mz_logo

Landkreis
Dienstag, 19. Juni 2018 26° 3

Engagement

Eine Medaille fürs Lebenswerk

Heimatpfleger Fritz Jörgl wird für seine Tätigkeit in der Wörther Historie geehrt. Für ihn ist das ein weiterer Ansporn.
Von Walter Schiessl

Fritz Jörgl arbeitet unermüdlich für die Wörther Geschichte. Jetzt bekommt er die Verdienstmedaille dafür. Fotos: ws
Fritz Jörgl arbeitet unermüdlich für die Wörther Geschichte. Jetzt bekommt er die Verdienstmedaille dafür. Fotos: ws

Wörth.Fritz Jörgl, der Wörther Ortsheimatpfleger, erhält die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik. „Freilich freut mich diese Auszeichnung“, sagt der 70-Jährige, der trotz einer Krankheit in vielen Bereichen äußerst aktiv ist. Mit der Auszeichnung, die ihm Landrätin Tanja Schweiger überreichen wird, wird das Lebenswerk des agilen Seniors gewürdigt.

Fritz Jörgl zog mit seiner Heirat vor 50 Jahren nach Wörth, wo er sich auf einem Hang an der Taxisstraße direkt gegenüber seinen Schwiegereltern ein schmuckes Wohnhaus baute. Beruflich war er lange Zeit für eine Firma, die Feuerlöscher vertrieb, im Einsatz. Wenn er von seinem Haus auf den nördlichen Teil der Wörther Altstadt und das hoch erhaben auf dem Berg stehende Schloss blickt, so sagt er noch heute, „da muss man einfach Heimatpfleger werden“. Und in der Tat, Fritz Jörgl legt sich 16 Jahren für die Wörther Geschichte mächtig ins Zeug.

45 Jahre das Hobby betrieben

2002 war es, als Bürgermeister Anton Rothfischer jemanden suchte, der das Amt des Heimatpflegers übernehmen wolle. Zuvor hatte dieses 36 Jahre lang der Rektor a. D. Ludwig Schindler inne, der akribisch gearbeitet hatte und mehrere Bücher veröffentlichte. „Früher war der Lehrer immer einer, der sich um die alten Dokumente, das Archivieren und auch das Sortieren kümmerte“, weiß sein Nachfolger Fritz Jörgl, der sich auf Rothfischers Suche hin auch schnell gemeldet hatte. Denn der Wörther Vater zweier Töchter hatte sich schon fast seit er denken kann, für die Geschichte der Stadt interessiert. An die 3000 Bücher hatte der heutige Experte in seiner Bibliothek bereits damals stehen. „Alle hab ich gelesen, mindestens einmal“, sagt Fritz Jörgl, der sämtliche Werke auch nach einem System von Universitätsbibliotheken katalogisiert hat. Binnen kurzer Zeit findet er das gesuchte Buch.

Jörgl war gerade mal 25 Jahre alt, als er sich das Hobby suchte, dem er bis heute treu geblieben ist. Der gebürtige Geislinger und gelernte Werkzeugfräser hat sich ein umfangreiches Archiv auch über Personen zusammengestellt. Ihn interessieren die Lebenswege des Münchner Komikers Karl Valentin ebenso wie die des Brennberger Bundesministers Hermann Höcherl oder des Pfarrers Johann Nepomuk von Wolf, der lange Jahre in Wörth gewirkt hatte, ehe er 1821 zum Regensburger Bischof ernannt wurde. Werke über diese Persönlichkeiten findet Fritz Jörgl in seinem Archiv in Sekundenschnelle, auch aus Drehregalen in seinem Keller hat er binnen ganz kurzer Zeit den richtigen Band in Händen.

