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Idee

Dieses Bier reift bei Hippie-Musik

Die Biertuosen: Horst Lustenberger und Conny Beck aus dem Kreis Regensburg entwickeln ein besonderes Gebräu.
Von Christof Seidl

Hören Sie es? In diesem Bier spielt Musik der Hippie-Ära. Davon sind zumindest Horst Lustenberger und Conny Beck überzeugt. Foto: Christof Seidl
Hören Sie es? In diesem Bier spielt Musik der Hippie-Ära. Davon sind zumindest Horst Lustenberger und Conny Beck überzeugt. Foto: Christof Seidl

Wörth.Die Idee klingt – zumindest auf den ersten Blick – verrückt. Horst Lustenberger und Conny Beck haben ein Bio-Bier entwickelt, das während des Reifeprozesses mit Klassikern von den Rolling Stones oder Neil Young beschallt wird. Schmeckt man das? „Ja, klar“, sagt Horst Lustenberger schmunzelnd und erzählt die Geschichte, an deren Ende „Das Biertuose“ steht. Denn eigentlich hatten der Wörther und die Wiesenterin, die in Frankenberg lebt, mit Bier zuvor wenig am Hut, dafür aber mit Wasser. Denn die beiden entwickeln mit ihrer „myprogram Media GmbH“ im Auftrag der Wasserversorgung bayerischer Wald ein Ausstellungskonzept. Dabei sammelten sie auch erstaunliche Fakten über Wasser und stießen unter anderem auf den japanischen Wasserforscher Dr. Masaru Emoto, der überzeugt ist, dass Wasser ein Gedächtnis hat und Informationen verschiedenster Art aufnimmt. „Emoto sagt, dass Wasser auch Gefühle speichert“, erklärt Conny Beck.

Vom Bio-Hopfen zum Musik-Bier

Geht auch: Brüderschaft trinken mit „Biertuose“. Foto: Christof Seidl
Geht auch: Brüderschaft trinken mit „Biertuose“. Foto: Christof Seidl

Aus einem anderen Projekt haben Beck und Lustenberger Kontakt zu einer Vermarktungsgesellschaft von Bioland-Produkten. Von dort kam die Anfrage, ob sie nicht eine Idee zur Vermarktung von Bio-Hopfen hätten. Den entscheidenden Einfall hatte Horst Lustenberger, der sich als Bassist über Jahrzehnte hinweg einen Namen gemacht hat, beim Autofahren: „Ich hörte Musik und dachte an den Bio-Hopfen, an Bier, an Wasser. Und so entstand die Vorstellung, Bier und Musik in Verbindung zu bringen.“ Das Ergebnis des Brainstormings: ein Biobier, das musikalische Schwingungen aufnimmt.

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Das Konzept für „Das Biertuose“ hatten Beck und Lustenberger schnell beisammen. Der Name spielt mit der musikalischen Komponente, das Flower-Power-Element sorgt für einen nostalgischen Hippie-Touch. „Love and peace, dieser Slogan steht ja für ein Lebensgefühl, das die Musik dieser Zeit vermittelt hat“, meint Beck.

Als schwieriger erwies sich das dritte Element, das Bier selbst. „Bei Bier geht es viel um Tradition. Bierbrauer sind deshalb meistens eher konservative Menschen. Es war gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der uns hilft, diese Idee umzusetzen“, erzählt Lustenberger. Fündig wurden die Oberpfälzer bei einer kleinen Brauerei im oberfränkischen Bad Staffelstein, die bereit war, das Bier bespielen zu lassen.

