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Musik

Klassik auf allerhöchstem Niveau

Der Musikförderkreis Köfering-Neutraubling feiert ein Jubiläum. Der Vorsitzende kritisiert die „Ignoranz der Regensburger“.
Von Kerstin Hafner

  • Das mehrfach preisgekrönte Trio Adorno spielte am Samstag zum Auftakt des Jubiläumsjahres. Foto: Schicker
  • Das Vokalensemble Sjaella aus Leipzig kommt im November in die Stadthalle. Foto: Lutz Wiechmann

Neutraubling.1978 erblickte das erste Retortenbaby das Licht der Welt, der Pole Karol Wojtyla wurde zum Papst gewählt und bei der Fußball-WM in Argentinien geschah etwas Denkwürdiges, das Österreichern noch heute voller Wehmut den Blick verklärt: Die Alpenrepublik schlug Deutschland 3:2 in Córdoba. Im südlichen Landkreis Regensburg dagegen legten vor 40 Jahren ein paar ehemalige Domspatzen-Schüler den Grundstein für den heute bestens bekannten Musikförderkreis Köfering-Neutraubling (MFK). Grund genug für die MZ, sich mit dem heutigen Vorsitzenden, Informatikprofessor und Stadtrat Edwin Schicker, zu einem Gespräch zu treffen.

„Die wichtigsten treibenden Kräfte waren damals wohl Dr. Peter Englhardt, niedergelassener Arzt in Köfering, nebst klassikbegeisterter Gattin und Franz-Peter Klein“, erzählt Schicker. „Letzterer ist noch heute als unser Kassier tätig, ersterer legte mit Aufgabe seiner Praxis und Umzug in den Bayerischen Wald auch sein Amt als Vorsitzender des Musikförderkreises nieder, in das ich seit Herbst 2013 nachgerückt bin, nachdem ich zuvor einige Jahre lang Beisitzer in der Vorstandschaft war.“ Diese Berufung sei ihm eine große Ehre gewesen, so der Mathematik-Spezialist, „denn sehr viel verstehe ich objektiv nicht von Musik.“ Natürlich habe er aber seine eigenen Vorlieben. „Mein Herz schlägt vor allem für die Kammermusik, meine Lieblingsinstrumente sind Harfe, Klarinette und Quetschn. Ich spiele selber ein wenig Klavier, aber wirklich nur für den Hausgebrauch“, lacht er.

Sieben Konzerte pro Jahr

Begonnen habe alles ganz klein als Musikkreis Köfering mit drei Konzerten pro Jahr im Innenhof des Schlosses Lerchenfeld bzw. in der dortigen Bibliothek. Seit den Anfangszeiten bis heute stelle die gräfliche Familie dankenswerterweise ihre Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung. „Dennoch war es anfangs offenbar nicht so leicht, Sponsoren zu finden. Soweit ich weiß, hätte der Musikkreis ohne die Ausweitung in Richtung Neutraubling nicht überlebt.“

Diese kam durch den Beitritt des regional bekannten Malers Erich Klimek, der ab 1990 seine Kontakte spielen ließ. Bis zum Ende der Ära Engelhardt/Klimek wuchs die Mitgliedschaft auf über 90 Personen an. Als Englhardt sein Amt niederlegte, litt Klimek bereits an einer schweren Krankheit, so trat Schicker das Erbe an.

„Nach Herrn Englhardts Weggang haben einige seiner Freunde die Mitgliedschaft gekündigt, einige sind jedoch auch verstorben“, erklärt Schicker sein vordringlichstes Problem: „Die Altersstruktur im Verein schreit nach Verjüngung. Aber es ist heutzutage sehr schwer, junge Menschen für klassische Musik zu begeistern. Dabei bieten wir für den Jahresbeitrag von 75 Euro freien Eintritt zu mittlerweile sieben MFK-Konzerten jährlich.“ Jeweils zwei davon finden im Köferinger Schloss statt, fünf in der Neutraublinger Stadthalle. Interessierte Schüler der Musikschule erhalten übrigens freien Eintritt zu Konzerten, wenn sie ihr Interesse vorab im Sekretariat anmelden. Regionale Gewinner von „Jugend musiziert“ dürfen ebenfalls umsonst die Konzerte des MFK besuchen – sofern sie nicht selbst mitspielen.

Was dem Musikförderkreis ferner zu schaffen mache, sei die Ignoranz der Regensburger. Die ließen Neutraubling oder Köfering nämlich komplett links liegen. „Zu unseren Veranstaltungen verirrt sich kaum jemand aus der Domstadt und wir haben auch nur wenige Mitglieder aus Regensburg.“ Etwa zwei Drittel der aktuell rund 75 Mitglieder stammen aus Neutraubling, der Rest aus dem südöstlichen Landkreis. „Ohne Unterstützung der Gemeinden und des Landkreises sowie Finanzspritzen von Sponsoren aus Wirtschaft und Privatwesen würde es uns sicher nicht mehr geben“, so Schicker.

Dabei sei die Vorstandschaft stets bemüht, nach Vorschlägen des künstlerischen Leiters Andreas Meixner (früher Dr. Christoph Lickleder/Joachim Schrems) ein ansprechendes Programm mit jungen und bereits etablierten Sänger/innen und Musiker/innen aus der Region, aber auch aus dem ganzen Bundesgebiet auf die Beine zu stellen. „Der MFK bürgt für hohe Qualität von klassischen Konzerten zu günstigen Eintrittspreisen. Und wir bieten jungen Künstlern – oft auch Preisträgern – die Chance, sich vor Publikum zu präsentieren.“ Seit kurzem ist der MFK auch Mitglied im BAKJK, der Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler.

Echo-Preisträger kommen

Letzten Samstag ist der Musikförderkreis mit einem Kammermusikabend der Sonderklasse in sein Jubiläumsjahr gestartet. Das mehrfach ausgezeichnete Trio Adorno spielte sich durch sein expressives, sensibles und stilsicheres Auftreten in die Herzen der Zuschauer. Zudem gibt es heuer gleich noch zwei Kracher, zum ersten Mal auch einen in direkter Kooperation mit der Stadt Neutraubling. So werden am Sonntag, 22. April, ab 19 Uhr gleich drei Hochkaräter auf der Bühne der Stadthalle erwartet. Bariton Thomas E. Bauer, Pianist Siegfried Mauser und Schauspielerin Cornelia Froboess („Pack die Badehose ein“) als Rezitatorin. Auf dem Programm steht Johannes Brahms’ Zyklus von der „Schönen Magelone“.

Das zweite Highlight steigt am 4. November mit dem Leipziger Vokalensemble Sjaella, Preisträger bei Echo und ARD. „Ich freue mich sehr, dass wir sie haben. Sie glänzen mit glasklarem und federleichtem Gesang. Dieses Konzert findet wieder in Zusammenarbeit mit der Volksbühne statt, wir öffnen alle drei Flügel der Stadthalle und begrüßen 250 Gäste.“

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