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Donnerstag, 21. Juni 2018 29° 8

Brennpunkt

Ein Appell der Feuerwehr

Der schwere Unfall auf der A3 bei Wörth, bei dem auch Einsatzkräfte verletzt wurden, beschäftigt Helfer vor Ort immer noch.
Von Hans Biederer

  • Noch bevor die Einsatzkräfte aussteigen konnten, prallte ein Sprinter in das Löschfahrzeug mit Sicherungsanhänger. Foto: Archiv/Robert Scheibenpflug
  • Sehr oft werden bei Unfällen eingeklemmte Fahrzeuginsassen mittels Rettungsspreitzer oder –schere geborgen, was von den Aktiven immer wieder geübt wird.Foto: Hans Biederer

WÖRTH.Fast täglich liest und hört man Schreckensmeldungen von der A3 auf dem Streckenabschnitt zwischen Wörth und Rosenhof – und sie scheinen immer mehr zu werden. Schwere Verkehrsunfälle, die zur Folge hat, dass der gesamte Verkehr einer der wichtigsten Ost-West-Verbindungen, auf das nachrangige Straßennetz ausgeleitet wird.

Neben diesen Verkehrsbehinderungen sind die Anrainer-Stützpunktfeuerwehren massiv gefordert. „Sobald hier im Ort tagsüber die Sirene heult, kann man schon fast davon ausgehen, dass unsere Feuerwehr auf die Autobahn gerufen wird“, erzählt ein Anwohner. Die Helfer vor Ort, die ehrenamtlich Tätigen der Freiwilligen Feuerwehren, Sanitäter, Notärzte und Polizei sind dabei in besonders hohem Maße gefordert – psychisch und physisch und müssen dabei oft mit verantwortungslosem Verhalten, Aggressionen, Unvernunft und Rücksichtslosigkeit anderer Verkehrsteilnehmer rechnen.

Einsatzfahrzeuge stecken fest

Gerade in den vergangenen Tagen war dies im östlichen Landkreis zwischen Wörth und Regensburg mehrfach der Fall. Bei ihren Einsätzen galt es stets, eingeklemmte Fahrzeuginsassen mittels Rettungsspreitzer oder –schere zu bergen. „Hier kommt es auf jede Minute an“, betonte Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer, die oberste Führungskraft im Landkreis Regensburg.

Jedoch werden die Einsatzkräfte, die diesen Dienst ehrenamtlich verrichten, immer häufiger mit Problemen konfrontiert: „Gerade unsere Wehren im östlichen Landkreis wurden in den letzten Tagen mehrfach auf die Autobahn gerufen, um dort Verunglückten zu Hilfe zu eilen. Dabei stießen sie aber auf Schwierigkeiten, die extremer nicht sein konnten“, berichtet Scheuerer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Fahrbahn war dermaßen verstopft, dass für unsere großen Rettungsfahrzeuge hier kein Durchkommen mehr war. Gerade bei dem schweren Verkehrsunfall in den Morgenstunden am vergangenen Freitag wurde keine Rettungsgasse gebildet. Die anfahrenden Einsatzfahrzeuge steckten im Stau fest. Wie ich selbst festgestellt hatte, parkten sehr viele Lastwagenfahrer ihre Gespanne einfach auf dem Standstreifen und bringen dort ihre Ruhezeit ein. Da der übrige Verkehr dann auf den beiden Fahrspuren weiterrollt, können diese Fahrzeuge wegen des fehlenden Ausweichplatzes quasi gar keine Rettungsgasse mehr bilden, weil der dafür vorgesehene Standstreifen durch die geparkten Chauffeure missbraucht wird“, erläutert der Kreisbrandrat. „Die Fahrer der großen Einsatzfahrzeuge haben schon beim normalen Durchfahren von Rettungsgassen Stress. Sie müssen darauf achten, dass sie keinen anderen Verkehrsteilnehmer streifen oder Personen, die teilweise aus den Fahrzeugen aussteigen und auf der Fahrbahn herumlaufen, überfahren. Wenn dann, wie in diesem Fall, kein Durchkommen mehr möglich ist, ist für die gesamte Besatzung Stress pur“, versichert Wolfgang Scheuerer. Er selbst musste auf dem Weg zur Unfallstelle mehrfach aussteigen und die Fahrer persönlich zum Rangieren auffordern.

„In diesen Extremfällen sind Ersatzmaßnahmen vorgesehen. Dann muss von der Gegenfahrbahn aus über die Mittelschutzplanke hinweg mit dem Erstangriff zur Personenbergung begonnen werden“, so Scheuerer. „So war es auch bei diesem Einsatz. Unser Löschgruppenfahrzeug erhielt den Auftrag, die Unfallstelle, die sich in Fahrtrichtung Passau befand, von der Gegenfahrbahn anzufahren, da die Wehren aus Wörth und Wiesent im Stau feststeckten“, berichtet der Pfatterer Kommandant Gerald Lugauer.

