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Kultur

Kulturzentrum in der Warteschleife

Seit 2014 laufen die Planungen für ein Museum im Pfarrhof Altenthann. Die Idee einer Kulturachse-Ost verzögert Entscheidungen
Von Christof Seidl, MZ

Der Pfarrhof Altenthann soll Sitz eines Landkreismuseums werden. Wann und unter welchen Rahmenbedingungen ist noch offen. Foto: jn
Der Pfarrhof Altenthann soll Sitz eines Landkreismuseums werden. Wann und unter welchen Rahmenbedingungen ist noch offen. Foto: jn

Altenthann.Wie aus einem simplen Anlass ein langfristig angelegtes Großprojekt werden kann, zeigt die Entwicklung der Planungen für das Heimatmuseum Altenthann. Seit mehr als 25 Jahren fristet es sein Dasein auf dem 400 Quadratmeter großen Dachboden der Mehrzweckhalle Altenthann. Am Leben hält es ein Freundeskreis, der mit viel Idealismus am Werk ist. Finanziell unterstützt wird dieses Dauer-Provisorium vom Landkreis und der Gemeinde Altenthann.

Noch unter dem damaligen Landrat Herbert Mirbeth suchte der Landkreis einen Ersatzstandort für die Sammlung, erwarb schließlich 2013 den alten Pfarrhof in Altenthann und übertrug ihn der Gemeinde. Ende 2014 beauftragte der Kreistag unter Landrätin Tanja Schweiger dann die Regensburger Kultur-Agentur Cultheca zusammen mit dem Architekturbüro A2 Lehner Robold, ein Gesamtnutzungskonzept für das markante historische Gebäude zu entwickeln.

Kulturzentrum mit Extras

Herausgekommen ist im Sommer 2015 ein rund vier Millionen Euro teurer Vorschlag, der neben der Sanierung des Pfarrhofs einen Stadel (eventuell mit Café) und ein vielfältig nutzbares Kulturhaus vorsieht. Konzipiert wäre das Ganze als Kulturzentrum mit einem modernen innovativen Mitmach- bzw. Kindermuseum. Das Gelände um den Pfarrhof soll zudem als eine Art Festplatz genutzt werden können. Die Entwickler sprachen von einem „Leuchtturmprojekt“, das es in dieser Form in weitem Umkreis noch nicht gibt. Die Gemeinde Altenthann hätte zehn Prozent der Investitionen selbst stemmen müssen. Der Kulturausschuss stimmte dem Konzept zu, die endgültige Entscheidung sollte der Kreistag treffen. Dazu kam es aber nicht, denn inzwischen kam eine weitere Idee hinzu, die interkommunale Arbeitsgemeinschaft „Kulturachse Ost“, in die das Pfarrhof-Kulturzentrum integriert werden soll.

Hinter dieser Kulturachse stehen die drei Gemeinden Altenthann, Brennberg und Donaustauf. Sie lassen derzeit von der Bürogemeinschaft Cultheca, Architekturbüro Schubert und Architekturbüro A2 ein Entwicklungskonzept erarbeiten, das Ende Juli fertig sein soll. Es dient als Basis für die Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“.

Die Räume im Kloster Frauenzell werden regelmäßig für kulturelle Veranstaltungen genutzt, zum Beispiel für Ausstellungen. Foto: lbi
Die Räume im Kloster Frauenzell werden regelmäßig für kulturelle Veranstaltungen genutzt, zum Beispiel für Ausstellungen. Foto: lbi

Den Antrag dazu werden die drei Gemeinden im Herbst bei der Regierung der Oberpfalz einreichen, gab der Kulturreferent des Landkreises, Dr. Thomas Feuerer, in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses bekannt. Erst, wenn dieser Antrag positiv beschieden ist, könne für das Teilvorhaben „Pfarrhof Altenthann – Kreisheimatmuseum und Kulturzentrum“ ein belastbares Finanzierungskonzept entwickelt werden. Und erst auf dieser Grundlage könne der Kreistag eine politische Entscheidung für oder gegen die Umsetzung des geplanten Projekts treffen. Feuerer rechnet damit, dass dies frühestens im Frühjahr 2018 der Fall sein wird. Die Realisierung hänge auch davon ab, wie hoch die Bezuschussung ausfällt.

Kooperation bietet Vorteile

Die Kulturachse hätte für alle beteiligten Gemeinden Vorteile. Brennberg verfügt über Teile des Klosters Frauenzell, Donaustauf über seine Burg, Altenthann über den Pfarrhof. Die Planer sehen hier Synergieeffekte, die man nutzen könnte. Denkbar wäre beispielsweise, in Altenthann das Heimatmuseum, ein Depot und das Kulturzentrum unterzubringen. In Frauenzell gibt es repräsentative Räume für Konzerte, ein Verwalter könnte beide Häuser betreuen.

Claudia Wiest bezeichnete das neue Konzept im Kulturausschuss als Chance. Sie meinte, es müsse nicht bei drei Gemeinden bleiben. Das Konzept könne ja beispielsweise auch für Wiesent oder Adlmannstein interessant sein.

Im Gespräch mit unserem Medienhaus bestätigte der Kulturreferent, dass die Kulturachse Ost erweiterungsfähig sein werde. Im Moment gehe es darum, ein möglichst attraktives Konzept für ein Landkreismuseum in Altenthann zu finden, daran habe ja auch die Gemeinde selbst Interesse. Feuerer ist überzeugt, dass dies nur im Verbund möglich ist. Wer dann die Trägerschaft eines solchen gemeinsamen Angebots übernimmt, sei noch offen.

Die Kulturachse Ost

  • Konzept:

    Hinter der Kulturachse Ost steht die Überlegung, nicht nur ein Kulturzentrum im Pfarrhof Altenthann zu entwickeln, sondern weitere kulturelle Schwerpunkte einzubinden und so eine Kulturregion zu schaffen, die über den Landkreis hinaus Bedeutung gewinnt.

  • Teilnehmer:

    Altenthann, Brennberg und Donaustauf haben dazu gemeinsam ein Entwicklungskonzept in Auftrag gegeben, das im Juli vorliegen soll.

  • Förderung:

    Dieses Konzept ist die Basis für die Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden – Überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“.

  • Kosten:

    Nach bisherigen Schätzungen würde ein Kulturzentrum in Altenthann etwa vier Millionen Euro kosten: Umbau Pfarrhof zum Museum 1,6 Millionen Euro, Ausstattung Museum 580 000 Euro, Kulturhaus 1,3 Millionen Euro, Neubau Schuppen 350 000 Euro, Dorfladen 230 000 Euro.

  • Erweiterung:

    Grundsätzlich wäre eine Erweiterung der Kulturachse Ost gut vorstellbar. Kulturstätten gäbe es genügend: das Weinmuseum Bach, Hudetzturm und Sommerkeller in Wiesent, den Chinesenturm in Donaustauf, den Nepaltempel bei Wiesent, Teile des Wörther Schlosses etc.

Genügend Potenzial für eine Weiterentwicklung einer solchen Kulturachse sieht Feuerer auf jeden Fall. Der südöstliche Landkreis verfüge über eine bemerkenswerte Dichte an kulturellen Attraktionen, Ausstellungs- und Veranstaltungsorten, die von einer Kooperation profitieren könnten. Selbst eine Beteiligung der Walhalla ist für Feuerer kein Tabuthema. 2016 habe die bayerische Schlösserverwaltung den Ruhmestempel übernommen, seitdem sei eine Kooperation zumindest vorstellbar.

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