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Landkreis
Freitag, 23. Februar 2018 2

Strassen

Hilferufe an Stadt Regensburg und Bahn

Im MZ-Interview skizziert Landrätin Schweiger Wege, einem Verkehrschaos zu entkommen. Schnelle Lösungen gäbe es nur im ÖPNV.
Von Bettina Mehltretter

  • Die nächsten Jahrzehnte bringen erhebliche Herausforderungen für die Verkehrsteilnehmer im Großraum Regensburg. Denn auf den A3-Ausbau folgen weitere Mega-Verkehrsprojekte. Fotos: Becker/dpa, seidl
  • Landrätin Tanja Schweiger. Foto: Christof Seidl

Regensburg.Schon jetzt ist die A3 zwischen dem Kreuz Regensburg und der Anschlussstelle Rosenhof völlig überlastet. Doch wenn die Verkehrsader ab Februar von vier auf sechs Spuren ausgebaut wird, wird es nach und nach immer enger zugehen. Davon sind Verkehrsexperten überzeugt, denn großräumige Umleitungen wird es nicht geben. Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger sagte nun im Interview mit unserer Redaktion, dass der Landkreis nur noch an kleinen Stellschrauben drehen könne. Sie verweist unter anderem auf die Einrichtung zusätzlicher Abbiegespuren bei Neutraubling (einem Vorschlag aus der Verkehrsuntersuchung Regensburg Ost), die dazu dienen sollen, zumindest die Situation rund um die Autobahnauf- und -abfahrt zu entschärfen. Dennoch räumt Schweiger ein: „Das ist nicht das Nonplusultra.“

Diese Strecke der A3 wird sechsspurig ausgebaut:

Jüngst haben Schweiger und ihr Team daher wie auch die Stadt Regensburg einen Hilferuf an die Bayerische Eisenbahngesellschaft geschickt: „Es geht darum, dass der Schienenverkehr, der unabhängig vom Stau fährt, ausgeweitet wird.“ Weil für zusätzliche Züge kein Platz auf den Trassen wäre, drängt der Landkreis darauf, dass die Bahnen weitere Waggons an die bereits vollen Züge hängen. Das ist mit der Hoffnung verbunden, dass das bevorstehende Chaos rund um die A3-Baustelle mehr Menschen in die Züge treibt.

Gratis-Busangebot denkbar

Die Lage auf den Straßen ist ernst. Tanja Schweiger zufolge habe die Erleichterung, die die zusätzlichen Abbiegespuren bei Neutraubling gebracht haben, gezeigt, dass sich der Landkreis weitere Lösungen wie diese überlegen müsse. Die Landrätin gibt aber auch zu: Man arbeite aktuell nicht an weiteren kurzfristigen Lösungen, die den Individualverkehr um Regensburg während der A3-Bauarbeiten zumindest etwas entlasten könnten. Allerdings diskutieren Schweiger, Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und die Führungskräfte des RVV, des RVB und der GFN inzwischen auch ungewöhnliche Vorschläge für den ÖPNV. „Ich bin für alles offen“, sagt die Landrätin. Sie kann sich sogar vorstellen, eine vierwöchige kostenlose Testphase des Busangebots zu starten.

Eine Generationenfrage

Doch Schweiger warnt davor, sich von Ideen wie diesen zu viel zu versprechen. Das zeigt das Beispiel der Linie 78, die seit Ende 2015 die Agiliszüge, die aus allen Richtungen am Bahnhof Burgweinting ankommen, mit Krones und BMW in Neutraubling verbindet. Bevor die Linie installiert worden ist, hatten RVV und die beiden Unternehmen ermittelt, dass die neue Linie 1700 Fahrgäste haben könnte, die Mitarbeiter, die im direkten Einzugsgebiet einer Agilis-Haltestelle wohnen. Doch bis heute nutzen nur knapp zehn Prozent davon den ÖPNV-Service. Die niedrige Nachfrage dämpft Schweigers Hoffnung. „Ich glaube, dass damit schon das Maximum erreicht ist. Selbst wenn die Fahrt nichts kosten würde, würden wir keine 50 Prozent bekommen“, sagt sie. Die Landrätin setzt darauf, dass binnen einer Generation der Zuspruch für den ÖPNV stark steigen könnte. Studien belegen, dass immer weniger junge Menschen den Führerschein machen. Heute habe fast jeder auf dem Land noch ein eigenes Auto, erklärt Schweiger. Die Kosten spielten keine Rolle.

