mz_logo

Landkreis
Montag, 20. August 2018 30° 1

Pendler

Im A3-Stau oder im Zug stehen

Pendler aus dem westlichen Landkreis sollen auf die Bahn umsteigen. Doch jetzt zeigt sich: Auch dort fehlen Kapazitäten.
Von Heiner Stöcker

Ein Agilis bei der Einfahrt in Beratzhausen. Foto: Heiner Stöcker
Ein Agilis bei der Einfahrt in Beratzhausen. Foto: Heiner Stöcker

Hemau.Dicht an dicht teilen sich Schüler, Pendler und andere Reisende den Platz im Waggon. Es ist eng – enger als noch vor zwei Monaten. Und vermutlich kein Vergleich zu dem Platzmangel, wenn der Ausbau der Autobahn A3 in vollem Gange ist.

Dann nämlich sei das Ziel, möglichst viele Menschen von der Straße auf die Schiene zu bekommen. Das hatte Landrätin Tanja Schweiger zusammen mit RVV-Geschäftsführer Josef Weigl bei einem Pressetermin im April verkündet.

Um die Attraktivität und Verfügbarkeit der Umsteigemöglichkeit auf die Bahn zu erhöhen, hat der RVV die Taktung seiner Buslinien 69 von Painten nach Deuerling, 28 von Hemau nach Undorf und 68 von Nittendorf nach Etterzhausen erhöht. Die Idee und der Slogan lauten „Mit dem RVV am Stau vorbei“.

Im April hatten Landrätin Tanja Schweiger, RVV-Geschäftsführer Josef Weigl den Bürgermeistern der Region das neue Buskonzept präsentiert.

Mit Bus und Zug den Stau auf der A3 vermeiden

Fahrgäste ballen sich

Aber es hakt. Spätestens auf dem Bahn-Strecken-Abschnitt zwischen Beratzhausen und Regensburg. Auf dem Teilstück ballen sich die zusätzlichen Fahrgäste in den Agilis-Zügen. Für Eisenbahn-Fan und MZ-Redakteur Lothar Röhrl ein Unding. „Die Sitzplätze sind belegt. Die Strecke ist kurvig. Die Flure sind voll. Stehen ist da nicht komfortabel.“ Aus Leidenschaft zur Bahn und „einfach mal so“ ist er immer wieder auf den Schienen unterwegs. Und ihm geht es wie vielen Fahrgästen aus dem westlichen Landkreis: „Ich verstehe nicht, warum Agilis zwischen Neumarkt und Regensburg nicht auf vierteilige Treibwageneinheiten erhöht – oder zumindest zwischen Parsberg und Regensburg zwei kleinere Einheiten zusammen koppelt und in Doppeltraktion fährt.“

„Agilis ist sich der Situation bewusst, dass die Baumaßnahmen auf der A3 teilweise parallel zu unseren Linien verlaufen“

Agilis-Pressesprecherin Jennifer Raab

„Agilis ist sich der Situation bewusst, dass die Baumaßnahmen auf der A3 teilweise parallel zu unseren Linien verlaufen“, teilt Agilis-Sprecherin Jennifer Raab mit. Mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) und dem Infrastrukturbetreiber DB Netz AG arbeite Agilis bei der Fahrplangestaltung für das Jahr 2019 an möglichen Lösungen. „Derzeit sind bereits alle unsere verfügbaren Fahrzeuge im Einsatz, sodass das Maximum der verfügbaren Kapazitäten angeboten wird.“

Im Moment würden die Auslastungen beobachtet, sagte BEG-Sprecher Wolfgang Oeser im April zur Mittelbayerischen Zeitung. Schnelle Verbesserungen seien aber auf der Schiene nicht zu erwarten. „Frühestens zum Fahrplanwechsel 2019.“

„Wir sind schon länger mit der BEG in Kontakt“, sagt Josef Weigl, Geschäftsführer beim Regensburger Verkehrsverbund (RVV) und der landkreiseigenen Verkehrsgesellschaft GfN. „Ende November, Anfang Dezember haben wir die Eisenbahngesellschaft über die bevorstehende Verkehrssituation informiert. Die müssen jetzt in dem Bereich auch aktiv werden.“

Derzeit kann es in den Zügen des Agilis Richtung Regensburg eng werden. Unter anderem aus Hemau kommen vermehrt Fahrgäste via Bus zu den Zügen. Foto: Stöcker
Derzeit kann es in den Zügen des Agilis Richtung Regensburg eng werden. Unter anderem aus Hemau kommen vermehrt Fahrgäste via Bus zu den Zügen. Foto: Stöcker

Die BEG ist ein großes Unternehmen. Sie transportiert eigenen Angaben zufolge täglich mehr als eine Million Fahrgäste im Freistaat. Laut eigener Statistik von 2016 fuhren die BEG-Züge 123 Millionen Kilometer. Davon entfielen auf die Agilis Eisenbahngesellschaft mbH & Co. KG auf ihren Strecken Neumarkt (Opf.) – Regensburg – Plattling (– Passau) und Regensburg – Ulm alleine 5,7 Millionen Kilometer. Aber der Stau rund um Regensburg ist Verkehrsexperten zufolge „nicht Top-Priorität bei der BEG“.

Kosten sparen auf der Schiene

Im Vorfeld des A3-Umbaus hat die Eisenbahngesellschaft nicht reagiert. Und der private Anbieter Agilis ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben, zu einem Sparkurs verurteilt. Doppeltraktion bedeutet zum Beispiel neben den Betriebskosten auch zusätzliche Personalkosten.

RVV-Geschäftsführer Josef Weigl Foto: RVV
RVV-Geschäftsführer Josef Weigl Foto: RVV

Auch vom RVV würden immer wieder Dinge gefordert, die bei der Überprüfung dann nicht so sind, wie sie geschildert wurden, sagt Josef Weigl. „Kann sein, dass die BEG abgewartet hat, wie sich die Situation entwickelt. Aber jetzt wäre es an der Zeit, weil wir täglich dieses Thema Überfüllung auf der Schiene haben.“ Vom Konzept „von der Straße auf die Schiene“ ist Weigl überzeugt. „Das Bus- und Bus-Zubringer-Angebot für den westlichen Landkreis passt. Dann sind die Menschen in den Zügen. Und da muss sich jetzt kapazitätsmäßig was tun.“

Alle Berichte zum A3-Ausbau finden Sie in unserem MZ-Spezial!

Weitere Nachrichten und Berichte aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht