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Autokauf

Eine Probefahrt kann teuer werden

Der Unfall mit einem 510-PS-Boliden und 70 000 Euro Schaden zeigt: Ohne Vereinbarung sollte sich niemand ans Steuer setzen.
Von Dietmar Krenz, MZ

Am Vorführwagen eines Regensburger Autohauses entstand bei einer Probefahrt auf der A3 bei Nittendorf 70 000 Euro Sachschaden. Foto: FF Undorf
Am Vorführwagen eines Regensburger Autohauses entstand bei einer Probefahrt auf der A3 bei Nittendorf 70 000 Euro Sachschaden. Foto: FF Undorf

Hemau.„Bei Probefahrt: 510-PS-Wagen verunglückt“ – diese Schlagzeile in der Online-Ausgabe der Mittelbayerischen Zeitung ließ viele aufhorchen. Um diese Zeit herrscht bekanntlich Hochsaison auf dem Automarkt. Schnell noch im Winter seinen Gebrauchten loswerden und das Jahr 2018 mit einem neuen fahrbaren Untersatz erobern.

Was oft nur eine Spritztour werden soll, endete im aktuellen Fall mit einer Karambolage, bei der, Gott sei Dank, niemand verletzt wurde. Laut Polizei hatte der 23 Jahre alte Mann die Kontrolle über den Vorführwagen eines Regensburger Autohaus verloren. Der heckgetriebene Sportwagen rutschte bei der Einfahrt auf die Autobahn auf die durchgehende Fahrbahn und stieß gegen den Auflieger eines vorbeifahrenden slowakischen Sattelzuges.

70 000 Euro Sachschaden

Von dort wurde das Fahrzeug weggeschleudert und prallte gegen die Leitplanke. Letztendlich kam der Alfa total beschädigt entgegen der Fahrtrichtung zum Stehen. Der Vorführwagen wurde zerstört – Totalschaden in einer Höhe von 70 000 Euro.

Solch ein Fall ist für Gerhard Vasold vom gleichnamigen Autohaus in Hemau undenkbar. „Ich würde meine Kunden mit solch einem Sportwagen nicht alleine auf Probefahrt schicken“, teilt er mit. Sollte sich herausstellen, dass der Probefahrer keine Fahrpraxis hat oder es nicht gewöhnt ist, mit solch einem Wagen umzugehen, kann er die Fahrt schnell abbrechen. Der etwaige Ärger im Schadensfall mit der Versicherung würde nervenaufreibender werden als die Aussicht auf einen Verkauf des Fahrzeugs. Zumal ein Verkauf nach einem Crash sowieso nicht mehr zustande kommt. Grundsätzlich rät Gerhard Vasold, an der Probefahrt teilzunehmen.

Stefan Dorner (ADAC) gibt Tipps, um das Risiko bei Probefahrten zu minimieren. Foto: Frederico Pedrotti
Stefan Dorner (ADAC) gibt Tipps, um das Risiko bei Probefahrten zu minimieren. Foto: Frederico Pedrotti

Im Ford-Autohaus in Hemau wird dies ähnlich gehandhabt. Dennoch kommt es immer wieder zu Ausnahmen. „Wenn ein langjähriger Kunde ein neues Modell testen will, darf er schon mal alleine seine Runden drehen“, erzählt Rosemarie Pollinger auf Nachfrage. Allerdings zumeist erst, wenn er eine Probefahrtvereinbarung unterschrieben hat.

Bei fremden Kunden kopiert das Verkaufspersonal den Führerschein und als Sicherheit bleibt der Ausweis im Autohaus. Eine Rolle spielt dabei immer, ob ein tatsächliches Kaufinteresse vorliegt. „Wenn der Kunde nur eine Spritztour machen möchte, fährt grundsätzlich jemand mit.“ Wie aber ist dies erkennbar? „Das kommt auf die Situation und Menschenkenntnis des Verkäufers an“, sagt Pollinger.

