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Ochsentour

Er kennt nur ein Hobby: Kabarett

Seit Jahren tingelt Wolfgang Klamm aus Hemau über die Bayerischen Kleinkunstbühnen. Jetzt langsam fasst er Fuß.
Von Heiner Stöcker

Wolfgang Wuffi Kamm war beim Interview entspannt und gut gelaunt. Foto: Stöcker
Wolfgang Wuffi Kamm war beim Interview entspannt und gut gelaunt. Foto: Stöcker

Hemau.Er war 16 Jahre alt. Mit vier Kumpels ging er bei einer Dorf-Feuerwehr auf die Bühne. Zum ersten Mal. „Und wir hatten Spaß“, sagt Wolfgang Kamm. Das ist 35 Jahre her. Sein Gitarrenspiel ist inzwischen besser, dafür sind die Haare weniger geworden. Aber auf die Bühne geht er immer noch – aus Leidenschaft.

Inzwischen ist er nicht mehr als reiner Musiker unterwegs. „Wuffi“ macht „Mundart-Pop-Kabarett“. Mit Erfolg: Im vergangenen Jahr hat er den Oberpfälzer Kabarett-Preis von Lizzy Aumeier überreicht bekommen. Und seit April hat der Hallertauer Kleinkunst-Preis einen Ehrenplatz im Regal.

„Das war total surreal. Wolfgang Krebs hat moderiert, ich hatte meine 20 Minuten auf der Bühne und dachte bei mir – bei vier Teilnehmern hast Du die 200 Euro für den vierten Platz sicher. Passt scho.“ Und dann die Preisverleihung: Einer nach dem anderen zogen Comedian Boris Stijelja, Kleinkunstikone Franziska Wanninger und zuletzt Poetry Slammer Christian Bumeder alias Bumillo an Kamm vorbei auf die Bühne. „Und auf einmal hatte ich gewonnen – ich kann das immer noch nicht so richtig glauben.“

Der Hallertauer Kleinkunst-Preis hat in der Szene und bei Kennern Gewicht. Dutzende scheitern jedes Jahr an der Bewerbung und werden nicht eingeladen. Am Abend selbst bewertet eine Fach-Jury die Kandidaten. Aber am wichtigsten sind Name und Ruf, um überhaupt eine Einladung und damit die Chance zu bekommen.

„Wenn Du Auftritte haben willst, dann musst Du bekannt sein“, sagt Kamm. Und das war er lange nicht. Dabei hat er in den vergangenen Jahren alles getan, um das zu ändern. Zwei Stunden Anfahrt zu einem kurzen Auftritt in einer Reihe mit vier, fünf anderen Künstlern. Dann zwei Stunden Heimfahrt – „und das alles für eine Gage von 50 Euro“. Es ist hart. Es ist ein Draufzahlgeschäft. Aber Kamm macht es trotzdem. Zum einen hofft er auf den Durchbruch. Zum anderen „habe ich keine anderen Hobbys.“

Wolfgang "Wuffi" Kamm singt über Fleischeslust

Aus dem Nichts

„Mich erstaunen Künstler, wie Harry G.“ Der Regensburger Markus Stoll ist 2013 aus dem Nichts aufgetaucht, ging auf YouTube mit seinen Videos viral und füllt heute den Zirkus Krone in München genauso, wie das Zeltfestival in Lappersdorf oder das Globe in Wien. „Der ist ja inzwischen omnipräsent – in Radio, Film und Fernsehen. Kleine Jobs für 50 Euro spielt er wohl nicht.“

Wolfgang Kamm hat kein Problem, vor kleinem Publikum aufzutreten. Wohl aber die Veranstalter. „Der Manager einer Regensburger Bühne hat mal zu mir gesagt: ‚Wuffi, jetzt lass ma des! Dich kennt ja keiner, da verdiene ich nichts.‘“ Sowas nagt an der Künstlerseele. „Aber die Preise haben mir da inzwischen einen ordentlichen Schub Selbstvertrauen und Bestätigung gegeben. Das war wichtig für mich.“

Wolfgang Wuffi Kamm im Bühnenoutfit mit grünem Hemd. Foto Petra Rummel
Wolfgang Wuffi Kamm im Bühnenoutfit mit grünem Hemd. Foto Petra Rummel

Trotzdem: „Es ist gut, dass ich nicht von meinen Auftritten leben muss.“ Hauptberuflich arbeitet der Hemauer in der Verwaltung eines Regensburger Krankenhauses. Und auf die Bühne treibt Wuffi „der blanke Geltungsdrang. Nein, im Ernst: Beim ersten Auftritt hat mein 16-jähriges Ich gemerkt, ich mach‘ was, das mir Spaß macht – und damit kann man auch noch Geld verdienen.“ Auch wenn das mehr sein könnte.

Ein Leben ohne Bühne kann sich Kamm genauso wenig vorstellen, wie ein Leben ohne seinen dreijährigen Sohn oder seine Petra. Seine Frau hält ihm den Rücken frei und treibt ihn an. Zum Beispiel wenn Kamm bis spät in die Nacht Auftritts-Anfragen verschickt hat. „Dann ist sie es, die mir Gas gibt, dass ich hinterhertelefoniere und dran bleibe.“

Lange Strecken für ein paar Euro

Und langsam greift die Ochsentour. Anfang Februar hatte Kamm nur eine handvoll Termine für 2018 im Kalender. „Inzwischen sind es um die 30. Das ist ganz in Ordnung. Aber es könnten gerne auch noch mehr sein.“ Am Pfingstsamstag hat Wuffi nach Jahren des Anfragens im Schlachthof in München spielen dürfen. „Und in der Nacht zum Mittwoch kam von denen der Vertrag für zwei weitere Auftritte in 2019.“ Die Krux ist für ihn oft die Fahrerei. „Wenn ich in Landshut oder München wohnen würde, wär’s nicht so schlimm. Aber wir sind hier zuhause und fühlen uns wohl. Außerdem muss man sich München auch erstmal leisten können.“

Seine Themen findet Kamm im Alltag und in den Menschen um sich herum. Aber manchmal auch aus Zufall. In der BR-Produktion „Bäcker braucht Frau“ aus der Feder von Jürgen Kirner spielte er im Februar den indischen Pfarrer im Ensemble des Tangrintler Volkstheaters.

Wolfgang Klamm als indischer Pfarrer:

In einer Umbaupause sollte Kamm die acht Minuten fürs Publikum überbrücken. „Da bin ich spontan vor den Vorhang gegangen, und hab‘ eine ältere Nummer von mir quasi mit dem indischen Pfarrer verheiratet. Das ist nie gesendet worden – aber diese Nummer über das ‚iCross 4‘ mit integrierter Buß-App habe ich jetzt fest im Programm.“

In seiner neuen Bühnenshow beschäftigt sich Kamm mit seiner Ochsentour. „Di kennt ja koana“ ist der Titel. „Das ist der Satz, den ich in den vergangenen Jahren am häufigsten gehört habe.“ Natürlich hofft Wuffi, dass er damit beim Publikum ankommt. „Aber ich mache auch so weiter – solange es mir Spaß macht.“

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