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Montag, 23. Juli 2018 29° 6

Attraktion

Ein neues Nest für den Storch

Die Gemeinde Aufhausen ließ auf der Stiftsgaststätte ein Horstgestell montieren. Nun warten viele, bis Adebar einzieht.
Von Kerstin Hafner

Nach über einer Stunde Vorarbeit montierte Armin Landsmann gegen Mittag mit seinem Kollegen die Horstunterlage auf der Auffangebene. Foto: Kerstin Hafner
Nach über einer Stunde Vorarbeit montierte Armin Landsmann gegen Mittag mit seinem Kollegen die Horstunterlage auf der Auffangebene. Foto: Kerstin Hafner

Aufhausen.„Wir brauchen mehr Kinder in Aufhausen … und deswegen bauen wir jetzt ein Nest für den Klapperstorch“, scherzte Bürgermeister Johann Jurgovsky am Montag, als die Firmen Metallbau Landsmann und Zimmerei Kastl mit einem Kran die über 400 Kilogramm schwere Edelstahl-Kontruktion eines Horstunterbaus auf das Dach der Stiftsgaststätte hievten. Vor über einem Jahr kam dem naturliebenden Gemeindeoberhaupt die Idee, Adebar auf die Sprünge zu helfen. „Wir beobachten in den letzten Jahren immer mehr Störche bei uns in der Labertalaue und auch auf den beiden Kirchendächern konnte man sie schon sitzen sehen. Man hat das Gefühl, sie halten Ausschau nach einem Nistplatz.“ Diese Annahme könnte den Bürgermeister nicht trügen, denn Störche werden laut Ernst Seidemann vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), Kreisgruppe Regensburg, schon mit drei Jahren geschlechtsreif, suchen sich einen Partner und brauchen dann eben einen Nistplatz. Und da sind sie offenbar mittlerweile recht verwöhnt, weil der Mensch dem mit positiven Gefühlen verknüpften Vogel gern allerlei Hilfestellung bietet.

„In Norddeutschland sieht man Störche oft auch in Bäumen nisten, in der Türkei oder Spanien habe ich sie schon auf Telefon- oder Strommasten gesehen. Bei uns allerdings wüsste ich nicht, dass Weißstörche in Bäumen brüten. Schwarzstörche ja, von denen leben einige im Wald bei Wörth, aber Weißstörche nutzen am liebsten die Horste auf Kaminen oder eigens dafür angefertigten Gestellen.“

Ein Unterzug im Dachstuhl

Der Horst wird auf den Dachstuhl gehoben und montiert. Foto: Kerstin Hafner
Der Horst wird auf den Dachstuhl gehoben und montiert. Foto: Kerstin Hafner

Und genau ein solches wurde deswegen also bestellt und gebaut. Über ein Jahr dauerte das bürokratische Procedere, weil die Regierung drei Kostenvoranschläge brauchte und sich sogar das Landesamt für Denkmalschutz in München mit dem Thema ‚Storchenwohnraum in Aufhausen‘ beschäftigte, weil der Horst auf einem Stützpfeiler steht, der im Dachboden verankert wurde. Dafür musste die Zimmerei extra einen Unterzug im Dachstuhl einziehen. „Die Stiftsgaststätte wurde schon vor 1000 Jahren urkundlich erwähnt und gehört zum geschützten Ensemble im Umgriff unserer Wallfahrtskirche“, erklärt Jurgovsky. Und Denkmalschützer sind eben ein vorsichtiges Völkchen.

Irgendwann war die Sache geritzt und Seidemann stellte einen Förderantrag bei der Regierung. Diese übernimmt nun 80 Prozent der Kosten von rund 5000 Euro für den Bau der Konstruktion, 20 Prozent finanziert der LBV. Die Kosten für die Montage auf dem Dach der Stiftsgaststätte trägt die Gemeinde. Jurgovsky freut sich schon: „Stellen Sie sich vor, wie schön das wird, wenn man hier gemütlich im Biergarten sitzt und oben ein Storchenpaar sein kleines Konzert klappert oder die Jungen füttert.“

Gesichert ist das allerdings nicht. „Der Horst in Donaustauf steht schon lange leer und eine Horstunterlage in Eggmühl, die wir vor ein paar Jahren aufgestellt haben, wurde noch nie angenommen. Man muss einfach warten und hoffen“, sagt Seidemann. Ein paar Dorfbewohner kamen – angelockt durch die Aktion – auch vorbei und fragten, wer da oben denn jetzt mal probesitzen solle und wer demnächst das Monitoring übernehme? Die Stimmung scheint gut in Aufhausen, höchst aufgeschlossen gegenüber dem Storch. Schließlich hat auch die Nachbargemeinde Sünching so einen Vogel. Und Pfatter. Und Geisling. Und Schierling. Da will man bald dazugehören. Die Wirtsleute Maureen und Helmut Luderer würden sich ebenfalls über die neue Attraktion freuen und hoffen, dass Adebar bald einzieht.

Zum Schutz für das Dach

Nach exakten Vorgaben des LBV hat Armin Landsmann aus Bach/Donau den Horstunterbau von Hand gefertigt. Er besteht aus einem kreisrunden Stahlgitter von 1,50 Metern Durchmesser und einer Auffangebene für Vogelkot und Nistmaterial mit 1,80 Metern Durchmesser, die das Dach vor der schlimmsten Verunreinigung schützen soll und einen Meter unterhalb der Nistebene liegt. „Um dem Storch die neue Bleibe schmackhaft zu machen, mussten wir das gesamte Gestell mit Kalkfarbe weiß bespritzen. Das simuliert Vogelkot. Auch ein bisschen Weidengeflecht haben wir schon darauf fixiert“, erklärt Landsmann mit verschmitztem Lächeln. Der Storch steht also auf Shabby Chic? Ja. Und zwar weil der Used Look dem Vogel Sicherheit und Behaglichkeit vermittelt. So nach dem Motto: Hier hat schon mal einer von meinesgleichen gewohnt, so schlecht kann’s hier nicht sein. „Auch das Dach rundherum werden wir noch mit Kalkfarbe bespritzen“, sagt Landsmann und marschiert mit seinem Farbeimer zum Krankorb.

Jetzt muss Adebar also nur noch kommen: „Eigentlich sollten sie schon seit Mitte Februar hier sein, aber die Störche haben wegen der Kältewelle in Bayern auf ihrer Reise aus Afrika einen Zwischenstopp am Bodensee eingelegt“, weiß der Storchenwirt-in-spe, Helmut Luderer.

Es gibt wieder mehr Weissstörche

  • Bedroht:

    Laut LBV war der Weißstorch vor 30 Jahren in Bayern vom Aussterben bedroht, es gab noch 58 Brutpaare.

  • Schutz:

    Mit Hilfe eines Artenschutzprogramms ist die Zahl der Brutpaare in Bayern auf circa 500 gestiegen.

  • Aufenthaltsorte:

    Im letzten Winter haben über 200 Störche bei uns überwintert. Immer mehr Störche fliegen also gar nicht mehr nach Afrika. Die potenzielle Lebenserwartung von Weißstörchen in freier Wildbahn beträgt 20 bis 30 Jahre.

  • Nahrung:

    Sie fressen nicht nur Frösche und Eidechsen, auch Mäuse, Maulwürfe, kleine Fische, Regenwürmer, Käfer und was ihnen sonst noch so an Kleingetier vor den Schnabel hüpft. Davon gibt es auf den Feuchtwiesen an der Laber Etliches. (lkh)

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