„Probefahrten sind natürlich der beste Weg, ein Auto kennenzulernen“, teilt BMW-Händler Christian Praller junior mit. Deshalb wird es für ein Autohaus stets eine Abwägungssache bleiben, ob jemand allein oder mit dem Verkäufer auf Testfahrt geht. Man könne solch eine Fahrt ja auch als erweitertes Verkaufsgespräch nutzen. „Unser Personal ist geschult und prüft gewisse Kriterien ab.“ Nach Vorgespräch und dem Unterzeichnen von Benutzungsverträgen sind Probefahrten im Autohaus Deuerling kein Problem – wenngleich immer auch das Risiko mitfährt.

Auch bei der Probefahrt gibt es eine ganze Menge zu beachten, damit es im Falle eines Unfalls nicht kostspielig wird.  Foto: Silvia Marks/dpa
Auch bei der Probefahrt gibt es eine ganze Menge zu beachten, damit es im Falle eines Unfalls nicht kostspielig wird. Foto: Silvia Marks/dpa

Nicht nur in den Autohäusern bereiten Probefahrten Kopfzerbrechen. „Auf was muss ich achten“, fragen sich viele beim Gebrauchtwagenverkauf von privat an privat. Denn niemand kauft gerne die Katze im Sack, und es bleibt ein unsicheres Gefühl, wenn man einem potenziellen Käufer ans Steuer seines Gebrauchten lässt.

Mustervereinbarung des ADAC

Der ADAC stellt deshalb eine Mustervereinbarung über die Probefahrt mit einem gebrauchten Fahrzeug auf der Homepage zur Verfügung. Damit kann jeder mit dem Testfahrer rechtliche Absprachen zur Haftung während der Probefahrt festlegen. „Denn bei der Beschädigung eines Wagens während der Probefahrt besteht ein erhebliches finanzielles Risiko. Grundsätzlich haftet der Probefahrer für alle verschuldeten Schäden“, teilt Stefan Dorner vom ADAC Südbayern auf Anfrage mit.

Deshalb sollte vor Beginn der Fahrt geklärt werden, wie das Fahrzeug versichert ist, wer im Schadensfall die Haftung für Schäden übernehmen muss bzw. wer die Kosten der Selbstbeteiligung und den Rückstufungsschaden tragen muss.

Bei grob fahrlässigem Verhalten (z.B. stark überhöhter Geschwindigkeit, Bremsprobe auf viel befahrener Straße oder Überfahren einer roten Ampel) haftet laut den ADAC-Experten der Probefahrer selbst dann, wenn eine Vollkaskoversicherung besteht. Denn in diesen Fällen wird die Versicherung von ihrer Verpflichtung zur Leistung frei. Dank dreier Regeln ist man als Verkäufer auf der sicheren Seite: Ohne schriftliche Vereinbarung – niemals eine Probefahrt! Stets den Führerschein zeigen lassen und den Pass als Pfand behalten oder mitfahren.

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Vereinbarung ausfüllen

  • Als Verkäufer:

    Die Probefahrtvereinbarung ausfüllen und eventuelle Vorschäden festhalten. Den gültigen Pass und Führerschein zeigen lassen. Darauf achten, dass der Käufer während der Probefahrt nicht über die Police des Verkäufers mitversichert ist. Bei einem Unfall oder Schaden, haftet dieser dann nur bis zur Obergrenze der Selbstbeteiligung.

  • Abschluss:

    Zulassungspapiere erst nach dem endgültigen Kaufabschluss aushändigen. Den Interessenten nicht allein auf Tour gehen lassen.

  • Als Käufer:

    Das Gefährt muss verkehrstauglich und zugelassen sein. Ist das Fahrzeug nicht angemeldet, keinesfalls im öffentlichen Straßenverkehr bewegen. Das Fahrzeug auf Mängel untersuchen und diese in der Probefahrtvereinbarung eintragen.

  • Autohändler:

    Wer ein Auto beim Händler für eine Testfahrt ausprobieren möchte, muss in der Regel eine Probefahrtvereinbarung unterzeichnen. Diese beinhaltet zumeist eine hohe Selbstbeteiligung. Im Schadensfall wird diese fällig. (wd)

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