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Musik

Eine Musik-Tradition soll weiterleben

Seit über 35 Jahren ist der Spielmannszug fester Bestandteil des Hemauer Vereinslebens. Die Nachwuchssuche bereitet Sorgen.
Von David Santl

Trommeln, Flöten und Fanfaren: Mit diesen Instrumenten gibt der Hemauer Spielmannszug jedem Festzug eine besondere Note. Foto: Harald Schramm
Trommeln, Flöten und Fanfaren: Mit diesen Instrumenten gibt der Hemauer Spielmannszug jedem Festzug eine besondere Note. Foto: Harald Schramm

Hemau.Egal ob beim traditionellen Volksfestauszug oder beim Faschingszug: Mit ihrem klingenden Flötenspiel, den Marschtrommeln und den auffallend blauen Uniformen kann man sie weder überhören, noch übersehen. Die Rede ist von den Mitgliedern des Hemauer Spielmannszugs.

„Mit unseren außergewöhnlichen Uniformen sind wir ein echter Hingucker auf Festzügen“, erzählt der Vorsitzende Karl Eichenseer im Probenraum im „Haus der Musik“. Um ihn herum sitzen ein paar Jugendliche, die seit längerer Zeit beim Spielmannszug aktiv sind. Und das merkt man auch: Es wird gelacht, gescherzt und über die Schule geredet.

Die jungen Spielleute verstehen sich jedenfalls blendend – trotzdem treibt es Eichenseer Sorgenfalten auf die Stirn. Der Grund ist einfach: Der Nachwuchs wird immer weniger.

Immer weniger Züge

„Ich bin mit unserer jungen Truppe echt zufrieden, aber trotzdem werden Spielmannszüge immer mehr zu einer Rarität“, erklärt er. „Andere große Spielmannszüge haben schon lange das Handtuch geworfen“, sagt Eichenseer. Dieses Schicksal soll dem Hemauer Spielmannszug erspart bleiben – hat er sich doch seit seiner Gründung hervorragend entwickelt.

Am 16. März 1982 begann seine Geschichte. Damals versammelten sich auf Initiative von Jakob Semmler, dem Vorstand der Tangrintler Königstreuen, gut 30 junge Leute, um sich über den Aufbau einer Kapelle zu informieren. „Am Anfang hatten wir nur Trommeln und Fanfaren“, weiß Eichenseer. Die markante Uniform kam erst zwei Jahre nach der Gründung hinzu. „Solche Uniformen wurden zur Zeit König Ludwigs II. getragen“, erklärt der Vorstand.

Seither ist die Kapelle viel herumgekommen. „In der Anfangszeit waren wir oft auf Patriotentreffen“, berichtet Karl Eichenseer, während der Nachwuchs gespannt zuhört. Echte Highlights seien Auftritte in München oder Nürnberg gewesen. Auch heute ist der Hemauer Spielmannszug bei vielen Festzügen bayernweit ein gern gesehener Gast, wie Eichenseer erzählt: „Wir tragen den Namen Hemau weit hinaus“, freut er sich. Besonders die jungen Mitglieder machen ihn stolz: „Die haben sich echt gut entwickelt“, lobt er. Der ganze Spielmannszug sei ein „eingeschworener Haufen“. Deshalb hätte er auch gern mehr junge Leute mit dabei. „Aber die Zeiten haben sich eben geändert. Heute hat man aus schulischen Gründen kaum Zeit für ein solches Hobby“, bedauert er. Andere hätten vielleicht auch Scheu, eine Uniform anzuziehen. „Aber wir bekommen immer viele Komplimente“, erzählt Karl Eichenseer.

„Mittlerweile gibt es ein ziemliches Überangebot an Freizeitaktivitäten. Zudem wollen immer weniger Kinder ein Instrument lernen“, glaubt er. Dabei sei es erwiesen, dass sich Musik positiv auf die Entwicklung von Kindern auswirke.

Er selbst sei damals neugierig gewesen, ein Instrument zu lernen, blickt Eichenseer zurück. „Heute muss man schon aktiv auf die Leute zugehen“, berichtet er.

Karrierestart als Taferlbua

Auch die Eltern sieht Eichenseer in der Verantwortung: „Die Kinder müssen motiviert werden, es zu probieren“, findet er, „es ist eben wirklich noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Auch wer noch zu klein ist, um mitzuspielen, kann schon mitmachen. „Die starten ihre Karriere als Taferlbua“, erzählt Eichenseer. Später bekommen die Kinder Einzelunterricht und werden danach in die Kapelle integriert.
Für ihn sei es einfach der Zusammenhalt, der ihm am Hemauer Spielmannszug so gefällt. „Der Spaß kommt bei uns auf keinen Fall zu kurz. Wir fahren jedes Jahr auf ein Hüttenwochenende oder gehen nach der Probe noch zum Eisessen“, erklärt Eichenseer.

Ein weiterer Vorteil am Spielmannszug ist, laut Eichenseer, dass man nicht einen ganzen Nachmittag im Festzelt spielen müsse: „Wir sind meist nur bei den Festzügen dabei“, erklärt er. Auch in der nächsten Zeit steht beim Spielmannszug einiges an: „Am Bürgerfest haben wir wieder unseren Stand, wo wir Spanferkel und unsere Spezialität Tornadokartoffeln verkaufen“, blickt Eichenseer voraus. Zudem begleiten die Spielleute den Primiz-Festzug am 3. Juli. Eichenseer hofft, dass das Spielmannswesen lange erhalten bleibt. „Da hängt einfach so viel Tradition dran. Wir sind wirklich für jede Verstärkung dankbar“, so der engagierte Vorstand. „Wer Interesse hat, bei uns mitzumachen, kann jederzeit bei einer Probe vorbeischauen“, informiert Karl Eichenseer. Diese finden immer am Dienstag um 19 Uhr statt.

Weitere Informationen gibt es auch auf der Internetseite www.spielmannszug-hemau.de oder unter der Telefonnummer (09491) 95 24 10.

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