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Kinder: Diese Gemeinde ist top

Jung, jünger – Pielenhofen: Nirgendwo sonst im Kreis Regensburg gibt es mehr Kinder. Doch die Konkurrenz schläft nicht.
Von Bettina Mehltretter

Der Pielenhofener Waldkindergarten war der erste im Landkreis. Dort spielen und lernen zurzeit 25 Kinder. Foto: Beckmann/Waldkinder-Regensburg
Der Pielenhofener Waldkindergarten war der erste im Landkreis. Dort spielen und lernen zurzeit 25 Kinder. Foto: Beckmann/Waldkinder-Regensburg

Pielenhofen.Reinhold Ferstl, Bürgermeister der kleinen Gemeinde Pielenhofen, hatte zuletzt häufig Termine beim Notar. Denn Anfang des Jahres hat seine Gemeinde wieder 34 Bauplätze an den Mann gebracht. Binnen zwei Monaten waren alle verkauft, obwohl Ferstl quasi keinerlei Werbung für das Areal „An den Klostergründen“ gemacht hat. „Die Leute rufen uns halt einfach an“, sagt er. Schließlich sei das Leben an der Naab schön und die Bauplätze seien oft günstiger als andernorts im Landkreis. Häuslebauer zahlen „An den Klostergründen“ 160 bis 180 Euro pro Quadratmeter. In der Nachbargemeinde Pettendorf etwa lag der Bodenrichtwert, der zumindest ein Indiz für die Situation ist, Ende 2016 bei 245 Euro pro Quadratmeter.

Mitte 2019 werden die ersten Familien ihre neuen Häuser in Pielenhofen beziehen. Und weil viele auf ihr Haus mindestens ein Kind folgen lassen, rollt auf Pielenhofen auch eine Baby-Welle zu. Dabei ist die Gemeinde schon jetzt die jüngste im Landkreis. Nirgendwo sonst gibt es mehr Kinder. Laut den aktuellsten Einwohnerzahlen, die das Bayerische Landesamt für Statistik zur Verfügung stellt, war 2016 mehr als jeder fünfte Pielenhofener unter 18 Jahre alt – insgesamt 22,1 Prozent. Mit 20,9 Prozent lag Köfering damals noch knapp dahinter. Doch die Gemeinde Köfering hat jüngst das größte Bauprojekt seiner Geschichte gestartet. Ab 2019 sollen 550 neue Baugrundstücke entstehen. Und wenig später wird wohl der Babyboom einsetzen.

Rohrdorf ist enorm gewachsen

Reinhold Ferstl (l.) schaut ab und zu auch im neuen Baugebiet vorbei. Foto: Mehltretter
Reinhold Ferstl (l.) schaut ab und zu auch im neuen Baugebiet vorbei. Foto: Mehltretter

Reinhold Ferstl führt die Spitzenposition, die Pielenhofen zurzeit noch inne hat, auf die rege Bautätigkeit zurück. Etwa in Rohrdorf: Dort hat die Gemeinde vor 15 Jahren 85 Bauplätze ausgewiesen. Hiesige und Auswärtige, vor allem Regensburger, haben damals zugeschlagen. Seitdem hat sich der Ort enorm verändert. Rohrdorf ist um das Fünffache gewachsen – zum einen wegen der neuen Häuser, zum anderen wegen der Babys.

Ursprünglich hätte es deutlich schlechter laufen können für Pielenhofen. Das Naabtal engt den Hauptort stark ein; im Kern hätte er kaum mehr wachsen können. Doch dann hat der Zisterzienser-Orden seine Wiesen und Felder als Baugrund an die Gemeinde verkauft. „An den Klostergründen“ sollen sich die Bewohner künftig rundum wohlfühlen. Von jedem Haus aus wird die Naab zu sehen sein. Und am Rande der Siedlung wird die Gemeinde einen Backofen errichten, den einmal alle gemeinsam nutzen dürfen.

