kleine Chronik sein, die zum 50-jährigen Bestehen verfasst wurde. Höhepunkt der Geschichte wird der Austritt aus der VG Wörth-Brennberg-Pfatter-Wiesent Ende der 70er Jahre sein. Das ist ein bleibender Eindruck.

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