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Soziales

Ein Vorreiter bei der Altenpflege

Das Sozialteam Lappersdorf feierte 25-jähriges Bestehen. Bei der Jubiläumsfeier informierte Martin Weiß über den Wandel.
Von Engelbert Weiß, MZ

  • Für auf individuelle Erfordernisse und Wünsche zugeschnittene Angebote, wie hier auf unserem dpa-Foto aus Halle, muss der Mensch im Mittelpunkt stehen. Diese Anforderung, so Sozialteam-Geschäftsführer Martin Weiß, gilt für Nutzer wie für Mitarbeiter. Foto: Waltraud Grubitzsch/lah
  • Zum Jubiläum kamen zahlreiche Ehrengäste. Foto: Eva-Maria Hasenfürter
Martin Weiß, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Sozialteams, berichtete über Gründung und Wandel. Foto: E. Weiß

Lappersdorf.Altenheime glichen vor drei Jahrzehnten noch den (damaligen) Krankenhäusern. Seitdem hat sich viel getan. Das wurde bei der Jubiläumsfeier des Sozialteams Lappersdorf zum 25-jährigen Bestehen deutlich. Der Festakt fand in Fuchsmühl in der nördlichen Oberpfalz statt, weil der Träger sozialer Einrichtungen dort 1993 im Marienheim seine erste soziotherapeutische Wohnstätte in der Oberpfalz, die sich nur an psychisch kranke Menschen wendete, in Betrieb genommen hat. Und 2005 eröffnete das Sozialteam in Fuchsmühl das Senioren-Servicehaus. Es war in der Oberpfalz die erste stationäre Altenpflegeeinrichtung, die nach dem Hausgemeinschaftskonzept organisiert ist. Inzwischen ist das Sozialteam unter der Leitung seines Gründers als Vorsitzenden der Geschäftsführung, Diplom Sozialpädagoge (FH) Martin Weiß, an 20 Standorten in Bayern und Sachsen aktiv.

Begonnen hat alles in einem Kellerraum als Büro im Privathaus in Lorenzen, berichtete Martin Weiß bei der Feier. Inzwischen beschäftigt das Sozialteam mit soziotherapeutischen Einrichtungen für Menschen mit Psychiatrie- und Suchterkrankungen und Menschen mit Intelligenzminderung sowie mit seinen Angeboten und Einrichtungen für die Pflege und Betreuung von Senioren fast 650 Mitarbeiter.

Zentralverwaltung in Hainsacker

Das Familienunternehmen betreibt Einrichtungen in Bayern von Landshut über Regensburg und Ansbach bis nach Marktredwitz sowie in Sachsen von Crimmitschau bis Weißwasser. Etwa 20 Mitarbeiter in der Zentralverwaltung, seit 2005 in einem neuen Bürogebäude in Hainsacker, erledigen die Lohnabrechnung und Buchhaltung.

•Dr. Christian Weiß zeichnet seinen Vater für 25 Jahre Betriebszugehörigkeit aus. Mit im Bild: Martins Gattin Anne Petrick Foto: E. Weiß

Mit neuen Angeboten für Menschen mit Migrationshintergrund will das Sozialteam zu einer offenen, inklusiven und pluralistischen Gesellschaft beitragen. Denkanstöße dafür, wie auch mit einer kritischen Bevölkerung solche Vorhaben umzusetzen sind, sollte der Festvortrag liefern.

Professor Dr. Andreas Lob-Hüdepohl hielt die Festrede. Foto: E. Weiß

Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, Professor an der katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin und Geschäftsführer des Berliner Instituts für christliche Ethik und Politik, referierte zu „Solidarität – eine gefährdete Ressource?!“ Viele, die Gerechtigkeit einfordern, würden zunächst Gerechtigkeit nur für sich verlangen, so der Ethikspezialist. Dadurch entstehe eine Schieflage. Wer sich solidarisch zusammenschließe gegen andere, der schließe andere aus.

„Ertragen lernen ist das Wichtigste auf dem Weg zu mehr Toleranz.“

Andreas Lob-Hüdepoh, Mitglied im Deutschen Ethikrat

Durch „Etabliertenvorrechte“ entstehe somit eine Abwehrhaltung gegenüber benachteiligten Menschen in der Bevölkerung. „Eine gemeinsame Sache machen“ sei noch lange nicht, „etwas gemeinsam machen“. „Inklusive Solidarität“ sei das Ziel, so Lob-Hüdepohl, es gehe um den Zusammenschluss von Starken und Schwachen.

Zum Festakt beim Jubiläum gehörte auch eine Talkrunde mit Vertretern aus Politik, Mitarbeitern und Nutzern der Einrichtungen des Sozialteams. Foto: E. Weiß

Durch volle und wirksame Teilhabe, durch ein „starkes Gefühl der Zugehörigkeit“, so der Festredner, könne „Vielfalt als Bereicherung für gemeinschaftliches Leben“ erfahrbar werden. So könne das Abbrechen von Ausschließen sogar Heilung bewirken. Ertragen lernen sei dabei das Wichtigste auf dem Weg zu mehr Toleranz und Respekt oder gar Wertschätzung.

„Wir müssen Barrieren in den Köpfen einreißen!“

Melanie Huml, Bayerische Ministerin für Gesundheit
Gesundheitsministerin Melanie Huml Foto: E. Weiß


Bei Menschen in schwierigen Lebenssituationen, gerade auch bei psychischen Erkrankungen, sei aufeinander Zugehen und einander Respektieren besonders wichtig, hatte zuvor die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml gefordert. Es gelte in unserer Gesellschaft, auf individuelle Erfordernisse und Wünsche Rücksicht zu nehmen. Dafür müssten noch viele Barrieren in den Köpfen der Menschen eingerissen werden, so die Ministerin. Als Grundsatz müsse gelten: „Nichts ohne uns über uns!“

Talkrunde zum Abschluss

Für Musik sorgen Cellistin Katharina Reichelt und Holger Queck am E-Piano. Foto: E. Weiß

Cellistin Katharina Reichelt und Holger Queck am E-Piano begleiteten die Feier musikalisch. Bei einer Talkrunde unter Moderation von Thomas Bärthlein von OTV äußerten sich Gäste, Mitarbeiter und Nutzer der Einrichtungen fast überschwänglich lobend zu den Angeboten des Sozialteams. Der Mensch mit seinen individuellen Problemen und Wünschen stehe im Mittelpunkt, das Angebot sei auf die aktuellen Erfordernisse abgestimmt. Jeder – Nutzer wie Mitarbeiter – müsse am Ende sagen können: „Das, was wir machen, hat Sinn!

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Das Familienunternehmen Sozialteam

  • Gründung:

    Mit seiner Unterschrift unter die Urkunde am 17. Januar 1992 gründete Martin Weiß, damals Sozialreferent des Bayerischen Roten Kreuzes für den Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz, das Sozialteam.

  • Start:

    Am 1. März 1993 wurde als erste Einrichtung in Fuchsmühl in der nördlichen Oberpfalz das Marienheim eröffnet.

  • Mitarbeiter:

    Das Sozialteam ist an 20 Standorten in Bayern und Sachsen tätig. Fast 650 Mitarbeiter werden von der Zentrale in Lappersdorf aus betreut.

  • Zukunft:

    Das Sozialteam will keine Standardangebote von der Stange bieten, sondern betroffene Menschen sollen an ihrem Heimatort im Mittelpunkt individueller Angebote stehen.

  • Nachfolge:

    Martins Sohn Dr. Christian Weiß will das Sozialteam langfristig weiterführen. Aktuell ist er in der Verbandsarbeit als Landesreferent tätig.

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