Selbstredend, dass sich der Heimatpfleger schon früh mit dem „Kollegen Computer“ vertraut gemacht hat. Das spare Platz und Zeit, sagt er. Das richtige System helfe ihm ganz viel. Sein Wissen nutze der Wörther auch für das Pfarrarchiv, das er zusammen mit Marianne Neuner neu zusammenstellte, und später für das Archiv der Stadt, das er zunächst nur notdürftig in alten Schränken auf dem Dachboden des Rathauses vorfand.„Im Winter war es da droben bitter kalt“, erzählt der Heimatpfleger heute über jene Zeit, „und im Sommer schwitze ich bei 40 Grad.“ Dennoch machte er sich daran, das Dokumenten-, Bild- und Registermaterial neu zu sortieren, zu katalogisieren und auch nach einem neuen System zu ordnen.

Mit Ulrike Riedel-Waas und Walter Groß fand er zwei Mitstreiter, die ihm dann beim Umzug, für den schließlich der Stadtrat gestimmt hatte, in die alte Hofdorfer Schule tatkräftig halfen. Ein erneuter Umzug an die Straubinger Straße in ein gemietetes Haus scheiterte leider, wie der Heimatpflger etwas bedauert. Oft fährt Jörgl auch ans staatliche Archiv nach Amberg, wo er ebenfalls Interessantes für Wörth herausfindet. Dort kennt man das Wörther Original, das oft nicht locker lässt, bis es Wichtiges aus den alten Unterlagen herausgefunden hat. Nur selten kommt Jörgl zu keinem Ergebnis, muss dann passen.

„Es macht mir Spaß“

Aber der Heimatpfleger war auch als Autor tätig. 2012, 2013 und 2018 erstellte er eine Schriftenreihe unter dem Motto „hereant und dreant“. Täglich eine Stunde saß er vor seinem Computer, um das Werk, dessen letzter Teil im Februar herauskam, fertigzustellen. Jörgl hat auch mehrere Gastautoren zum Mitmachen animiert. Teile des dritten Bandes waren die Bedeutung des Feuers, der Waffen, des Bieres, aber auch ein Physikatsbericht aufs dem Jahr 1860. Das Werk wurde in einer Auflage von 400 gedruckt. „Mir macht es einfach Spaß, mich mit der Historie zu befassen“, sagt der 70-Jährige, der auch eine Reihe von Führungen durch das Schloss zusammen mit dem Stadtarchiv-Team Ulrike Riedel-Waas und Walter Groß absolviert. Die Geschichten zu erzählen und den Besuchern anschaulich und auch humorvoll aufzubereiten, das sei auch für die Heimatpfleger-Crew sehr schön.

Engagiert war Heimatpfleger Fritz Jörgl aber auch bei der Geislinger und bei der Wörther Feuerwehr, beim Besuchsdienst des Wörther Krankenhausfördervereins, beim Wörther Musikverein und bei der Männercongregation Wörth, bei der er lange Jahre Obmann war.

Dass er jetzt die Verdienstmedaille des Verdienstordens erhalte, das sei schon eine sehr schöne Sache, meint Fritz Jörgl im Vorgriff auf die Feierstunde am 6. Juni im Landratsamt. Die Auszeichnung werde ihn aber auch bestärken, noch viel für die Wörther zu tun. Das mache einfache eine Freude, so sagt der ehrenamtlich tätige Heimatpfleger.

Sie erhalten ebenfalls Auszeichnungen:

Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten

  • Hildegard Schindler:

    Die Wörther Stadträtin Hildegard Schindler erhält das Ehrenzeichen für ihr Engagement im sozialen Bereich. Sie hat sich in der Familienarbeit und in der Kinderbetreuung einen Namen gemacht und auch in ihrem Heimatort Zinzendorf.

  • Herbert Schötz:

    Der seit vielen Jahren engagierte ehemalige Verwaltungsleiter und Kommunalpolitiker baute die Wörther Musikschule auf, leitete die Kolpingsfamilie, den Fremdenverkehrsverein und arbeitete ehrenamtlich in unzähligen Bereichen.

Weitere Nachrichten und Berichte aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht