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Montag, 24. September 2018 15° 2

Strom

Die Buchberg-Trasse ist raus

Der Netzbetreiber Tennet nannte technische Probleme als Grund. An den grundsätzlichen Sorgen vieler Bürger ändert das nichts.
von Resi Beiderbeck

Projektleiterin Dr. Silke Rendigs informierte die Bürger. Foto: Beiderbeck
Projektleiterin Dr. Silke Rendigs informierte die Bürger. Foto: Beiderbeck

Brennberg.Die Menschen, die zum Tennet-Bürgerbüro kamen, zeigten kein Interesse an Give-aways. Putzige Fruchtsaft-Gummibonbons aus Glucosesirup und Palmkernöl, verpackt in dreieckigen Mini-Plastiktüten, waren nicht der Grund, warum die Leute kamen. Weder Kugelschreiber noch andere Werbegeschenke wollten sie haben, sondern Antworten. Eine einzige positive Neuigkeit hatte Projektleiterin Dr. Silke Rendigs dabei: „Die Streckenführung entlang der 380-KV-Leitung über Buchberg wird wegen technischer Probleme nicht weiter verfolgt.“ Das zu hören, sorgte bei Gerhard Laumer, der eine Familienferienanlage bauen möchte, für Erleichterung, änderte aber nichts an seiner grundsätzlichen Haltung: „Ich will, dass die Stromautobahn nicht gebaut wird.“

Viele Landwirte kamen, um sich zu informieren. Dass es einmalige Entschädigungen für den Grundbucheintrag geben wird, dazu Ausgleichszahlungen für Ernteverluste, wurde erklärt. Sogar das Wort „Bodenrente“ wurde verwendet. Josef Heimerl aus Loidsberg nannte die Bodenerwärmung und die Abweichungen bei den Erntezeiten als großes Problem. „Vor Jahren bekam ich den Bau eines Windrades nicht genehmigt, weil ich die Abstände nicht einhalten konnte.“ Hier bei der Stromtrasse scheine das auf einmal keine Rolle zu spielen.

Probleme der Landwirte

Johann Hirschberger aus Kirnberg sorgt sich um künftige Erweiterungsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Gebäude. Formulierungen wie „kein Mindestabstand zu Siedlungsflächen“ und „Flutpolder sind kein Hindernis“ steigerten die Emotionen der Bürger, die ihren Unmut zum Ausdruck brachten. „Das ist eine Katastrophe, da geht alles kaputt“, sagte Johann Niebauer.

Auch die Waldbauern machen sich Sorgen. „Das ist ein Riesen-Einschnitt“, klagte Wörths stellvertretender Bürgermeister Josef Schütz über Kahlschlag auf Wald-Trassen. „Das ist ja gerade das Charmante, dass wir uns im Wald so weit wie möglich in die Schutzzone der eigenen 380-KV-Freileitungen legen können“, antwortete Dr. Rendigs, was Schütz nicht gelten ließ: „Das hört sich schön an, wird aber in der Praxis nicht funktionieren.“

„Ich finde diese Leitungen im Boden schlimm. Warum setzt man sie nicht auf die Masten, die doch schon da sind?“, fragte Brigitte Fürnstein. „Und wer unter dieser Leitung leben muss, was sagt der dazu?“, konterte Michael Fichtl vom Forsthof. Die Verunsicherung am Infomobil wurde immer größer und die Hilflosigkeit der betroffenen Menschen zeigte sich sehr deutlich. Auf die Frage, welche Möglichkeiten die betroffenen Anlieger denn überhaupt haben, hieß es, man könne Stellungnahmen abgeben.

Franz Löffl wollte wissen, bis wann das geschehen müsse und bekam „ungefähr bis Ende erstes Quartal 2019“ genannt. Grundsätzlich könne ja jedermann Stellungnahmen abgeben, sagte Dr. Silke Rendigs. Noch sei keine endgültige Trasse festgelegt. „Sehen Sie, das ist genau das, was mich schier wahnsinnig macht“, tat Bürgermeisterin Irmgard Sauerer ihren Unmut offen kund: „Wir bekommen drei Jahre lang immer nur äußerst vage Aussagen, keinerlei Konkretisierungen und plötzlich wird uns dann eines Tages die Punktlandung der Bundesnetzagentur mitgeteilt, die wir gefälligst schlucken sollen.“

Enteignungen möglich

Die Aussage, dass man „keine Enteignungen wolle“, diese aber im Ernstfall auch nicht verhindern könne, war wenig geeignet, die Gemüter zu beruhigen. Lautstark und deutlich gab Josef Stangl seinem Ärger Ausdruck. Er forderte, das Projekt komplett einzustellen. „Das kostet Geld und das zahlen wir.“ Die Trasse sei physikalischer Irrsinn und eine Geldvernichtungsmaschine, so Stangl.

Etliche Bürger teilen seine Meinung und setzen ihre Hoffnungen auf die sogenannte „Strassburger Energie Erklärung“. Deren Forderung lautet „pro dezentrale Bürgerenergie“ und „contra Strompreisdiktat von Großkonzernen“. Gerhard Laumer outete sich als Unterzeichner des Appells und Bürgermeisterin Irmgard Sauerer sagte: „Ich habe auch schon unterschrieben.“

So geht es weiter:

Trassenprüfung: In gleicher Weise prüfen will Tennet die „Walhalla-Route“ genauso wie die „Himmeltal-Variante“, sagt Projektleiterin Dr. Silke Rendigs.

Umweltprüfung: Derzeit findet im Auftrag der Bundesnetzagentur die Umweltprüfung im Hinblick auf schützenswerte Güter wie Mensch, Tier, Pflanze und Wasser statt. Erste Ergebnisse dazu soll es im Frühjahr geben.

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