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Volksmusik

Große Bühne für den Zwiefachen in Hemau

Beim Aktionstag dreht sich alles um den bayerischen Volkstanz. Gesang, Musik und viel Wissenswertes sind im Angebot.
Von Dietmar Krenz

Alles rund um den beliebten Volkstanz gibt es beim Zwiefachen-Tag in Hemau. Fotos: Schmid/Krenz
Alles rund um den beliebten Volkstanz gibt es beim Zwiefachen-Tag in Hemau. Fotos: Schmid/Krenz

Hemau.Er ist der beliebteste bayerische Volkstanz: Seinen Namen verdankt der „Zwiefache“ dem Taktwechsel von Walzer und Dreher. Es gibt einfache und verzwickte Zwiefache, aber alle haben den Taktwechsel gemeinsam. Heute erlebt der Tanz, dessen erste schriftliche Erwähnung ins 18. Jahrhundert zurückgeht, eine erstaunliche Renaissance. „Wer den niat ko“, lautet das Motto eines ganzen Tages am Samstag 14. April 2018 in der Tangrintelstadt Hemau. Dabei geht es nur um die Oberpfalz und ihre Zwiefachen.

„So etwas in dieser Art hat es noch nicht gegeben“, sagte Tobias App, Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz, über in Veranstaltung. Die Idee dazu hatte Dr. Frieder Roßkopf, Leiter der Tann-grindler Musikanten. Den Volkstanz hat seine bayernweit bekannte Truppe schon immer im Repertoire, aber die Tatsache, dass der Zwiefache, seit Ende 2016 zum Bestand des immateriellen Kulturerbes der Bundesrepublik Deutschland gehört, war der Auslöser für die Aktion.

Singen, tanzen und musizieren

Roßkopf, Volksmusikant mit Leib und Seele, will mit damit den Zwiefachen entsprechend würdigen. So entstand die Idee zu einem Aktionstag mit Vorträgen, Workshops sowie Singen, Musizieren und Tanzen in den Hemauer Gaststätten und Wirtshäusern. „Es geht darum, den Zwiefachen als Oberpfälzer Kulturgut darzustellen.“

Die Kultur- und Heimatpflege im Bezirk Oberpfalz war begeistert und innerhalb kurzer Zeit entstand aus der Idee ein ausführliches Tagesprogramm mit hochkarätigen Referenten, informierte Appl beim Pressetermin. Als Mitveranstalter holte sich der Bezirk den Landkreis mit ins Boot.

Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer ergänzte das Tagesprogramm um weitere Punkte, so dass einem erfolgreichen Volksmusiktag nichts mehr im Wege steht. Als Mitveranstalter fungieren die Stadt Hemau und die Tann-grindler Musikanten. Der Tanz im Wechsel zwischen Dreivierteltakt (Walzer) und Zweivierteltakt (Dreher) wird nicht nur von unterschiedlichsten Seiten beleuchtet, sondern es wird getanzt, gesungen und gespielt.

Singstunde mit Schülern

In den Wochen vor dem großen Aktionstag wird der stellvertretende Bezirksheimatpfleger Hans Wax mit Hemauer Grundschülern Singstunden in Theorie und vor allem in der Praxis organisieren. Natürlich sind am 14. April auch Trachtler und Musikanten willkommen, die sich bei einzelnen Punkten aktiv einbringen können. Im Wesentlichen wendet sich „Wer den niat ko“ aber an Interessierte jeder Altersgruppe. „Wir wollen die gesamte Bevölkerung ansprechen“, teilt Appl mit. Die Teilnahme an allen Programmpunkten ist kostenlos, für die Workshops wird jedoch eine Anmeldung erbeten. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.zwiefachentag.de.

Der Startschuss beim Aktionstag fällt mit zwei Vorträgen im Sitzungssaal des Hemauer Zehentstadels. Ab 11.15 Uhr informiert Dr. Erich Sepp, Volksmusikberater beim Bayerischen Landesverein zum Thema „Die Zwiefachen – volksmusikalische Dauerbrenner und bayerische Exportschlager“. Ab 12.15 Uhr referiert Michael Roßkopf über „Bayerische Notenhandschriften und Sammlungen aus Hemau und Umgebung“. Angereichert werden die Referate mit Hörbeispielen.

Zeitgleich findet im Bürgersaal ein Kinder-Singen mit Hans Wax und Veronika Schmidt statt. Und um 13 Uhr bieten die Ortsheimatpfleger Ernst Böhm und Dr. Thomas Feuerer eine kleine Hemauer Stadtführung mit Orgelimprovisationen an.

Leicht verdauliche Workshops

Bei den „leicht verdaulichen Workshops“ ab 14 Uhr geht es um Spielen, Singen, Tanzen und eine Lehrerfortbildung. Geeignet sind die eineinhalbstündigen Seminare für alle Musiker, insbesondere für Bläser und Streicher. Selbst Musikgruppen können teilnehmen. Anmeldung ist nötig, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Umgesetzt werden kann das Erlernte bereits abends, wenn es heißt „Tanz und Volksmusik zum Mitmachen in vier Hemauer Wirtshäusern“. Dazu spielen die Tanngrindler Musikanten, die Musikkapelle Ursensollen, Borduniak und andere Gruppen sowie ein Streicherstammtisch zünftig auf.

Wenn dieser Zwiefachen-Tag bei den Bürgern gut ankommt, kann sich Bezirksheimatpfleger Tobias Appl durchaus weitere Veranstaltungen zum Thema in der Oberpfalz vorstellen. Damit das Ganze auch im Gedächtnis bleibt, erscheint zusätzlich ein Heft mit verschiedenen Zwiefachen, damit die Besucher auch kräftig mitsingen können – und es vielleicht auch zu anderen Anlässen nutzen.

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Alte Musikgattung neu entdeckt

  • Gattung:

    Der Zwiefache ist eine überlieferte bayerisch-böhmische Musikgattung, die musiziert, getanzt und gesungen wird. Die Besonderheit besteht im unregelmäßigen Wechsel zwischen Dreivierteltakt (Walzer) und Zweivierteltakt (Dreher).

  • Ursprünge:

    Die älteste bayerische Schriftquelle eines Zwiefachen ist eine Musikhandschrift von 1740 und der früheste gedruckte Nachweis ist eine Veröffentlichung aus dem Jahr 1825. Der Zwiefache ist fester Bestandteil der Volksmusikszene.

  • Akzeptanz:

    In jüngerer Zeit hat die Neue Volksmusik den Zwiefachen für sich entdeckt und Kompositionen und Interpretationen hervorgebracht. Dabei werden Streich-, Blas- und Zupfinstrumente sowie moderne elektronische Instrumente verwendet.

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