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Soziales

Die gute Seele für Flüchtlinge

Helmut Dums leitet die Gemeinschaftsunterkunft im Wörth. Die Regierung hat sie wieder gemietet, nur 26 Asylbewerber sind da.
von Walter Schiessl

  • Helmut Dums ist der Chef über drei Gemeinschaftsunterkünfte in Wörth, Falkenstein und Roding. Fotos: schiessl
  • Deutschkurse wird es wieder geben, wenn 50 Bewohner in Wörth sind.

Wörth. Auch wenn die große Politik sich an der Flüchtlingsfrage heftig beharkt, in den Flüchtlingsunterkünften im Landkreis wird viel bewerkstelligt. Es sei zwar nicht einfach, die häufigen Änderungen der Staatsregierung umzusetzen, ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, aber in den drei Gemeinschaftsunterkünften Wörth, Hemau und Regenstauf werden die Ziele, die sich die Oberpfälzer Regierung für eine Kapazität von 300 Asylsuchenden gesteckt hat, durchaus vollzogen.

In Wörth ist das ehemalige Hotel Rosenhof nach einem aufwendigen Umbau seit März wieder zur festen Unterkunft geworden. Allerdings gibt es noch wenige Asylbewerber, die in den 68 Zimmern des Hauses leben. „Im Augenblick haben wir 26 Leute aus Irak, Äthiopien, Aserbaidschan, Nigeria, Weißrussland und Eritrea“, sagt Helmut Dums, der seit Frühjahr als Heimleiter im Rosenhof fungiert und auch für die Gemeinschaftsunterkünfte in Falkenstein und Roding zuständig ist. Seit sechs Jahren ist der 54-jährige Elektromeister schon in Diensten der Regierung. „Ich habe mich seitdem immer um Asylbewerber gekümmert, erledige ihre Anmeldungen und helfe ihnen, wo Bedarf ist“, sagt der Wörther, der zuvor lange Jahre in der Ludwigstraße ein Elektrogeschäft hatte. Er könne jeden verstehen, die sich zur Flucht entschlossen habe, sehe aber auch die Zwänge der Politiker.

Der Brandschutz fehlte

Die ersten drei Jahre war Helmut Dums in Regensburg tätig, im Frühjahr 2016 übernahm er die Leitung der Gemeinschaftsunterkunft in Falkenstein, ein halbes Jahr später die in Roding dazu. „Seit ich in Wörth bin, gefällt mit die Arbeit gleich noch besser“, lacht der 54-Jährige, der mit Thomas Stiegler einen Stellvertreter hat, der sich seit 2012 um Asylbewerber in Wörth kümmert. Daneben gibt es in jeder Einrichtung noch einen Hausmeister.

2012 hatte sich der türkische Geschäftsmann Cemal Akkaya, der zuvor in Regensburg den Straubinger Hof besessen hatte, entschlossen, in das alte Hotel Asylbewerber einziehen zu lassen. Ersteigert hatte er das Gebäude, das der Wörther Gastronom Jack Wagner aus einem Bauernhof errichtet hatte, im November 2008 für eine Summe von 350 000 Euro. Nach Jack Wagners Tod war der Betrieb im Rosenhof nicht mehr richtig gelaufen, seine Söhne mussten Konkurs anmelden.

Der vielseitige türkische Unternehmer, der in Regensburg eine Reihe von Geschäften hatte, führte das Hotel, das sich nach gut vierzig Jahren in einem schlechten Zustand befand, zunächst weiter, auf eine Generalsanierung aber verzichtete er, wie er schon bald nach dem Kauf wissen ließ. Im Frühjahr 2012 kam Cemal Akkaya mit der Regierung ins Geschäft, die die ersten Asylbewerber aus Aserbaidschan, dem Irak und Serbien einquartierte. Der Bedarf an Zimmern für die Asylbewerber stieg von da an massiv an. Schon im Herbst zählte man in Wörth 55, im Winter 72, im Frühjahr 2013 dann 90 Flüchtende und im Sommer gab es Vollbelegung. Die Regierung zahlte damals viel Geld für die Unterbringung der aus ihren Heimatländern Geflohenen. Cemal Akkaya erwarb im Landkreis Cham auch gleich zwei weitere leerstehende Objekte, die er ebenfalls an die Regierung vermietete. Viele Wörther unterstützten in dieser Zeit die Asylbewerber, einige gaben Deutschkurse und interkulturelle Feste wurden im Rosenhof veranstaltet.

Einzig dem bayerischen Flüchtlingsrat war der bauliche Zustand des alten Hotels sauer aufgestoßen, Brandschutz gab es alle die Jahre keinen. 2016 schließlich ließen das Landratsamt und die Regierung das Gebäude räumen. Akkaya musste, wenn er wieder Asylbewerber haben wollte, das Haus aufwendig sanieren, Gemeinschaftsküchen einbauen und ein Brandschutzgutachten erstellen lassen. Im Frühjahr hatte er es geschafft. Die Regierung mietete das Gebäude für zehn Jahre wieder an, allerdings nicht mehr zu Kopf-Pauschalen, sondern zum wesentlich niedrigeren Preis der ortüblichen Mieten an.

Belegung erfolgt langsam

In Wörth sind jetzt 26 der 119 Plätze belegt. „Wir machen das auch langsam“, sagte Dr. Thomas Thaller seitens der Regierung. Die Zahl der ankommenden Asylbewerber sei ohnehin stark gesunken, so dass die Vollbelegung Wörths noch lange auf sich warten lassen werde. „Aber man weiß nicht, was in fünf Jahren ist“, sagt der stellvertretende Leiter des Sachgebiets Flüchtlinge und Integration. Die Asylsuchenden kommen erst nach Wörth, wenn sie die Erstaufnahmeeinrichtung in Regensburg durchlaufen haben. Je nach Bleibeperspektive könnten dort schon Vorentscheidungen getroffen werden. Nach dem Aufenthalt in der Gemeinschaftsunterkunft stünde dann das Suchen von Wohnung und Arbeit an.

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