MyMz
Anzeige

Gespräch

Flutpolder werden nun Chefsache

Eine Delegation aus dem Landkreis Regensburg trifft Horst Seehofer. Er soll einen Eindruck von der Betroffenheit bekommen.
Von Thomas Kreissl, MZ

Bei seiner Ankunft beim CSU-Bezirksparteitag im Juli in Barbing traf Ministerpräsident Horst Seehofer auf Demonstranten, die gegen die Errichtung von Poldern entlang der Donau im Landkreis Regensburg protestierten.
Bei seiner Ankunft beim CSU-Bezirksparteitag im Juli in Barbing traf Ministerpräsident Horst Seehofer auf Demonstranten, die gegen die Errichtung von Poldern entlang der Donau im Landkreis Regensburg protestierten. Archivfoto: dpa

Regensburg.Die geplanten Hochwasserpolder im Landkreis Regensburg werden jetzt zur Chefsache. Ministerpräsident Horst Seehofer wird sich am Dienstag um 15 Uhr in München mit einer Delegation aus dem Landkreis Regensburg treffen, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. Bei einer Demonstration der Interessengemeinschaft (IG) Flutpolder am Rande des Bezirksparteitags der CSU im Juli in Barbing hatte Seehofer das Gespräch dem IG-Sprecher Markus Hörner zugesagt. „Wir möchten dem Ministerpräsidenten dabei klarmachen, wo uns der Schuh drückt“, verdeutlichte Hörner im Vorfeld des Treffens.

Auf den Tisch gekommen sind die Sorgen und Ängste der Bevölkerung vor möglichen Flutpoldern im östlichen Landkreis vor allem bei den zurückliegenden Informationsveranstaltungen in der Region zu diesem Thema. Ein drängendes Problem war dabei immer wieder die Auswirkung der Polder auf die Grundwassersituation. „Wir haben den Eindruck, dass die Entscheidungen zu den Poldern am grünen Tisch fallen“, hatte Wörths stellvertretender Bürgermeister Josef Schütz bei einer dieser Veranstaltungen deutlich gemacht.

Flutpolder als „Allheilmittel“

Von dem Gespräch am Dienstag erhoffen sich die Polder-Gegner einen Schritt, um dies nach Möglichkeit zu verhindern. Dabei ist dem IG-Sprecher durchaus bewusst, dass sich Seehofer vor dem Gespräch von den Fachstellen in München wird informieren haben lassen. Hörner gibt sich keinen Illusionen darüber hin, in welche Richtung diese Informationen wohl gezielt haben: „Dass das Umweltministerium die Flutpolder wie eine Monstranz vor sich herträgt und als Allheilmittel sieht, ist kein Geheimnis.“ Doch der IG-Sprecher hofft, dass Seehofer trotzdem ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bürger zeigen wird.

„Denn wir sind gebrannte Kinder“, betont Hörner und meint damit vor allem die steigenden Grundwasserspiegel, mit denen die Donau-Anrainer im östlichen Landkreis zu kämpfen haben. Trotz gegenteiliger Aussagen der Fachleute sind sie davon überzeugt, dass der Donauausbau dafür verantwortlich ist. „Wir wollen nicht noch einmal die Spielwiese für ein Großprojekt der Wasserbauingenieure sein“, erklärt Hörner mit Blick auf die geplanten Flutpolder. Ihm geht es am Dienstag bei dem Treffen vor allem darum, dass der Ministerpräsident die Betroffenheit der Menschen im Landkreis Regensburg wahrnimmt und sich ein Bild von all den Befürchtungen macht, die im derzeit laufenden Dialogprozess immer wieder vorgebracht wurden. „Es gibt offene Flanken beim Thema Flutpolder, das wollen wir ihm vermitteln“, betont der IG-Sprecher.

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft haben grundsätzliche Bedenken gegen die Polder-Pläne. Denn Hörner sieht nach Abschluss des Donau-Ausbaus und der umfangreichen Hochwasserschutzmaßnahmen nur mehr ein geringes Restrisiko, das ein Großprojekt wie die Flutpolder nicht rechtfertige. Zudem zweifelt er daran, dass sie für ihre eigentliche Funktion, die Dämme zu stabilisieren, überhaupt nötig sind. Nach Ansicht der Interessengemeinschaft wird auf die vielen dezentralen Maßnahmen zum Hochwasserschutz viel zu wenig Wert gelegt. „Da werden nur die einzelnen Maßnahmen angeschaut, anstatt ihren Nutzen in der Summe zu betrachten“, erklärt Hörner.

Hier sieht sich der IG-Sprecher auf einer Linie mit Landrätin Tanja Schweiger, die der Landkreis-Delegation ebenso angehört wie die Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer sowie die Bürgermeister Heinz Kiechle aus Neutraubling und Hans Thiel aus Barbing. Denn auch die Landrätin setzt auf kleine dezentrale Lösungen anstelle des großen Rückhalts in der Fläche. „Jede Gemeinde muss im Hochwasserfall dafür sorgen, dass möglichst wenig Wasser in den großen Flüssen ankommt“, sagt Schweiger, die sich in die Front der Polder-Gegner einreiht. Die Grundwasserproblematik infolge des Donausbaus habe gezeigt, wie unbeherrschbar die gesamte Situation sei, argumentiert sie.

Grundsätzlich will die Landrätin bei dem Treffen heute den Vertretern der Interessengemeinschaft den Vortritt lassen und hofft darauf, dass sie in der Staatskanzlei ausreichend Raum bekommen, um ihre Position darzustellen. Vom Ministerpräsidenten wünscht sich Tanja Schweiger, dass er tatsächlich die Gelegenheit nutzt, um sich ein eigenes Bild der Lage zu machen. „Wir müssen weg von der ministeriellen Ebene und hin zu fundierten politischen Entscheidungen“, fordert sie.

Solidarbeitrag geleistet

Klar gegen den Bau von Flutpoldern positioniert sich auch die Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer, die in dem betroffenen Dorf Griesau in der Gemeinde Pfatter wohnt und die Problematik nach eigenen Angaben sehr gut kennt. Stierstorfer kommt es beim heutigen Gespräch darauf, an dass die Bürger ihre Situation darstellen können, abseits von allen Diskussionen um technische Details, Gutachten oder Untersuchungen. „Die Bürger im östlichen Landkreis Regensburg leben seit vielen Jahren mit den Folgen des Donauausbaus“, argumentiert die Abgeordnete. Dadurch hätten sie ihren Solidarbeitrag für den Hochwasserschutz in Bayern geleistet. Eine weitere Verschlechterung der Situation sei nicht hinnehmbar.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht