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Einsatz

Erst der Sport, dann die Polizei

Eva Wagner überbrückt die Zeit bis zum Traumjob. Sie absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der SG Hohenschambach.
Von Dietmar Krenz

SGH-Vorsitzender Florian Meyer (links) freut sich mit FSJ-betruer Roland Knörschild über das Engagement von Eva Wagner. Foto: Krenz
SGH-Vorsitzender Florian Meyer (links) freut sich mit FSJ-betruer Roland Knörschild über das Engagement von Eva Wagner. Foto: Krenz

Hohenschambach.Was macht Frau, wenn sie nach dem Abitur für ihren Traumjob bei der Polizei nicht sofort zum Zug kommt? Der Möglichkeiten gibt es viele. Eva Wagner hat sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Sportgruppe Hohenschambach entschieden. „Es ist die perfekte Kombination“, begründet die 18-Jährige ihre Entscheidung. „Man kann sich sozial engagieren und für sich selbst etwas tun.“

Die Abiturientin aus Laufenthal kann hier ihrem Hobby, dem Fußballspiel, weiter frönen. Seit Jahren jagt sie dem runden Leder hinterher, bei der Spielgemeinschaft Eichlberg/Hohenschambach/Lupburg ist sie in der Kreisliga aktiv. Beruflich will die sympathische junge Dame auf jeden Fall bei der Polizei Karriere machen und auch weiterhin in ihrer Freizeit dem Sport verbunden bleiben.

Dem Sport weiter treu bleiben

Dass es mit dem FSJ bei der SG Hohenschambach geklappt hat, war reiner Zufall. Ihre Tante, selbst bei der Sportgruppe aktiv, fragte nach, ob sie nicht die Zeit beim Sportverein überbrücken wolle. Gesagt, getan. Und seitdem gehört die 18-Jährige fast schon zum Inventar. „Es war eine gute Entscheidung“, erzählt sie offen. Denn die Möglichkeit, dem Sport auch nach Abschluss der Schule treu zu bleiben, war Wagner ebenso wichtig wie der Umgang mit dem Nachwuchs. Sie trainiert und betreut seit September 2017 die E-Jugend der Sportgruppe und legt damit den Grundstein für die fußballerische Karriere der Kleinen.

„Man kann sich sozial engagieren und für sich selbst etwas tun.“

Eva Wagner, FSJlerin bei der SG Hohenschambach

„Für uns stand schon früh fest, dass sie unsere Kandidatin ist“, sagt Roland Knörschild, der sie von Vereinsseite aus betreut. „Sie ist fleißig und gewissenhaft und hat den Umgang mit Kindern im Blut“, lobt er. Auch die Rückmeldungen von den Einsatzstellen seien durchweg positiv. „Wir hören aus der Hemauer Grundschule nur Positives.“ Die Hälfte ihrer 38,5 Stunden pro Woche ist Wagner dort tätig, bringt den Schülern den Sport näher oder versucht, die Freude an der Bewegung zu wecken. Auch Hausaufgabenbetreuung steht auf ihrer Agenda, eingesetzt wird die FSJlerin überall dort, wo Not am Mann ist.

Fundierte Ausbildung

Nachmittags leitet Eva Wagner zwei Turngruppen im alten Hohenschambacher Schulhaus, aber auch im Jugendbistro ist sie hinter der Theke zu finden. „Arbeiten gibt es im Sportverein mehr als genug“, ergänzt Vorsitzender Florian Meyer, deshalb ist Eva Wagner auch im Verwaltungs- und EDV-Bereich tätig. Seit ihrem Engagement darf sie auch an den Vereinsbeiratssitzungen teilnehmen. Das Orientierungsjahr – es läuft noch bis Ende August – hat sie persönlich weitergebracht, erzählt sie offen.

