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Montag, 23. Juli 2018 29° 6

Justiz

Handelte Azubi mit Drogen?

Polizisten fanden bei einem Mann aus dem Kreis Regensburg nicht nur Mariuhana-Pflanzen. Dessen Drogenkonsum sei „extrem“.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte mit seiner Anwältin Iris Nickl. Foto: Boeselager
Der Angeklagte mit seiner Anwältin Iris Nickl. Foto: Boeselager

Regensburg.Aus Frust über die Trennung von einer Freundin griff ein heute 28-Jähriger mit 19 erstmals zu harten Drogen. Und auch in den Folgejahren sank er bei jedem Liebes-Aus tiefer in seine Sucht. Dennoch fiel der junge Mann aus dem nördlichen Landkreis der Polizei viele Jahre nicht auf – bis die Ordnungshüter im Mai 2017 einen Tipp von einer Vertrauensperson erhielten: Im Haus des Auszubildenden bei Regenstauf herrsche reger Personenverkehr, offensichtlich von Drogenkonsumenten, hieß es.

Mit einem Durchsuchungsbeschluss drangen Regensburger Beamte mit einem Unterstützungskommando aus Nürnberg in das Anwesen ein und wurden fündig. Seit Mittwoch steht der Auszubildende nun wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln und bewaffneten unerlaubten Handeltreibens mit Drogen in nicht geringer Menge vor dem Landgericht.

„Überall lagen Drogen herum.“

Eine Polizistin im Zeugenstand

Wie eine Polizeibeamtin, die damals mit im Einsatz war, berichtete, befanden sich im Wohn- und Schlafzimmer des Angeklagten unter anderem knapp ein Kilo Marihuana, teilweise bereits abgepackt, zwölf Psilocybin-Pilze, sechs Exstacy-Tabletten, drei LSD-Trips, 136 Milligramm Crystal-Speed und 660 Milligramm Kokain. „Überall lagen Drogen herum“, sagte die Zeugin. „Auf dem Boden waren überall Marihuana-Rückstände.“ In einem Plantagenschrank gediehen fünf kräftige, gut ein Meter hohe Marihuana-Pflanzen, an denen bereits Dolden hingen. Weiter standen auf dem Fensterbrett 36 eingepflanzte Cannabis-Setzlinge. Auch Utensilien wie eine Feinwaage und Verpackungsmaterial zum Verkauf der Drogen wurden sichergestellt, sowie mehrere Messer, ein Elektroschocker und ein Pfefferspray.

Den Großteil der Drogen habe er selbst konsumiert, sagt der Angeklagte

Über seine Verteidigerin Iris Nickl gestand der Angeklagte die Vorwürfe weitgehend, nur nicht, dass die Drogen nur zu einem geringen Teil zum Eigenbedarf bestimmt gewesen seien. Sämtliche Drogen im Wohnzimmer und einen Teil des Marihuana im Schlafzimmer habe er selbst konsumieren wollen, beteuerte der Auszubildende. Mit dem Verkauf habe er seine Sucht finanziert. „Ich habe fünf bis zehn Gramm Marihuana am Tag geraucht.“ Das sei „extrem“, meinte der Vorsitzende Richter Georg Kimmerl. Der Angeklagte antwortete, sein Tagesablauf habe im letzten halben Jahr hauptsächlich aus Kiffen bestanden. „Seit meiner letzten Trennung habe ich mich gehen lassen.“ Selbst nachts habe neben dem Bett stets ein Joint gelegen. Einzige Abwechslung im Tagesablauf neben Playstation-Spielen: Ein Spaziergang mit seinem Hund. Dafür habe er auch das Pfefferspray gebraucht, um Beißereien zu stoppen. Und auch die anderen Waffen habe er „nie einsetzen wollen, um jemanden zu verletzen“, versicherte der Angeklagte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte ohne Therapie weitere erhebliche Straftaten begehen würde. Daher steht bei ihm die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt im Raum. Der Prozess dauert an.

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