Sehen Sie hier, wie viel Nachwuchs Ihre Gemeinde hat:

Doch nicht alle Pielenhofener sind zufrieden. MZ-Informationen zufolge gibt es Mütter, die nach der Geburt eines Kindes länger im Job pausieren müssen, weil sie vor Ort keine Betreuungsplätze finden. Pielenhofen zählt neben Brunn, Mötzing, Riekofen und Holzheim zu den wenigen Gemeinden im Landkreis, die keine eigene Krippe haben. Und die Krippen in Nachbargemeinden sind schon bis an die Obergrenzen ausgelastet. Eltern klagen, dass die Gemeinde verschlafen habe, eine Einrichtung für die Betreuung von kleinen Kindern zu bauen. Die Aussage, dass er sich darum nicht kümmere, weist Ferstl aber von sich. „Ich würde die Krippe und eine weitere Kindergartengruppe ja sofort bauen. Und die Kirche würde uns auch den Grund geben“, betont er. Doch die Mühlen im Bistum, wo final über den Verkauf entschieden wird, mahlen langsam. Bistumssprecher Clemens Neck hingegen erklärt auf MZ-Anfrage, dass der Ball derzeit bei der Gemeinde liegt: Die Planer müssten noch einige Konkretisierungen im Entwurf vornehmen. Habe die Baukommission den Plan rechtzeitig zurück, könne sie schon Anfang Mai entscheiden. Ferstl zufolge drängt die Zeit: „Die Betreuungsplätze werden für uns noch zum Problem.“ Bereits jetzt sind der Bruder-Konrad-Kindergarten und der Waldkindergarten mit insgesamt 75 Kinder voll belegt.

Pielenhofen im Naabtal – unser Gemeindeporträt in Bildern:

Pielenhofen - eine Gemeinde in Bildern

Rohrdorfer wollen schaukeln

Doch nicht nur die fehlende Krabbelstube sorgt für Ärger in Pielenhofen. In einer Gemeinde, die sich mit ihrer Kinderfreundlichkeit rühmt, dürften die Spielplätze nicht nur Standard sein, sagte etwa eine junge Mutter unserer Zeitung. „In Rohrdorf gibt es nicht einmal eine Schaukel. Das ist schon traurig.“ Ferstl kontert: „Unsere Spielplätze sind sehr wohl gut ausgestattet.“ Und die Schaukel in Rohrdorf werde im Frühjahr erneuert. Insgesamt seien im Haushalt der Gemeinde heuer 15 000 Euro für die Spielplätze eingeplant.

„Ich will nicht, dass die Leute nur hier wohnen. Sie sollen sich auch integrieren.“

Pielenhofens Bürgermeister Reinhold Ferstl
Florian Gebhardt führt den Dorfladen. Mütter treffen sich dort zu einer Tasse Kaffee. Foto: Bettina Mehltretter
Florian Gebhardt führt den Dorfladen. Mütter treffen sich dort zu einer Tasse Kaffee. Foto: Bettina Mehltretter

Der Bürgermeister liebt seine Gemeinde. Besuchern zeigt er gern den neuen Dorfmittelpunkt, den Klosterstadel: Dort finden Feiern und Kultur-Veranstaltungen statt. Jungunternehmer Florian Gebhardt betreibt dort auch seinen Dorfladen. Den Kaffee röstet der 31-Jährige selbst; Fleisch, Brot, Gemüse, Käse und Eier liefern Produzenten aus dem Umland.

Im Dorfladen-Café treffen sich die Pielenhofener gerne auf einen Ratsch. Darunter sind viele, die teils von weit her an die Naab gezogen sind. Dass sich die „neuen“ Pielenhofener integrieren, ist Ferstl wichtig. Immer, wenn er mit ihnen beim Notar gesessen ist, hat er sie sich auch zur Brust genommen. „Ich will nicht, dass die Leute nur hier wohnen“, sagt er. Sie sollen das gesellschaftliche Leben mitgestalten. Inzwischen, sagt Ferstl, hätten in einigen Vereinen sogar schon Neubürger Vorstandsämter übernommen.

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