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Montag, 23. April 2018 27° 2

Melodie

Hemauer Schüler singen alte Volkslieder

Pfeifen, klatschen und tanzen: Hans Wax begeistert die Mädchen und Buben mit alten Musikstücken und erfrischendem Unterricht.
Von Dietmar Krenz

Alle Hände hoch – die Grundschüler ließen sich nicht zweimal bitten. Fotos: Dietmar Krenz

Hemau.„A, e, i, o, u, schauts no des Hanserl o, wie er schee tanzen ko.“ Voller Inbrunst singen die Kinder das alte Volkslied, das Hans Wax auf seiner Gitarre mehrfach anstimmt. „Das ist ein Zwiefacher mit Text erklärt der Bezirksheimatpfleger. Als Musiker mit Leib und Seele gehört das Spielen, Singen und Tanzen zu seinen besonderen Leidenschaften. Und das versucht er zu vermitteln, diesmal bei den Zweitklässlern in der Grundschule Hemau.

Ein Musikunterricht der besonderen Art.

„Ihr müsst immer machen, was ich sage – und dann singen alle ungefähr die gleiche Melodie!“ Mit Wortwitz und viel Einfühlungsvermögen führt Wax die mehr als 40 Mädchen und Buben durch sein unterhaltsames Programm. Zwei Unterrichtsstunden lang – bis zur großen Pause – will er dem Nachwuchs Töne, Musik und Instrumente nahebringen. Aus seinem großen Liederrepertoire hat er dazu ganz besondere Stücke ausgewählt.

300 Jahre altes Musikstück

„Was macht ein Gitarrist mit seinen Händen?“, fragt Wax in die Runde. „Er macht Musik“ sagt einer der Knirpse und alle lachen lauthals. „Ich wollte aber wissen, was machen die beiden Hände beim Musizieren auf dem sechssaitigen Instrument?“, stellt der Musikwissenschaftler die Beobachtungsaufgabe neu. Die Linke greift in die Saiten und die Rechte zupft, schlägt oder streift, erkennen die Kinder auf Anhieb. Und das kann Wax wahrlich meisterhaft. Er erläutert zunächst die wichtigsten Begriffe rund um die Gitarre und erzählt den Schülern von den Freuden, aber auch von den Anstrengungen eines Musikers. Für sein Lied bekommt er tosenden Applaus – es ist ein bayerischer Zwiefacher. 300 Jahre ist das Stück schon alt, berichtet er den staunenden Grundschülern.

Schnell zog Hans Wax die Hemauer Zweitklässler in seinen Bann.

In Amberg gebe es ein Archiv, dort wird viel altes Papier aufgehoben. Darunter seien auch Notenblätter und Musikhandschriften. Der 63-Jährige hat viele der musikalischen Schätze gehoben und spielt jetzt als Einziger auf der ganzen Welt das Stück „Aria“.

Wax erzählt auch vom Erfinder des Zwiefachen, den Türmer Konrad Max Kunz, der übrigens auch die Bayernhymne komponiert hat. Wie vor etwa 150 Jahren, wenn ein neuer Volkstanz einstudiert wurde, gibt er ein Stück vor und singt dazu einen einprägsamen Text. Die musikalische Reise in die Vergangenheit macht den Kindern viel Spaß – sie sind mit Begeisterung bei der Sache. Das Besondere am Zwiefachen – auch Bairischer genannt – ist die doppelte Zählweise mit zwei verschiedenen Rhythmen: Zwei- und Dreivierteltakt. Auch eine Rumba steht anschließend auf dem Programm. „So mecht i a spielen kenna“, flüstert einer der Knirpse zum Stuhlnachbarn anerkennend, nachdem der Beifall beendet ist. „Ich kann auch pfeifen“, verspricht Hans Wax und tut dies so laut, dass sich viele die Ohren zuhalten müssen.

Volle Konzentration

Damit leitet er zu einem weiteren Instrument über. Aus einem abgewetzten Koffer angelt er Stück für Stück seinen „Böhmischen Bock“, einen Dudelsack aus der Zeit um 1800. Er schnallt sich den Blasebalg unter den rechten Oberarm, steckt die Melodiepfeifen an den Fellsack und bietet dem jungen Publikum kurze Hörproben dieses, für die Oberpfalz typischen Instruments. Bordun nennt sich diese Musikrichtung, erläutert er. Darunter versteht man im Allgemeinen einen langgezogenen gleichbleibenden Ton.

Werbung für den Zwiefachen-Tag

Mithilfe des rhythmischen Klatschens geht die Musik schnell in Fleisch und Blut über – aber Konzentration ist wichtig. Der Musikwissenschaftler gibt den Takt vor, wird leiser oder lauter und verändert den Rhythmus, stampft manchmal mit dem Fuß auf.

Hans Wax liebt das Musizieren mit Kindern, fast 360 sind es diesmal, die er innerhalb von zwei Wochen in der Schule „Am Mönchsberg“ anleitet. Rektor Erwin Geitner ist vom Angebot überzeugt. „Das ist eine Bereicherung für die Schule.“ Und ganz nebenbei rührt Wax kräftig die Werbetrommel für den Zwiefachen-Tag, der Mitte April in Hemau auf dem Programm steht. „Da können eure Eltern ihr Talent beim Singen oder Tanzen unter Beweis stellen oder einfach einen der Workshops oder Vorträge besuchen.“

Die Zeit vergeht wie im Flug, zur Melodie von Pippi Langstrumpf singen die Mädchen und Jungen kräftig mit. Bis zur großen Pause sind es dann aber doch noch einige Minuten. Der 63-Jährige greift nach seiner Gitarre und schon klingt es aus vollen Kehlen: „A, e, i, o, u, schauts no des Hanserl o, wie er schee tanzen ko...“

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Zwiefachentag am Tangrintel

  • Samstag, 14. April:

    Dieser Tag wird in der Stadt Hemau dem Zwiefachen gewidmet. Mit Vorträgen zur Geschichte, Workshops und den Auftritten verschiedener Gruppen in vier Wirtshäusern wird der Zwiefache von allen Seiten beleuchtet und getanzt, gesungen und gespielt.

  • Veranstalter:

    Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberpfalz, Kulturreferat des Landkreises, Stadt Hemau und Tanngrindler Musikanten

  • Programmablauf:

    11 Uhr: Eröffnung im Zehentstadel; 11.15 Uhr: Vorträge rund um den Zwiefachen und Kindersingen; 13.05 Uhr: Kleine Stadtführung mit Orgelimprovisation; 14 Uhr: Musizier-, Sing- und Tanzworkshops, Lehrerfortbildung; 17.45 Uhr: Stadtführung durch Hemau; 19 Uhr: Eröffnung der Abendveranstaltung im Landgasthof Ferstl Bruckmeier; 19.30 Uhr: Musik, Gesang und Tanz in den Gasthöfen Ferstl Bruckmeier, Donhauser, Deglbauer, Schloßbräu.

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