Drei Fragen, drei Antworten zum Thema Verkehr:

Tanja Schweiger im Interview. Video: Geradtz, Mehltretter, Grebler

Zur Debatte über die Regensburger Stadtbahn sagt Schweiger, sie würde lieber über Maßnahmen diskutieren, die vor einem Horizont von fünf Jahren realisiert werden können: „Ich habe das Gefühl, dass alle glauben, dass die Stadtbahn nächstes Jahr kommt und alle Probleme löst. Dass wir da über 15 Jahre reden, sagt keiner!“

Die DEZ-Kreuzung untertunneln?

Selbst wenn die A3 bis 2024 ausgebaut ist, können die Verkehrsteilnehmer nicht aufatmen. Die Sinzinger Autobahnbrücke ist derart marode, dass sie in den nächsten etwa zehn Jahren komplett neu gebaut werden muss. Auch der Pfaffensteiner Tunnel muss etwa im selben Zeithorizont saniert werden. Schweiger ist überzeugt, dass darüber hinaus vor allem in der Stadt Regensburg erhebliche verkehrstechnische Verbesserungen nötig sind. OB Wolbergs hat auf Bitte der Landrätin hin einen Auftrag an seine Verwaltung gegeben, zu prüfen, ob in der Frankenstraße eine beidseitig befahrbare Busspur ausgewiesen werden kann. Schweiger drängt auch auf eine Verbesserung der Lage an der DEZ-Kreuzung. Würden die Autofahrer dort nicht ausgebremst, würde die Verkehrssituation erheblich entschärft werden, meint sie. Die Landrätin plädiert für eine unterirdische Lösung.

Weitere Verkehrsprojekte im Landkreis

  • R30neu (Poign – Köfering):

    Die Planung der R30neu dauert schon mehr als zwölf Jahre. Aktuell wartet das Landratsamt auf die Zulassung der Berufungsklage am Verwaltungsgerichtshof. Der Landkreis und der Freistaat hatten beantragt, das Urteil des Regensburger Verwaltungsgerichts von 2016 zu überprüfen. Dieses hatte alle bisherigen Pläne zu nichte gemacht: Die R30neu sei keine Durchgangsstraße, sondern eine Straße mit überregionaler Bedeutung, „die im Netz mit dem Bundes- und Fernstraßennetz (...) verknüpft ist“, hieß es im Urteil. Daher dürfe der Kreis keine Kreisstraße bauen. Stattdessen müsse der Freistaat eine Staatsstraße errichten. Zurzeit verhandelt der Landkreis mit den Grundbesitzern. Für den Flächentausch hat der Kreis rund 70 Hektar Tauschfläche erworben – mehr als nötig. Die Landrätin rechnet damit, dass sie sich mit gut der Hälfte der elf Grundbesitzer, die noch klagen, problemlos einigen kann.

  • Ostumfahrung Niedertraubling (B15 in Köfering – R30):

    Schweiger ist mit dem Verlauf der Planungen in Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden zufrieden. Lediglich eine Kurve der Ostumfahrung müsse noch geplant werden. Mitte/Ende 2018 werde dann zu entscheiden sein, ob der Landkreis die Pläne schon für die Planfeststellung einreichen oder ob er erst den Grunderwerb für den späteren Flächentausch abschließen soll. Schweigers Hauptziel ist es, Klagen zu vermeiden. Momentan gestalten sich die Verhandlungen mit einem Betroffenen noch schwierig.

  • Anbindung der Osttangente an die B16neu:

    2012 hat der Kreistag beschlossen, die Osttangente direkt an die B16neu anbinden zu wollen. Die Grundeigentümer, die von der Verlegung der Kreisstraße R6 zwischen Haselbach und der B16neu auf dem Gonnersdorfer Gebiet betroffen wären, sind informiert. Ende Januar will der Landkreis die Pläne öffentlich präsentieren. Wichtig sind danach die Genehmigung des Anschlusses durch den Bund und der Grunderwerb.

Lesen Sie mehr:

Im großen MZ-Interview hat sich Landrätin Tanja Schweiger noch zu weiteren drängenden Themen geäußert – und unter anderem verraten, was in dem ernsten Brief steht, den sie Horst Seehofer schicken wird.

A3 und A93 – Die Hauptschlagadern der Oberpfalz: Die beiden Bundesautobahnen sind die bedeutendsten Verkehrsachsen der Region. Wie viele Fahrzeuge sind hier täglich unterwegs? Wo passieren die meisten Unfälle? Wo staut es sich? Unsere Analyse zum Thema finden Sie hier.

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