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Musik

Ein Trommler mit Leib und Seele

Stefan Steinberger aus Alteglofsheim ist leidenschaftlicher Schlagzeuger und spielt in zwei Bands. Üben muss er nicht mehr.
Von Angelika Lukesch

Stefan Steinberger spielt Schlagzeug in zwei Bands. Er liebt alles Rhythmische. Foto: Margit Steinberger
Stefan Steinberger spielt Schlagzeug in zwei Bands. Er liebt alles Rhythmische. Foto: Margit Steinberger

Alteglofsheim.Stefan Steinbergers Leben wird vom Rhythmus bestimmt. Der junge Mann ist 28 Jahre alt und arbeitet bei den Werkstätten der Lebenshilfe Regensburg. Musik fasziniert ihn sein Leben lang, doch der Rhythmus darin ist für Steinberger das Essenzielle. Der junge Mann ist Schlagzeuger mit Leib und Seele.

Stefan Steinberger kam als Frühchen auf die Welt und wurde zwei Monate beatmet. Ein dreiviertel Jahr lang sei er auf der Intensivstation gelegen, erzählt seine Mutter Margit Steinberger. Sie glaubt, dass die im gleichmäßigen Rhythmus arbeitenden Beatmungsmaschinen den Samen des Drummer-Talents in Stefan gelegt haben. „Stefan hat im Kleinkindalter schon bei jeder Musik mitgetrommelt. Er ist nicht zur Mama gekrabbelt, sondern zur Stereoanlage, und hat vor dem Lautsprecher mitgetrommelt.“

Die Eltern förderten Stefans große musikalische Begabung. In der musischen Früherziehung wurde sein Talent für Schlagzeug erkannt, ab der 2./3. Klasse Grundschule nahm Stefan Schlagzeugunterricht an der Musikschule Neutraubling, später dann an einer privaten Musikschule in Alteglofsheim. Zur Kommunion bekam er sein erstes eigenes Schlagzeug geschenkt, mit dem er im Keller übte.

Sein Talent fiel in der Schule auf

Er habe sich alles selbst beigebracht, sagt Stefan Steinberger. Als er die Schule im Pater Rupert Mayer Zentrum besuchte, fiel sein Talent dem dortigen Lehrer Klaus Kracker sofort auf. Stefan ist in seiner Band, seit Kracker in seiner Klasse vor gut 15 Jahren einmal einen Musikunterricht vertreten musste. Er nutzte diese Stunde, um mit der Klasse einfache Rocksongs zu spielen. „Stefan war am Schlagzeug und hielt mit seinem Groove das Ganze zusammen, sodass die Schülerband des Pater Rupert Mayer Zentrums, die Firebirds, geboren war“, erinnert sich Kracker.

„Er ist nicht zur Mama gekrabbelt, sondern zur Stereoanlage, und hat vor dem Lautsprecher mitgetrommelt.“

Mutter Margit Steinberger

„Wenn man Stefan am Schlagzeug sieht und hört, merkt man nichts von seiner Behinderung“, erklärt der Lehrer. Er könne mit den meisten anderen Drummern mithalten, sei rhythmisch sehr sicher und hole aus jedem Schlagzeug einen guten Sound raus. Kracker ist begeistert: „Der ganze Kerl ist toll und eine Show!“

Als Steinberger und einige andere Firebirds-Bandmitglieder die Schule beendet hatten, gründete Klaus Kracker zusammen mit Eltern der Ehemaligen die Nachfolgeband „PowerPack“. Natürlich sitzt Steinberger am Schlagzeug. Die erfolgreiche Formation feiert heuer das zehnjährige Jubiläum. PowerPack ist schon bei vielen Privatfeiern und großen Festen aufgetreten und wird häufig gebucht. Das große Talent des Drummers wurde auch bei der Lebenshilfeband „Werkstattexpress“, die von Helmut Süttner, Gitarrist bei Sacco&Mancetti, geleitet wird, schnell erkannt.

„Wenn man Stefan am Schlagzeug sieht und hört, merkt man nichts von seiner Behinderung.“

Lehrer Klaus Kracker

Steinberger wurde angeworben und spielt nun bei dieser Band regelmäßig mit. Üben muss der 28-jährige schon lange nicht mehr. „Das kann man einfach“, sagt er lapidar mit der Überzeugung desjenigen, der weiß, was er kann. Zwar hat er während der Zeit seines Schlagzeugunterrichts Noten lesen gelernt und die ganze Basis des Schlagzeugspielens, doch Vorlagen braucht der Drummer mittlerweile schon sehr lange nicht mehr. Er spielt nach Gehör und aus der Erinnerung. „Stefans Intuition ließ ihn sich schnell von den Noten lösen, sein Gespür für harmonischen Zusammenklang verselbstständigte sich und sein Repertoire umfasst mittlerweile rund 200 Rock- oder Schlagernummern.“

Ein wichtiger Motor für die Band

„Für mich ist Stefan DER Wunsch-Musiker, weil er die Gabe hat, auf die anderen zu hören und diese Wechselwirkung in sein Spiel einbezieht“, betont Süttner. Er bezeichnet Steinberger als „genialen Rhythmiker“. Auch Sänger und Songwriter Hubert Treml arbeitet schon seit Jahren mit Stefan Steinberger zusammen. „Er ist als Schlagzeuger ein ganz wichtiger Motor für PowerPack. Ein echter Glücksfall“, sagt der Musiker.

Stefan Steinberger nimmt das Lob mit heiterem Gleichmut entgegen. Er weiß, was er kann. Es ist ihm nicht wichtig, auf welchem Schlagzeug er spielt, denn den Rhythmus findet er in allem, worauf man trommeln kann. Nur elektrische Schlagzeuge mag er nicht. „Das klingt einfach anders“, sagt der Stefan. Den Auftritt vor großem Publikum liebt er. „Je mehr Leute da sind, desto besser“, lautet sein Motto.

Patrick Cox, der Schlagzeuger der Schürzenjäger, ist Stefan Steinbergers großes Vorbild, aber auch der berühmte Perkussionist Martin Grubinger. Aber drummen kann Stefan Steinberger zu jeder Musik, seien es die rockigen Songs von PowerPack oder die Gute-Laune-Musik des „Werkstattexpress“. Das Wichtigste bei jeder Musik ist für ihn der Rhythmus, und den hat Stefan Steinberger einfach im Blut.

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Das sagen Musiker-Kollegen

  • Klaus Kracker: „Einmal musste Stefan auf einem Kinderschlagzeug spielen. Ihm machte das nichts aus!“

  • Helmut Süttner: „Stefan spielt über die verschiedensten Drumsets, am Cajon oder am Drum-Sequenzer.“

  • Hubert Treml: „Mich erinnert Stefan mit seinen Soli an Keith Moon, den legendären Schlagzeuger von The Who.“

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