Sämtliche Blaulichter an

„In unserer Ausbildung wird hier ganz speziell auf die Gefahren auf der Autobahn hingewiesen. Dies fängt schon beim Einfahren in die Hauptfahrbahn an. Die Einsatzkräfte werden wegen der hohen Geschwindigkeiten sensibilisiert. Auch das Absichern von Einsatzstellen ist ein wichtiger Teil der Beschulung“, erklärt Wolfgang Scheuerer auf Nachfrage.

Das Einsatzfahrzeug aus Pfatter war somit gefordert, mit Blaulicht auf der Überholspur auf Höhe der Unfallstelle abzuhalten. Noch bevor die Aktiven von ihrem Fahrzeug aussteigen konnten, prallte der Fahrer eines Sprinters mit hoher Geschwindigkeit auf das Heck des Löschgruppenfahrzeugs auf. „Das kann ich in keiner Weise verstehen. Sämtliche Blaulichter waren an dem weithin sichtbaren großen Einsatzfahrzeug zu erkennen. Außerdem befanden sich auf der Gegenfahrbahn Einsatzfahrzeuge der Polizei mit ihren Blaulichter. Auch dies war aus großer Entfernung zu erkennen“, stellt Wolfgang Scheuerer klar.

Die Bilanz dieses Crashs: Drei verletzte Feuerwehrkräfte und acht teils schwer verletzte Insassen des Sprinters. Für den Kreisbrandrat müssten hier die Gesetzte geändert werden: „Immer wieder kommt es gerade mit diesen Sprintern zu schweren Auffahrunfällen. Für mich sollten diese Fahrzeuge nur noch mit 120 Stundenkilometern fahren dürfen. In dem Tempo, das viele momentan fahren, sind das rasende Zeitbomben“, argumentiert Scheuerer.

Die drei verletzten Feuerwehrmänner aus Pfatter konnten nach vorliegender Information noch am selben Tag die Klinik wieder verlassen. „Wir werden und müssen diesen Unfall auf alle Fälle nachbereiten. Wir lassen dafür aber noch etwas Zeit verstreichen. Der Schock sitzt noch zu tief“, sagt der Pfatterer Kommandant.

Auf die Frage, wie sich die Stützpunktfeuerwehr nun behilft, solange nur ein Einsatzfahrzeug zur Verfügung steht, erklärte Gerald Lugauer: „Wir wissen noch nicht, wie hoch der Schaden ist. Wir und die Gemeinde machen uns aber kundig, ob wir gegebenenfalls ein Ersatzfahrzeug bekommen können, denn unsere Einsatzbereitschaft sollte ja gewährleistet bleiben“, so der erste Kommandant.

Ob die betroffenen aktiven Feuerwehrmänner auch bei künftigen Alarmierungen mit ausrücken werden, kann der Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer nicht beantworten. „Die meisten unserer Aktiven sind Familienväter und üben diese gefährliche Tätigkeit ehrenamtlich aus. Wir alle möchten nach den Einsätzen, wieder gesund zu unseren Lieben nach Hause kommen. Dies geht aber nur, wenn auch der Verkehrsteilnehmer auf den Autobahnen endlich kapiert, sich vernünftig und rücksichtsvoll zu verhalten“, betont Scheuerer.

Die Rettungsgasse

  • Wann bilde ich sie?

    Sobald der Verkehr auf den Fahrspuren lediglich nur noch mit Schrittgeschwindigkeit läuft, ist, ganz unabhängig, ob von hinten ein Rettungsfahrzeug kommt, eine Rettungsgasse zu bilden.

  • Wie bilde ich sie?

    Die Fahrzeugführer auf der linken Spur lenken ihre Fahrzeuge ganz an den linken Fahrbahnrand. Verkehrsteilnehmer in der rechten Fahrspur lenken ihre Fahrzeuge ganz an den rechten Fahrbahnrand. So bildet sich zwischen den beiden Fahrzeugkolonnen eine für Einsatzfahrzeuge reservierte Fahrspur.

  • Bei mehreren Fahrspuren

    befindet sich die Rettungsgasse immer rechts von der am weitesten links befindlichen Fahrspur. Wenn der Verkehr zum Stehen kommt, muss diese freie Gasse bereits gebildet sein und muss bestehen bleiben.

  • Was dürfen Lkw-Fahrer nicht tun?

    Diese dürfen auf keinen Fall den Standstreifen zum Einbringen ihrer Ruhezeit benutzen. Dies würde dazu führe, dass die Fahrzeuge auf der Hauptfahrbahn keine Gasse mehr bilden können. (lbb)

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