Auch eine entspannte Idee – Bier-Yoga in Regensburg:

Entspannen bei Bier-Yoga in Regensburg

Die Vorstellung, dass der Sound aus großen Boxen durch den Bierkeller dröhnt, ist allerdings überzogen. Lustenberger montierte an dem Tank, in dem das Bier reifte, zwei sogenannte Resonatoren. Das sind spezielle Lautsprecher, die die Töne direkt auf ein schwingungsfähiges Material übertragen, auf einen Tisch, eine Glasscheibe oder eben auf einen Gärtank. „Dadurch wird der ganze Inhalt in Schwingungen versetzt, und genau darum geht es uns ja“, erklärt Lustenberger das Prinzip. Außerdem seien Resonatoren im Gegensatz zu Lautsprechern sehr unempfindlich gegen Feuchtigkeit. Als Musik hatte der Wörther ein Drei-Stunden-Programm mit Klassikern von Jimi Hendrix bis Janis Joplin zusammengestellt, das den Gärtank vier Wochen lang beschallte. Zu hören sei der Sound durchaus gewesen, „sehr zur Freude des Personals im Bierkeller“.

Derzeit gibt es das musikalische Bier nur im Online-Handel. Foto: C. Beck
Derzeit gibt es das musikalische Bier nur im Online-Handel. Foto: C. Beck

Bei „Das Biertuose“ handelt sich um ein sogenanntes Fünf-Korn-Bier, bei dem Hafer, Dinkel, Gerste, Roggen und Emmer zum Einsatz kommen. Die Musik gehört übrigens nicht zu den aufgelisteten Inhaltsstoffen. Das wäre nach den geltenden Vorgaben für die Auszeichnung von Lebensmitteln nicht möglich gewesen.

„Das ist wie bei den Globuli“

Ist in dem Bier nun wirklich das Lebensgefühl der Hippie-Ära gespeichert? „Das lässt sich natürlich nicht nachweisen“, räumt Lustenberger ein. „Aber das ist wie bei den Globuli, auf die heute viele Menschen vertrauen. Auch bei ihnen ist kein Wirkstoff nachweisbar, trotzdem helfen sie.“

Für den Tag des Bieres kreierten sieben Brauereien aus Stadt und Landkreis Regensburg ein einmaliges Bier:

Einmalig: Sieben Brauereien kreieren ein Bier

Mittlerweile ist das Musik-Bier abgefüllt. Die Resonanz bei ersten Testläufen fiel nach Angaben von Lustenberger und Beck positiv aus. „Wir haben es beim Zeltfestival und beim Käfertreffen in Wörth verteilt und fast ausschließlich Lob erhalten“, sagt Conny Beck. Vor allem bei Frauen sei der fruchtige Geschmack des Fünf-Korn-Biers gut angekommen.

Sonderbare Biersorten

  • Erotikbier:

    Jürgen Hopf (61), Bierbrauer aus Wunsiedel in Oberfranken, braut sein Bier am liebsten fast nackt. Den Gerstensaft vermarktet er als „Erotikbier“ weltweit. Bekleidet nur mit Hut, Gummistiefeln und Lendenschurz stellt er den angeblich aphrodisierenden Trunk her. Touristen erzählt er augenzwinkernd von der potenz- und fruchtbarkeitssteigernden Wirkung seines Bieres.

  • Duschbier:

    Eine schwedische Brauerei hat ein Duschbier auf den Markt gebracht: ein starkes Bier in 180-Milliliter-Flaschen – klein genug, um es unter der Dusche zu genießen.

  • Hundebier:

    Ein belgischer Hersteller hat ein Hundebier auf den Markt gebracht. Es handelt sich allerdings nicht um echtes Bier, sondern um ein Nahrungsergänzungsmittel.

Vorerst wird „Das Biertuose“ nur über einen Online-Shop vertrieben. „Wir lassen es langsam angehen und machen das Bier im Internet über Facebook etc. bekannt. Dann werden wir sehen, ob es sich lohnt, weiterzumachen.“ Falls sich das Konzept bewährt, haben Conny Beck und Horst Lustenberger schon neue Varianten im Kopf: ein Pils mit klassischer Orchestermusik oder ein Dunkles, angereichert mit Black-Power-Songs.

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