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Dienstag, 19. Juni 2018 26° 3

Schädling

Eine Raupe macht Probleme

Der Eichenprozessionsspinner macht auch vor dem Raum Regensburg nicht halt. Die Härchen der Raupen verursachen Allergien.
Von Angelika Lukesch

Die große Eiche neben der Watzlik-Kapelle bei Tremmelhausen ist vom Eichenprozessionsspinner befallen. Foto: Ernst Waller
Die große Eiche neben der Watzlik-Kapelle bei Tremmelhausen ist vom Eichenprozessionsspinner befallen. Foto: Ernst Waller

Landkreis.Der Eichenprozessionsspinner macht sich im Landkreis breit. Erfuhr man im letzten Jahr nur von vereinzeltem Befall von Eichen mit diesem Schmetterling, respektive mit seinen Raupen, so hat sich in diesem Jahr die Zahl der befallenen Bäume erhöht. Der Eichenprozessionsspinner tauchte vor zwei Jahren erstmals im Landkreis auf. Mittlerweile ist er im ganzen Landkreis zu finden. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners besitzen sogenannte Brennhaare. Diese Brennhaare besitzen Widerhaken, sind hohl und enthalten das Gift Thaumetopoein, das bei Menschen auf Haut und Schleimhäuten zum Teil heftige Reaktionen auslöst. Man spricht dann von einer Raupendermatitis.

Härchen sind giftig

Die Lage der Watzlik-Kapelle im Überblick. Grafik: MZ-Infografik
Die Lage der Watzlik-Kapelle im Überblick. Grafik: MZ-Infografik

Neben der Watzlik-Kapelle bei Tremmelhausen steht eine große Eiche, die im letzten Jahr vom Eichenprozessionsspinner befallen wurde. Die Gemeinde Pettendorf ließ im Oktober Warnschilder aufstellen, unternahm aber weiter nichts, da es sich um den Außenbereich und eine nicht von Menschen stark frequentierte Stelle handelt. Die Schilder stehen heute noch dort, denn die giftigen Härchen des Eichenprozessionsspinners sind immer noch am Baum und in dessen Umfeld (Wiese) zu finden, erklärt Gerold Meyer, verantwortlich für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Gemeinde Pettendorf. Er ist sich sicher, dass sich der Schädling im Landkreis noch weiter ausbreiten wird.

Der Eichenprozessionsspinner kommt in Zentral- und Südeuropa und in den Balkanstaaten vor. In Bayern ist er vor allem in Unter- und Mittelfranken und im westlichen Oberfranken stark verbreitet. In Pentling wurde der Schädling heuer zum ersten Mal entdeckt. Beim Zugang zum Pentlinger Friedhof sei ein Baum befallen und auch weitere in zweiter und dritter Reihe, berichtet Bürgermeisterin Barbara Wilhelm. „Es war für uns ein ziemlicher Schrecken! Wir werden den Eichenprozessionsspinner auf jeden Fall entlang des Weges zum Friedhof bekämpfen. Warnhinweise haben wir schon aufgestellt“, sagt Wilhelm.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schaden Bäumen mit ihrem Appetit auf Blätter. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schaden Bäumen mit ihrem Appetit auf Blätter. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Auch Hemau kämpft mit dem Eichenprozessionsspinner. „Bei uns sind einige Bäume befallen, aber es hält sich in Grenzen. Warnschilder werden auf jeden Fall aufgestellt. In Bereichen, in denen viele Menschen unterwegs sind, werden wir eventuell eine Spezialfirma mit der Entfernung der Raupen und deren Nester beauftragen. Die extremste Möglichkeit ist natürlich, den Baum zu fällen. Wir sind im Moment dabei, die Mittel abzuwägen“, sagt Geschäftsleiter Josef Wismüller zur aktuellen Situation.

Auch der Landkreis ist aktuell mit dem Eichenprozessionsspinner stark befasst, da der Schädling sich derzeit im dritten Larvenstadium befindet und jetzt am besten bekämpft werden kann. Befallene Eichen stehen zum Beispiel an der R 15 entlang von Hainsacker. Die Mitarbeiter des Landkreises flammen die Nester und die Prozessionsstraßen mit einem Gasbrenner ab. Die Männer tragen dabei einen Schutzanzug (Ganzkörperanzug), Schutzbrille und -Handschuhe und vermeiden jeglichen Hautkontakt. Abgeflammt wird dabei immer mit dem Wind, nie gegen den Wind, Glutnester am Boden werden sofort ausgelöscht. Auf diese Weise will der Landkreis den Befall an frequentierten Wegen und Plätzen im Zaum halten. Im Markt Lappersdorf ist Bauhofleiter Andreas Summer mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Der Eichenprozessionsspinner ist 2017 erstmals in Lappersdorf aufgetaucht. Der Markt hat die Entfernung der Raupen in die Hände einer Firma gegeben, die die Schädlinge absaugt. Auch die Gemeinde Sinzing nimmt fremde Hilfe in Anspruch. Die Firma Angermeier aus Nürnberg ist auf die Bekämpfung dieses Insekts spezialisiert.

Spielplätze gesperrt

Andreas Nutz, Gemeindeverwaltung Sinzing, erklärt, dass in Sinzing drei Spielplätze gesperrt worden seien, da sie im Bereich von befallenen Eichen lägen. Bereits am Dienstag hat die Firma Angermeier die befallenen Eichen abgesaugt und die Larven des Eichenprozessionsspinners entfernt. Dennoch, sagt Nutz, blieben die Spielplätze noch einige Tage gesperrt. Die betreffenden Bäume wurden mit einem roten E oder einem Warnschild gekennzeichnet. Auch im Walderlebniszentrum und an einem Parkplatz bei Eilsbrunn sind einzelne Eichen von dem Schädling befallen. Warnhinweise wurden angebracht.

„Das ist wie eine Zecke. Es ist ein unangenehmes Tier, aber man muss damit leben.“

Andreas Summer, Bauhofleiter in Lappersdorf

Der Landkreis warnt jedoch vor Panik. Dem Gesundheitsamt der Stadt und des Landkreises Regensburg sind bislang keine Fälle bekannt, bei denen Menschen in Stadt und Landkreis Regensburg in Berührung mit dem Eichenprozessionsspinner gekommen seien. „Der Lappersdorfer Bauhofleiter Andreas Summer sieht die Lage eher philosophisch: „Ich denke mir, das ist wie eine Zecke. Es ist ein unangenehmes Tier, aber man muss damit leben.“

Die Watzlik-Kapelle

  • Standort:

    Bei Tremmelhausen auf den Winzerer Höhen über der Stadt Regensburg steht die Watzlik-Kapelle. Sie ist mit der charakteristischen Eiche zusammen vor allem bei Spaziergängern und Radfahrern im gesamten Landkreis-Gebiet bekannt.

  • Gemeinde:

    Die Kapelle liegt auf Gemeinde-Gebiet von Pettendorf und ist nur über Wanderwege zu erreichen. Wenige Meter entfernt von dem Kirchlein verläuft die Grenze der Stadt Regensburg. Auch der Markt Lappersdorf ist nur unweit entfernt.

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Experte Torsten Mierswa erklärt im Interview, warum man vor dem Eichenprozessionsspinner keine Angst haben muss.

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