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Sonntag, 22. April 2018 27° 2

Handwerk

Jedes Exemplar aus Holz ist ein Unikat

Johann Fischer fertigt in Undorf Kunstwerke aus Holz an. Mit uns plaudert er über seine Arbeit und verrät kleine Geheimnisse.
Von Paul Neuhoff

Johann Fischer zeigt eines seiner Kunstwerke. Der Arbeitsaufwand, der dahinter steckt, ist enorm. Foto: Neuhoff

Undorf.Holz ist ein natürlicher und vielseitiger Werkstoff, woraus wunderschöne Kunstwerke gefertigt werden können.

Auch Johann Fischer aus Undorf hat sich dem künstlerischen Umgang mit Holz verschrieben. Er drechselt aus den Stämmen einheimischer Bäume Kerzenständer oder Säulen für Balkone. Seine besondere Leidenschaft gehört dem Drechseln von Schüsseln in allen Größen und Farbschattierungen. Daneben zaubert Fischer auch diverse Schmuck- oder Gebrauchsgegenstände wie Herzen oder Salatbestecke aus „gestockter Buche“.

Das Holz dominiert

Das Hobby des gelernten Kirchenmalers ist in seinem Wohnhaus allgegenwärtig. In jedem Raum stehen diverse Kerzenständer, Schüsseln und Kelche in allen Größen und Farben. Wie der Künstler, der jetzt den Ruhestand genießt, erzählt, sei er über seine berufliche Tätigkeit, zu der auch das Restaurieren gehörte, zum Holz und zum Drechseln gekommen. Dadurch, dass er viel herumgekommen ist, bot sich immer wieder die Gelegenheit, nach Bäumen Ausschau zu halten, deren Holz sich für das Hobby eignete. So wanderten vor allem Obstbäume wie Kirsche oder Zwetschge zur Verarbeitung nach Undorf.

„All diese Hölzer sind wegen ihrer Kurzfasrigkeit und Härte und der unterschiedlichen Färbungen für das Drechseln interessant und bestens geeignet.“

Johann Fischer.

„Ein Stammteil, das ich zum Drechseln verwende, darf höchstens zwei Monate nach dem Fällen liegen, sonst besteht die Gefahr, dass beim Drechseln das Stück an kritischen Stellen wie Asteinlagerungen springt“, erläutert der Rentner.

Als erster Arbeitsschritt wird ein Stück des Stammes gespalten und glatt gehobelt. Danach wird mit der Kettensäge möglichst exakt die kreisförmige Form der künftigen Schale herausgeschnitten. Bei einer zu großen Abweichung des Schnittes vom Kreis würde das mehrere Kilogramm schwere Holzstück bei der Bearbeitung zu stark „eiern“, erklärt Fischer weiter. In die große Drehbank eingespannt wird das Werkstück mit Drechseleisen außen bearbeitet. Erst dann wird das Innere herausgefräst, bis letztendlich nur noch dünne Wände übrigbleiben. Auch bei großen Schüsseln mit einem Durchmesser von einem knappen halben Meter schafft der Handwerker die filigrane Wandung.

Nach der Fertigstellung des Rohlings beginnt die lange Prozedur des Trocknens, die bis zu zwei Jahren dauern kann. „Die langsame Trocknung an einem kühlen Ort ohne großen Luftzug ist notwendig, da es so am wenigsten zu Rissen und Sprüngen kommt,“ lässt Fischer wissen. Während des Trocknens beginnen die Wände der Schüsseln und Schalen, sich zu verformen.

Zwei Jahre Wartezeit

Nach zwei Jahren werden die hölzernen Kunstwerke mit Schleifpapier unterschiedlicher Körnung geglättet, wobei auch da zum Teil viel Handarbeit notwendig ist. Der letzte Arbeitsgang ist dann das Ölen mit einem Naturöl. Dabei kommen die spezielle Maserung und die Färbung der jeweiligen Holzart zur Geltung, was dem Unikat eine warme, wertvolle Ausstrahlung verleiht.

Die Arbeitsschritte

  • Ursprung:

    Für das Anfertigen einer Schale wird zuerst aus dem gefällten Stamm ein Stück herausgeschnitten, gespalten und gehobelt. Der Durchmesser des Stammes bestimmt die Größe des fertigen Produkts.

  • Vorarbeit:

    Bevor das Werkstück in die Drehbank eingespannt werden kann, muss die Kreisform mit der Motorsäge möglichst exakt ausgeschnitten werden, damit beim Drechseln des schweren Holzstücks keine Unwucht entsteht.

  • Feinschliff:

    Mit einem an der Spitze abgerundeten Drechseleisen wird das Innere einer Schale aus dem Werkstück herausgearbeitet. Der Drechsler kann dabei nur wenige Millimeter dünne Wände entstehen lassen.

  • Kunstwerk:

    Besonders stolz ist Johann Fischer auf dieses Kunstwerk: Dabei handelt es sich um eine Schale in einer Schale, die der Rentner an der Drehbank aus einem einzigen Holzteil mit viel Aufwand herausgearbeitet hat.

Auch die Verarbeitung von „gestockter Buche“ zu Holzkunstwerken wie Sternen, Herzen oder Ähnlichem ist für Johann Fischer etwas Besonderes, wird doch der Buchenstamm oder Teile davon nach dem Fällen entweder für einige Monate in der Erde vergraben oder auch an der Luft bewusst feucht gehalten.

Dadurch können sich bestimmte Pilze ansiedeln, die das ursprünglich gelbliche Holz weiß färben und Maserungen schwarz oder rot werden lassen. So entsteht eine marmorierte Oberfläche und jedes Werkstück ist von der Farbgebung her wieder ein Einzelstück. Fischer hat aber noch ein Geheimnis parat: „Vor dem Ölen der Kunstwerke wird das jeweilige Stück in der Mikrowelle „gegrillt“. Dadurch werden Holzschädlinge abgetötet und das Material bleibt dauerhaft schön.“

Wer eines der Kunstwerke erwerben möchte, kann sich bei Johann Fischer telefonisch unter (0 94 04) 33 34 melden.

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