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Umwelt

Gailsbach bannt die Fluten

Der Hochwasserschutz für den kleinen Ort bei Hagelstadt kostet 2,6 Millionen Euro. Zum Spatenstich kam Ministerin Kaniber.
Von Christof Seidl

Vielleicht zehn Liter Erde wurden bei dem Spatenstich für den Hochwasserschutz in Gailsbach bewegt, vermutete die bayerische Agrarministerin Michaela Kaniber (5. von rechts). Das Volumen der drei Rückhaltebecken, die gebaut werden, ist um ein Vielfaches höher: 26 Millionen Liter Wasser. Foto: Seidl
Vielleicht zehn Liter Erde wurden bei dem Spatenstich für den Hochwasserschutz in Gailsbach bewegt, vermutete die bayerische Agrarministerin Michaela Kaniber (5. von rechts). Das Volumen der drei Rückhaltebecken, die gebaut werden, ist um ein Vielfaches höher: 26 Millionen Liter Wasser. Foto: Seidl

Gailsbach.Drei Regenrückhaltebecken, die Renaturierung des Gittinger Bachs und fünf Sedimentationsbecken: Mit einem Aufwand von 2,6 Millionen Euro will sich das kleine Dorf Gailsbach gegen Hochwasser schützen. Die Investition wird vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz (ALE) mit 1,7 Millionen Euro gefördert. Für die kleine Gemeinde Hagelstadt ist das Projekt trotzdem ein Kraftakt: Sie muss rund 900000 Euro schultern. Am Mittwoch starteten die Bauarbeiten offiziell mit einem Spatenstich, zu dem sogar die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) anreiste.

Der idyllische Ort bei Hagelstadt liegt in einer Senke – und genau das ist sein Problem. Bei Starkregen schießt das Wasser von den Hängen ins Dorf. Der Gittinger Bach, der sich sonst unscheinbar durch Gailsbach schlängelt, kann dann zusammen mit dem Moosgraben schnell bedrohlich werden.

Bach wurde zum reißenden Fluss

Eine Ausstellung zeigte Fotos von der Flut in Gailsbach im Jahr 2013. Foto: Seidl
Eine Ausstellung zeigte Fotos von der Flut in Gailsbach im Jahr 2013. Foto: Seidl

Am 31. Mai 2013, exakt fünf Jahre vor dem Spatenstich, verwandelte sich der Bach nach einem Platzregen in einen reißenden Fluss, wie sich der 2. Bürgermeister von Hagelstadt, Johann Rosenbeck, beim Spatenstich erinnerte. Diese Flut habe im Ort „eine Spur der Verwüstung hinterlassen“. Zum Glück lief damals in Gailsbach noch die Dorferneuerung. Die Teilnehmergemeinschaft beschloss unter dem Eindruck der Flut, einen Hochwasserschutz in die Dorferneuerung einzuarbeiten. Beim Amt für Ländliche Entwicklung stießen die Gailsbacher auf offene Ohren. Die Behörde entwickelte mit der Teilnehmergemeinschaft ein Hochwasserschutzkonzept, das zur Dorferneuerung passt. Rückhaltebecken, Bachverbreiterung oder die Umgestaltung des schmalen Gassls entlang des Bachs im Ort, all das wird naturnah umgesetzt, wie Josef Meier von Planungsbüro EBB vor Ort erklärte. Er hatte das Konzept in vielen Besprechungen mit der Teilnehmergemeinschaft entwickelt. Eines der drei Rückhaltebecken soll im Winter zur Eisfläche für Stockschützen werden und es soll an einem Weiher sogar einen kleinen Sandstrand geben. Dass dieses Konzept „nur“ einen Schutz gegen ein 30-jährliches Hochwasser bietet, nahm die Gailsbacher Bevölkerung gerne in Kauf.

Denn das kleine Dorf hätte schon 2009 einen Hochwasserschutz erhalten können. Allerdings in kompletter HQ-100-Ausführung. Das hätte massive Eingriffe im Ort bedeutet, ein Teil der bereits fertiggestellten Dorferneuerungsmaßnahmen hätte wieder rückgängig gemacht werden müssen. Es hätten massive Betonmauern errichtet werden müssen. Nachdem die zuständigen Behörden nur „alles oder nichts“ angeboten hätten, habe die Dorfgemeinschaft diesen massiven Hochwasserschutz abgelehnt, sagte der 2. Bürgermeister.

Kaniber lobt die Gailsbacher

Das idyllische Dorf liegt in einer leichten Senke. Foto: Jaumann
Das idyllische Dorf liegt in einer leichten Senke. Foto: Jaumann

Ministerin Kaniber betonte, das Phänomen Starkregen werde durch den Klimawandel zunehmen. Der Freistaat, die Gemeinden, der ländliche Raum: Alle müssten daher versuchen, das Nötige und Mögliche zu tun, um die Auswirkungen möglichst gering zu halten. Gailsbach und die Gemeinde Hagelstadt hätten ihre Chancen in der laufenden Dorferneuerung klug genutzt. Kaniber dankte den Grundeigentümern im Ort, die Flächen für die Schutzmaßnahmen abtreten. Das sei heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Das Projekt sei zudem ein gutes Stück interkommunale Zusammenarbeit, „denn Wasser mache nicht an Gemeindegrenzen halt“.

Diesen Aspekt griff Landrätin Tanja Schweiger (freie Wähler) gerne auf. Sie bezeichnete den Rückhalt von Niederschlagswasser in der Fläche als die beste Möglichkeit, Hochwasser zu verhindern. Sie sei begeistert von Programmen wie „boden:ständig“, mit dem das bayerische Landwirtschaftsministerium den Hochwasserschutz in der Fläche fördere. Schweiger: „Ich wünschte, dass wir viel mehr solcher Projekte umsetzen könnten.“

Ministerin Kaniber (links) lobte das Hochwasserschutzprojekt in Gailsbach. Landrätin Tanja Schweiger (rechts) sprach sich für deutlich mehr Hochwasserrückhalt in der Fläche aus. Foto: Seidl
Ministerin Kaniber (links) lobte das Hochwasserschutzprojekt in Gailsbach. Landrätin Tanja Schweiger (rechts) sprach sich für deutlich mehr Hochwasserrückhalt in der Fläche aus. Foto: Seidl

Die Landrätin verwies zugleich auf die vom Freistaat im Landkreis Regensburg geplanten Flutpolder an der Donau. „Sie sind für mich der falsche Weg“, stellte sie klar. Ein Lob spendete Schweiger dem Amt für Ländliche Entwicklung. Es begleite Hochwasserschutzprojekte im Raum Regensburg stets kompetent und engagiert. Die Gemeinde Hagelstadt hat in den vergangenen Jahren bereits den Hochwasserschutz für Langenerling verbessert. Derzeit laufen auch entsprechende Bauarbeiten in Hagelstadt selbst.

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