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Kultur

Hemauer vertonen musikalisches Erbe neu

Blasmusik hat in der Stadt eine lange Tradition. Stücke der Binner-Kapelle lassen die Tanngrindler heute noch erklingen.
Von Dietmar Krenz

Stolz präsentierte sich die Dürre-Kapelle in den 20er-Jahren dem Fotografen auf dem Tangrintel. Foto: Hans Schuster/Archiv

Hemau.Blasmusik auf dem Tangrintel hat eine lange Tradition. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war für die Landbevölkerung die Kirchweih- oder Hochzeitsmusik eine der wenigen Lichtblicke in ihrem von harter Arbeit geprägtem Leben. Die örtliche Blaskapelle war eine Institution. Bei Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen waren Musiker dabei und spielten, was die Leute kannten und hören wollten.

Zum einen waren dies alte, am Ort überlieferte Stücke, Zwiefache, Schottische, Landler und Volkstänze. Zum anderen aber auch Märsche, Konzertwalzer, Rheinländer und Gassenhauer, die über gedruckte Noten den Weg von der großen Stadt aufs Land fanden. Die zahlreichen Militärmusiken waren dabei wichtige Ausgangspunkte. Viele Dorfmusikanten hatten dort gelernt und Stücke mit nach Hemau gebracht.

Aus der Oberpfalz ist beispielsweise die Gründung einer 40 Mann starken Kapelle in Neustadt an der Waldnaab 1840 bekannt. Genauso gründeten sich in Vohenstrauß, Pleystein und Waldmünchen Gruppen, die unter anderem von Türmern geleitet wurden, schreibt Florian Aschenbrenner aus Riedenburg, der die Hemauer Musikgeschichte in seiner Zulassungsarbeit unter die Lupe genommen hat.

Auch Waldkonzerte gab es schon in früheren Zeiten rund um Hemau.

Zum damaligen Zeitpunkt trat Joseph Binner auf den Plan. Nachdem er die Nachfolge der Hemauer Türmer nicht antreten durfte, da die Stelle abgeschafft worden war, gründete er in den Jahren nach 1860 eine Landwehrkapelle, die als Basis der heutigen Blasmusik in Hemau gilt. Zwischen den beiden Weltkriegen erlebte die Gruppe ihre Blütezeit. Nach 1945 konnte sich die Kapelle nur mehr kurzzeitig erholen und zerfiel gegen 1960. Die kleine Besetzung mit nur acht Mann genügte und stellte sich „als Musikkapelle des Ortes, mit ihren Aufgaben für Repräsentation, Brauch und Tanz“.

Rund 300 Walzermelodien

Altbürgermeister Hans Schuster selbst erinnert sich noch gerne an diese Zeit, als er selbst mit Flügelhorn oder Trompete in der Binner-Kapelle mitspielen durfte. Um reinzukommen, sorgten die jungen Musiker damals jeden Sonntag beim Bruckmeier in den Nachkriegsjahren für Unterhaltungs- und Tanzmusik.

Überliefert sind aus dieser Zeit auch verschiedene Notenbücher der Kapelle Binner. Ein Stimmbuch der Es-Klarinette, das Tanz- und Unterhaltungsmusik enthält, gelangte in die Hände von Dr. German Rosskopf, dem Gründer der heute bayernweit bekannten Tanngrindler Musikanten. Neben rund 300 Walzermelodien und knapp 40 Schottischen sind darin eine Vielzahl von Galoppen, Polkas, Zwiefachen und anderen Volkstänzen für die Nachwelt festgehalten. Zudem lagern im Hemauer Stadtarchiv mehrere Stimmbücher, die unter anderem klassische und Marschmusik enthalten.

Da die Kapelle Binner in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Stadtkapelle Hemaus fungierte, oblag es ihr, beispielsweise bei Vereinsfesten und Volksfestaufzügen die Hemauer mit Marschmusik zu begleiten. Ebenso wünschte sich das Brautpaar bei Hochzeiten immer wieder, von den Musikanten von der Kirche in das Wirtshaus „gespielt zu werden“.

