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Politik

Ex-Bürgermeister macht Platz für Jüngere

Marktrat Georg Thaler legt am 30. Juni sein Amt nieder. Damit endet auch sein Kampf mit der Rathausspitze in Beratzhausen.
von Ingrid Kroboth

2007 war Georg Thaler Bürgermeister von Beratzhausen. Foto: Kroboth
2007 war Georg Thaler Bürgermeister von Beratzhausen. Foto: Kroboth

Beratzhausen.Die Altgedienten ziehen sich aus dem Marktgemeinderat zurück, machen Platz für die Jungen. Konkret zu diesem Schritt erinnert sich Georg Thaler an einen Spruch von Michael Eibl senior: „Irgendwann sagen die Jungen, was will denn der alte Depp no?“ Aber so weit will Thaler es nicht kommen lassen: „Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist“, sagt er und weist auf seinen 70. Geburtstag im kommenden Jahr hin.

Davor will er „den Jüngeren eine Chance geben, und nicht nur davon reden, sondern wirklich Platz machen“. Und den schafft er zeitgleich mit seinem langjährigen Ratskollegen Michael Eibl (die MZ berichtete). Aber nicht, wie es in der Einladung zur nächsten Marktratssitzung am Donnerstag steht: Rücktritt zum 30.06.2017. „Das ist wohl ein freud’scher Verschreiber“, mutmaßt Georg Thaler – „das hätte Bürgermeister Konrad Meier wohl gerne gehabt“.

Die Rathausspitze ist für Thaler allerdings schon auch ein Grund seines Rückzugs – und das nach insgesamt 28 Jahren ehrenamtlichen Engagements zum Wohl der Gemeinde. 1984 war Georg Thaler erstmals für die Sozialdemokraten in den Beratzhausener Marktrat gewählt worden. 1990 und 1996 kandidierte er für das Bürgermeisteramt gegen den damals amtierenden Hermann Laßleben (CSU).

Thaler wurde Bürgermeister

Erst als dieser sich 2002 zurückzog, gewann Thaler die Wahl gegen den mittlerweile verstorbenen Josef Hauser. Thaler übernahm als Bürgermeister „eine Gemeinde am finanziellen Abgrund“. Eine seiner ersten Aufgaben war es deshalb, bei der Sparkasse eine Tilgungsstreckung zu beantragen, „damit wir wieder Luft hatten“. Als größte Erfolge seiner Amtszeit erinnert er sich an den Entwässerungsplan für eine zentrale Abwasserentsorgung im gesamten Gemeindegebiet, an die Dorferneuerung Pfraundorf, die unter Laßleben gestartet, aber unter seiner Führung deutlich erweitert worden war: „So eine Chance muss man nutzen, die bekommt man nur alle 50 Jahre.“

Vier Höhepunkte in Thalers Karriere

  • Freunde:

    Die Städtepartnerschaft mit Ceyrat hat Georg Thaler und seiner Familie viele private Kontakte beschert. Zum Jubiläum trafen sich Altbürgermeister Franz-Xaver Staudigl und Ceyrats Gemeindeoberhaupt.

  • Auszeichnung:

    Bürgermeister Georg Thaler gratulierte 2002 seiner „guten Seele“ im Vorzimmer, Inge Molle, zu 40 Dienstjahren im Beratzhausener Rathaus – 22 davon unter Franz-Xaver Staudigl, 18 Jahre unter Hermann Laßleben.

  • Gast:

    Franz Müntefering war während Thalers Bürgermeister-Amtszeit zum politischen Frühschoppen ins Volksfestzelt von Beratzhausen gekommen. Danach trug er sich in das Goldene Buch des Marktes ein.

  • Konflikt:

    Eines der Dauerthemen in Beratzhausen schon zu Thalers Zeiten: die inzwischen großzügig umgebaute Bahnunterführung von der Bahnhofstraße zum Oberndorf, hier mit der damaligen MdB Maria Eichhorn.