Für Roland Knörschild ist das FSJ im Sportverein Fußball eine tolle Sache. „Die jungen Leute erhalten eine fundierte Ausbildung“, sagt er. Die Ausbildung zum Übungsleiter (allgemein) mit zwei Seminaren war ein Höhepunkt in bisherigen Freiwilligen Sozialen Jahren, erwähnt er. Denn schließlich stehen der jungen Dame 25 Bildungstage zu. Sie erhofft sich, „wichtige Erfahrungen im Umgang mit Menschen, auch im Hinblick auf ihre Berufswahl, zu sammeln. Der Vorsitzende der SGH, Florian Meyer, ist heilfroh, solch eine engagierte Mitarbeiterin im Ehrenamt gefunden zu haben. Meyer sieht eine Win-win-Situation für beide Parteien: „Die Arbeit von Eva bringt unserem Verein und dem Nachwuchs etwas und sicherlich auch ihr selbst, da der Umgang mit Kindern und Jugendlichen immer gut für die Persönlichkeitsentwicklung ist. Zudem hat sich bei vielen unserer bisherigen FSJler gezeigt, dass dieses Orientierungsjahr auch auf die Berufswahl Auswirkungen haben kann.“

Pioniertätigkeit der SGH

Dies kann Detlef Staude nur bestätigen. Der Vorsitzende der Bayerischen Sportjugend im Kreis Regensburg listet eine Vielzahl von Gründen auf, die für solch ein Überbrückungsjahr sprechen: Die FSJler haben die Chance, ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln, die Gemeinschaft mit Menschen zu erfahren, die Gesellschaft mitzugestalten und sich beruflich zu orientieren.

Leider ist laut seinem Kenntnisstand die Oberpfalz der Regierungsbezirk in Bayern, in dem das Angebot am wenigsten angenommen wird. Denn solch ein Unterfangen habe auch seine Tücken. Den kleinen und ländlichen Vereinen bereiten die Finanzierung und Personalverwaltung Probleme. Die Sportgruppe Hohenschambach übernimmt laut Staude im Bereich des FSJ seit Jahren im Landkreis Regensburg Pioniertätigkeit. Bereits zum siebten Mal ist ein FSJler angestellt.

„Bisher hatten wir nur Glücksfälle“, bilanziert Florian Meyer. Alle FSJler betrieben Imagewerbung für den Verein. Auch für die 2018/19 sucht die SG Hohenschambach noch Bewerber im Alter von 18 bis 27 Jahren. Anmeldungen nimmt Meyer oder Claudia Müller von der Vereinsverwaltung unter der Telefon (0 94 91) 95 20 682 entgegen (mail@sg-hohenschambach.de).

Eva Wagner kann allen Jugendlichen nur raten, solch ein Orientierungsjahr zu absolvieren. Sie möchte die Erfahrungen nicht missen und würde solch ein Freiwilliges Soziales Jahr auf alle Fälle wieder machen.

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Freiwilligendienst

  • Bildungsjahr:

    Das Freiwillige Soziale Jahr ist ein soziales Bildungsjahr für junge Menschen. Es ist jedoch kein Ausbildungs- und kein Arbeitsverhältnis. Das FSJ bietet den Teilnehmern, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt, aber das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, die Chance, als Freiwillige etwas für sich und andere Menschen zu tun.

  • Orientierung:

    Das Freiwillige Soziale Jahr dauert in der Regel zwölf Monate und beginnt heuer Ende August 2018. Die Mindestdauer beträgt sechs Monate, die Höchstdauer beträgt 18 Monate.

  • Einsatz:

    Das FSJ wird ganztägig als überwiegend praktische Hilfstätigkeit in gemeinwohlorientierten Einrichtungen geleistet. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 38,5 Stunden und es gibt 26 Urlaubstage im Jahr. Dazu mindestens 25 Bildungstage mit der Möglichkeit zur Übungsleiterausbildung. Die Sozial-, Kranken-, Arbeitslosen- Unfall- und Haftpflichtversicherung ist inklusive. Auch besteht für die Eltern Anspruch auf Kindergeld.

  • Förderung:

    Durch die praktische Mithilfe in den Einsatzstellen und die pädagogische Begleitung bietet das FSJ den Freiwilligen die Gelegenheit, verantwortungsvolles, soziales Handeln einzuüben; Einblicke in gesellschaftliche, soziale und interkulturelle Zusammenhänge zu erhalten; die Förderung des Engagements im sozialen Bereich zu erfahren; die Persönlichkeit zu entfalten und eigene Wertvorstellungen zu überprüfen.

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