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Gesundheit

Hilfe im Tal der Verzweiflung

Die Selbsthilfegruppe ILCO feiert 40. Geburtstag. Sie verhilft Menschen mit künstlichem Ausgang zu einem guten Leben.
Von Angelika Lukesch

Stomaträger loben die ILCO (von rechts): Gerhard, Renate Peschke, Frauke, Anita Erz; ganz links Moderatorin Lisbeth Wagner. Foto: Angelika Lukesch
Stomaträger loben die ILCO (von rechts): Gerhard, Renate Peschke, Frauke, Anita Erz; ganz links Moderatorin Lisbeth Wagner. Foto: Angelika Lukesch

Regensburg.Als Anita Erz vor 30 Jahren erfuhr, dass sie ein Stoma erhalten würde, war sie erst 16 Jahre alt. Grund dafür war eine adenomatöse Polyposis, an der Erz schon während ihrer ganzen Kindheit gelitten hatte. Es sei eine regelrechte Hiobsbotschaft gewesen, als sie erfuhr, dass sie einen künstlichen Ausgang erhalten würde, sagt sie. „Niemand hat mich darauf vorbereitet, was es bedeutet, ein Stoma zu erhalten. Ich wusste nicht, wie ich damit weiterleben soll und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll.“

Doch dann wurde sie auf die ILCO aufmerksam. ILCO ist eine Selbsthilfeorganisation für Stomaträger, künstlicher Harnableitung sowie für Menschen mit Darmkrebs. Die ILCO Regensburg half der jungen Frau. Der Besuchsdienst kam zu einem Hausbesuch und half Anita Erz über psychische und auch praktische Probleme hinweg. Schon der erste Besuch habe ihr aus dem Tal der Verzweiflung heraus geholfen und es zuwege gebracht, dass sie sich mit ihrer Situation auseinandersetzen konnte. „Trotz aller Einwände der Ärzte habe ich meine Lehre als Friseurin fortgesetzt“, sagt er. Sie wurde Mitglied bei der Selbsthilfevereinigung und leitet heute die Region Regensburg der ILCO als Regionalsprecherin.

Bei der Jubiläumsfeier der Regionalgruppe der ILCO im großen Hörsaal des Krankenhauses Barmherzige Brüder erzählte Anita Erz ihre eigene Lebensgeschichte, ebenso wie ihre Mitstreiterin Renate Peschke ( 58), Frauke (Stomaträgerin seit 25 Jahren) und Gerhard (Stomaträger seit 15 Jahren).

Der Lebenswille war da

Renate Peschke erhielt ihr Stoma im Alter von 41 Jahren. „Niemals wieder einen Minirock, niemals wieder eine Jeans“, sei das gewesen, was sie sich im ersten Moment gedacht habe. Sich jedoch gegen das Stoma zu entscheiden, hätte den Tod bedeutet. Ihr war damals eines sofort klar: „Ich will mit 41 noch nicht sterben! Ich will weiterleben!“ Auch ihr half zu Beginn der Besucherdienst der ILCO. Stomaträger wie sie hatten von ihren Erfahrungen erzählt und praktische Tipps für ein gutes, erfülltes Weiterleben gegeben.

Heute engagiert sie sich schon seit vielen Jahren ehrenamtlich bei der ILCO. Zweimal in der Woche besucht sie die betreffenden Abteilungen in den Regensburger Krankenhäusern und gibt den Menschen, die sich mit einem Stoma auseinandersetzen müssen, Mut und die Aussicht auf ein normales Leben, das (fast) keine Einschränkungen birgt. Pro Jahr kommen für Renate Peschke rund 350 Besuche zusammen. Sie ist das Bindeglied zwischen Patienten, Ärzten und Therapeuten. Auch Frauke und Gerhard berichteten von ihren Erfahrungen mit der ILCO, die ihnen einen Weg aus einer Situation gezeigt habe, die sie überfordert hatte.

Bei der Jubiläumsveranstaltung lobte Professor Dr. Alois Fürst, Direktor der Klinik für Chirurgie im Caritas Krankenhaus St. Josef, die überaus gute Zusammenarbeit mit der ILCO, deren Arbeit und Engagement unverzichtbar seien, um einen vollständigen, psychischen wie physischen Heilungsprozess der betroffenen Patienten nach der Operation zu ermöglichen. Thomas Bonkowski von der Universitätsklinik Regensburg hob den großen Wert der ILCO, wie aller Selbsthilfegruppen hervor, ebenso wie Landrätin Tanja Schweiger, Landtagsabgeordnete Margit Wild, Dieter Reisinger von der AOK, Martina Ricci (Geschäftsführerin des Krankenhauses Barmherzige Brüder) und Dr. Heribert Stauder, Selbsthilfebeauftragter des Krankenhauses Barmherzige Brüder. Lisbeth Wagner von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe moderierte die Veranstaltung.

Kompetenz am Bett

Professor Dr. Dr. H. c. Pompiliu Piso, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Krankenhaus Barmherzige Brüder, referierte zusammen mit der Stomatherapeutin Margarete Wieczorek über das Thema „Soziales Netzwerk und Kompetenz am Bett“. Sandra Röder vom Bundesverband der ILCO und Martin Dähne vom Landesverband stellten das große Netzwerk der Selbsthilfevereinigung vor und informierten über alle Möglichkeiten, die die ILCO biete.

Die Selbsthilfegruppe in Zahlen

100000 Menschen in Deutschland sind Stomaträger. 70000 Menschen erkranken jährlich an Darmkrebs. Die Deutsche ILCO wurde 1972 gegründet. 7200 Menschen sind Mitglied, 4000 davon sind Darmkrebsbetroffene. 2500 haben das Stoma aufgrund einer entzündlichen Darmerkrankung. 700 haben ein Urostoma aufgrund von Blasenkrebs.

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