Hans Schuster sind vor allem zwei Märsche besonders in Erinnerung geblieben: Neben einem sogenannten „Fahnenmarsch“ stellte der „Blechhuber“ eines der am häufigsten gespielten Stücke bei der Marschmusik dar.

Altbürgermeister Hans Schuster spielet als junger Bursch noch in der Kapelle Binner.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekam die Kapelle Binner Konkurrenz: Albert Dürre, ehemaliger Militärmusiker und beschäftigt beim Hemauer Rentamt (heutiges Vermessungsamt), gründete die „Neue Kapelle“, auch bekannt als „Kapelle Dürre“. Die Besetzung umfasste bis zu 20 Musiker, die nur auf Blechblasinstrumenten spielten. Die Musiker pflegten neben Waldkonzerten unter anderem auch Tanzbälle in den nahegelegenen Ortschaften Riedenburg und Beratzhausen zu umrahmen. Sie pausierte während des Ersten Weltkrieges und sammelte sich im Anschluss erneut.

Fester Bestandteil des Einkommens des Beamten Dürre stellten nicht nur in jener Zeit die Naturalien dar, die er für die Leitung seiner Kapelle erhielt. Als um das Jahr 1928 herum das Hemauer Finanzamt schloss, wurde Albert Dürre nach Burglengenfeld versetzt und die von ihm initiierte und geleitete Kapelle löste sich auf, berichtet Altbürgermeister Hans Schuster.

Unterricht für junge Musiker

Im Jahre 1949 wurde in Hemau abermals eine Kapelle gegründet. Vor allem junge Musiker aus der Kapelle Binner schlossen sich der neuen Stadtkapelle an, als es um die Landwehrkapelle langsam ruhiger wurde, erzählt Florian Aschenbrenner. In den Anfangsjahren wurde die Kapelle von August Heerwagen aus Kelheim geleitet. Gleichzeitig bildete er die – zumeist jungen – Musikanten aus und erteilte ihnen Instrumentalunterricht.

Zusammen mit anderen Musikanten aus Kelheim und Ihrlerstein spielte die Stadtkapelle in der damaligen Zeit bis zu 70 Auftritte im Jahr. Neben Unterhaltungsmusik gehörten Opern- und Operetten-Bearbeitungen zum Repertoire. 1951 übernahm Hans Bauer die Leitung, ihm folgte in den 80er- Jahren Ernst Mittermaier.

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Ein ganzer Tag für Zwiefache

  • Neuzeit:

    Die Tanngrindler Musikanten spielen bis zum heutigen Tag eine wichtige Rolle in der Hemauer Blasmusik. Es begann im Jahr 1970 als Dr. German Rosskopf, Apotheker und Ortsheimatpfleger, für eine Theateraufführung des Trachtenvereins eine Musikgruppe gründete. Er erkannte bald das Potential der oberpfälzischen Wirtshaus- und Tanzbodenmusik und besann sich auf die Pflege der lokalen Musiktradition. Die heutige achtköpfige Besetzung besticht durch eine lebendige Musizierweise und schafft eine Verbindung zwischen alt und neu.

  • Zwiefachentag:

    Der Samstag, 14. April, wird in der Stadt Hemau dem Zwiefachen gewidmet. Mit Vorträgen zur Geschichte, Workshops und den Auftritten verschiedener Gruppen in vier Wirtshäusern wird der Zwiefache von allen Seiten beleuchtet und getanzt, gesungen und gespielt. Veranstalter sind die Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberpfalz, das Kulturreferat des Landkreises, die Stadt Hemau und die Tann-grindler Musikanten. Anmeldungen sind noch möglich. Das ausführliche TagesProgramm gibt es unter www.bezirk-oberpfalz.de. (wd)

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