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Samstag, 23. Juni 2018 18° 3

Attacke

Die Freien Wähler teilten kräftig aus

Beim Politischen Aschermittwoch auf dem Adlersberg eröffneten die Redner den Wahlkampf. Sie schossen sich auf Söder ein.
Von Kerstin Hafner

Tobias Gotthardt zieht für die Freien Wähler als Direktkandidat in den Wahlkampf 2018. Foto: Hafner
Tobias Gotthardt zieht für die Freien Wähler als Direktkandidat in den Wahlkampf 2018. Foto: Hafner

Pettendorf.Eine Bühne für Tobias Gotthardt, den Direktkandidaten der Freien Wähler zur Landtagswahl 2018, bot der Politische Aschermittwoch am Adlersberg. Rasch füllte sich der Prössl-Saal mit rund 160 Zuhörern, darunter diverse Bürgermeister, Kreisräte, Vize-Landrat Willi Hogger, Landrätin Tanja Schweiger und Kreisvorsitzender Harald Stadler.

Nach dem traditionellen Fischessen ging Hausherr Eduard Obermeier, Pettendorfs Bürgermeister, gleich in die Vollen und gab dem „Überflieger der SPD, der sich selbst demontiert hat“, eins auf die Mütze. Auch „unser Landesvater a.D.“, der „seine Jugendliebe Angela wiederentdeckt hat und dafür als Zuckerl ein eigenes Ministerium erhält“, kam nicht gut weg. „Die deutsche Fahne kriegt wohl demnächst eine weißblaue Bordüre“, spöttelte er.

Obermeier: Klar positionieren

Obermeier bezweifelte, dass Deutschland mehr als 700 Abgeordnete braucht und frotzelte außerdem, dass „diese Legislaturperiode mindestens um ein Jahr verlängert gehört, damit die neuen Parlamentarier überhaupt die Chance kriegen, ihr Büro zu finden.“ Dann schnitt er wahnwitzige Managergehälter und vom Steuerzahler subventionierte Spielcasinos an und wurde ernst: „Wählerverdruss schafft Zulauf zu den Rändern, an denen sich die Extremen tummeln.“

Die Freien Wähler müssten sich im neuen Wahlkampf noch klarer gegenüber anderen Parteien positionieren, um die beste Alternative zu bilden für all jene Stammwähler, die vom bisherigen Glauben abfallen. Und das sei beim „Prinzregenten und Ministerpräsidenten in spe“ Markus Söder wahrlich keine utopische Vorstellung, denn der habe schon längst den Faden verloren, wenn es um die Verwirklichung hochtrabender Pläne ginge. „Bayern braucht keine Visionen, sondern umsetzbare Konzepte, zu Ende gedachte Ideen und vor allem konkrete Zeitpläne. Wir stehen für eine Politik der Vernunft mit Bauchgefühl.“

Söder, die schwarze Reizfigur

Nach viel Beifall erklomm Gotthardt das Rednerpodest, der zwar bei der Bundestagswahl 2017 gescheitert war, jedoch das drittbeste Ergebnis der Freien Wähler bundesweit einfahren konnte – nach absoluten Stimmen. Er freue sich auf einen „kreativen Wahlkampf mit thematischer Klarheit im Auftrag der Bürger“, sagte er und stellte die schwarze Reizfigur noch weiter an den Pranger. Söder wurde auf dem Nockherberg schon oft als selbstherrlich derbleckt, Gotthardt kam das zupass: „Markus ‚Moses‘ Söder hat kürzlich die zehn Gebote für Bayern vom heiligen Berg Kloster Banz, dem Ort der Klausurtagung, mitgebracht“, begann er. Leider seien viele Punkte nicht zu Ende gedacht, unseriös oder schlicht Versuche, alte Fehler zu beheben, die Söder selbst in früheren Ministerämtern gemacht habe.

„Was er sich zum Beispiel beim bezahlbaren Wohnraum erlaubt, ist einfach nur dreist: Söder möchte eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft gründen, die 2000 günstige Wohnungen bauen soll, vorwiegend in München. 2013 hat er als Finanzminister noch 33 000 Wohnungen einer Landesbank-Tochter verhökert. Die fehlen jetzt!“ Tanja Schweiger sprang bei: „Söder soll erst mal die 33 000 ersetzen, dann nochmal 33 000 bauen und dann können wir weiterreden.“ In puncto Sicherheit sei die angedachte Schaffung einer Grenzpolizei mit 500 Beamten, aber kaum neu geschaffenen Stellen, nicht nur ein finanzielles Grab, sondern ziehe noch mehr reguläre Polizisten aus der Fläche ab… und die schöben sowieso schon Millionen Überstunden vor sich her. Harald Stadler, selbst Polizeibeamter, nickte.

„Söder träumt ferner von einer digitalen Schulwelt, aber was nutzt das tollste Smartboard, wenn langfristig 60 000 Lehrer fehlen? Ein Smartboard allein erklärt gar nix.“ Und dann der Pflegenotstand, den auch Tanja Schweiger immer wieder in den Fokus rückt. „Söder und die GroKo versprechen 8000 neue Pflegestellen. Das ist ein Witz! Das sind pro Tag pro Senior in ganz Deutschland acht Sekunden mehr Pflegezeit. Da werden sich die alten Menschen aber freuen!“ Schweiger, die 2018 als Bezirkstagskandidatin antritt, ergänzte: „Es fehlen 80 000 bis 100 000 Pflegebedienstete. Pflegeberufe müssen endlich ein faires Gehalt bekommen, sonst ist es doch logisch, dass das niemand mehr machen will.“

Altbekannte Themen der Freien Wähler kamen auch zur Sprache: Gotthardt und Schweiger positionieren sich klar gegen Flutpolder und Monsterstromtrassen, befürworten stattdessen auch weiterhin „Retentionsräume in der Fläche, so dass das Wasser gar nicht erst in der Donau ankommt“, und eine autarke, dezentrale Energieversorgung.

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