Als erste Gemeinde im Landkreis war Beratzhausen der Teilnehmergemeinschaft für einen Radweg beigetreten – und ist zwischenzeitlich „eingeschlafen“. Aber auch schwere Zeiten waren zu überstehen, wie etwa die 3,2-Millionen-Investition zum Rückkauf der Grundstücke „Zehentberg V“ von der Bayerischen Landessiedlung. Dazu warnt Thaler vor der aktuellen Entwicklung: „Die Gemeinde überlässt es wieder Privatinvestoren, in Beratzhausen Baugebiete auszuweisen.“ Dabei seien in Eigeninitiative erschlossene Bauplätze „für eine Gemeinde die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen“.

Die Amtszeit Thalers als Bürgermeister dauerte nur sechs Jahre. Wenn sich bei den Leuten erst einmal Vorurteile aufbauten, habe man keine Chance mehr, weiß er aus bitterer Erfahrung. Da seien im Wahlkampf so Floskeln laut geworden, wie „der Thaler lässt sich auf dem Johann-Ehrl-Platz seinen Vorgarten herrichten“, oder „der Kanalbau wäre auch billiger möglich gewesen“.

Waren es vielleicht eher die Sparschritte und der Straßenbau am Zehentberg, die Thaler als Verlierer aus der Wahl 2008 gehen ließen? Damals war er gerade einmal 58 Jahre alt, also noch nicht ganz im Rentenalter. Doch der Freistaat stellte bei seinem „Oberamtsrat“ eine Dienstunfähigkeit fest. Anders der Markt Beratzhausen, wo das Ratsgremium ihn als durchaus dienstfähig einstufte. Mittlerweile war klar, dass Thaler beim staatlichen Bauamt in Regensburg hätte einsteigen können. Doch dann gewann er seine Klage gegen den Markt vor dem Verwaltungsgericht – und war fortan Pensionist. Sein Mandat im Marktrat hatte er damals abgelehnt „weil ich Abstand wahren und nicht besserwisserisch erscheinen wollte“.

Die Stichwahl verloren

Das änderte sich 2014, als er sich nochmals breitschlagen ließ und als Gegenkandidat zu seinem Nachfolger auf dem Bürgermeisterstuhl antrat. Etliche Leute seien an ihn herangetreten, erinnert sich Thaler: „Sie wollten für Meier einen Nachfolger, der sich ohne große Einarbeitungszeit hinsetzt und weiß, was zu tun ist.“ Das klappte nicht, Thaler verlor die Stichwahl, war aber diesmal bereit, sein Marktratsmandat anzutreten.

Die neue Zusammensetzung des Gremiums mit jungen Leuten, neuen Herausforderungen und Ideen hätten viele Chancen für Beratzhausen erwarten lassen – aber letztendlich sei daraus ein Dauerkampf mit der Rathausspitze geworden. Indes sei die Zusammenarbeit im Gremium „ausgesprochen gut“. Das Problem liege da schon eher bei Konrad Meier, „der als Bürgermeister in vielen Bereichen überfordert sei, zu viel repräsentiere und zu wenig arbeite“.

Als erste Nachrückerin für die SPD am Ratstisch wäre Isabella Ruff-Spangler gefordert – sie werde aber ablehnen, ist Thaler ziemlich sicher. Damit dürfte künftig die dreifache Mutter Birgit Guth, Diplom-Verwaltungs-Fachwirtin am Arbeits- und Sozialgericht, zum Gremium gehören.

Indes freut sich Georg Thaler auf sein Leben als Privatier mit Arbeit in Haus und Garten. Er will seinen Enkel beim Fußball anfeuern und mit seiner Frau Monika Rad- und Bergtouren unternehmen. Außerdem behält er sein Mandat als Kreisrat, will sich aber auch aus dem SPD-Kreisverband zurückziehen – und damit langsam aus dem politischen Leben.

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