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Einblicke

Kunst trifft auf versteckte Orte

Kulturelle Leckerbissen gab es bei den „(W)Örtlichkeiten“ in Kallmünz. 190 Besucher sahen sonst nicht zugängliche Räume.
Von Stephan Neu

4Rooms: Vier Musiker spielten in vier Räumen. Im Garten des Anwesens hörte man das Gesamtwerk. Foto: Neu
4Rooms: Vier Musiker spielten in vier Räumen. Im Garten des Anwesens hörte man das Gesamtwerk. Foto: Neu

Regensburg.Einen Blick in sonst verschlossene Räume werfen wollten am Sonntag rund 190 Besucher in der Perle des Naabtals. Bei der Veranstaltung „(W)Örtlichkeiten“ des Kulturecks war dies möglich und sogar ausdrücklich erwünscht. Gepaart mit künstlerischen Darbietungen wurde der Abend für die vielen Kulturinteressierten ein wahrer Hochgenuss.

„Ausverkauft“ konnte Haupt-Organisator Daniel Karl bereits Tage vor der Veranstaltung verkünden – und das, obwohl dieses Kulturformat erst zum dritten Mal durchgeführt wurde. Daniel Karl und Georg Bayerl hatten einige Schmuckstücke an Örtlichkeiten ausgesucht, die die Besucher anlockten. Aufgeteilt in sechs Gruppen zu je rund 30 Besuchern wandelten die Kulturinteressierten durch die Perle des Naabtales. Jede Gruppe hatte einen anderen Startpunkt und bei jeder Örtlichkeit konnte man sich nach der künstlerischen Darbietung den Ort noch genau anschauen.

Dr. Eva Schropp und die Mitglieder des Kulturecks begleiteten die Gruppen und fungierten als Zeitwächter, die darauf achteten, dass der Zeitplan eingehalten wurde und gaben vor jeder Örtlichkeit einige Details bekannt. Gruppe A startete bei der Druckerei Lassleben, wo man gleich auf Zeitreise gehen konnte. Inhaber Erich Lassleben übernahm selbst die Führung durch seine Räumlichkeiten und plauderte aus dem Nähkästchen.

Fasziniert von Druckmaschinen

Viel Wissenswertes gab es bei der Druckerei Lassleben. Foto: Neu
Viel Wissenswertes gab es bei der Druckerei Lassleben. Foto: Neu

Die Besucher waren fasziniert von den Druckmaschinen, die zum Teil noch in Betrieb sind oder von den „Setzkästen“, mit denen früher die Buchstaben aufs Papier gebracht wurden. „Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, was Drucker früher für ein Knochenjob war“, sinnierte Lassleben. In den 1960er Jahren waren bei der Druckerei fast 25 Personen beschäftigt, heute sind es noch fünf, erzählte er. Es habe sich sehr viel verändert, so Lassleben, der den Besuchern mit viel Enthusiasmus die „alte schwarze Kunst“ zeigte.

„Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, was Drucker früher für ein Knochenjob war.“

Erich Lassleben, Inhaber der Druckerei in Kallmünz

Als nächste Örtlichkeit wartete der Zintlkeller unter dem Kriegerdenkmal am Marktplatz. Dieser war der kleinste Raum, der zu besichtigen war und diente früher als Keller für das alte Mesnerhaus, das 1912 abgebrochen wurde. Zehn Jahre später wurde die heutige Kriegergedächtniskapelle gebaut. Im Zintlkeller wurden die Namen der gefallenen Kallmünzer der beiden Weltkriege verlesen.

Durch die malerische Vilsgasse ging es bis zum Sperlhaus, dem heutigen Pirkl-Anwesen, dort wartete der Brunnenraum auf die Besucher. Kallmünz habe ja einige Brunnen und man erzählte sich, dass die Eltern früher ihre Kinder zu diesem Brunnen geschickt hätten, da hier das Wasser von besserer Qualität gewesen sei, wusste Dr. Eva Schropp. Im Brunnenraum erzählte Sebastian Thomann die Vorgeschichte zum Froschkönig. Musikalisch wurde er dabei von Tobias Raith auf dem Keyboard begleitet.

Sebastian Thomann erzählte die Vorgeschichte des Froschkönigs. Foto: Neu
Sebastian Thomann erzählte die Vorgeschichte des Froschkönigs. Foto: Neu

Zwei Häuser weiter wartete im Weigerthof ein musikalisches Experiment auf die Besucher. Alexander Gotthardt (E-Bass/Effekte), Tobias Horn (Schlagzeug/Percussion), Ulrike Olschewski (Klavier) und Benedikt Dreher (Fagott/Flöten) musizierten jeweils in einem eigenen Raum und im Garten des Anwesens hörte man die Gesamtkomposition. Der Weigerthof ist im Gegensatz zu den anderen zu besichtigenden Räumen noch nicht restauriert und hier konnte man den Zahn der Zeit, der an dem Gebäude nagt, deutlich sehen. Man fühlte sich in die 50er-Jahre zurückversetzt, wenn man alleine die Elektrik auf dem Dach des Stadels anschaute, stellte Dr. Schropp fest. Aber das Haus hat Charme und das musikalische Experiment fanden die Besucher als sehr gelungen.

Sabine Läufer nahm die Gäste mit auf eine Reise nach Gambia.  Foto: Neu
Sabine Läufer nahm die Gäste mit auf eine Reise nach Gambia. Foto: Neu

Im Bertholzhofener Schlösschen gab es eine Lesung von Sabine Läufer, die die Geschichte von Aliou aus Gambia erzählte, den sie selbst dort kennenlernte und der den Sprung vom unterdrückten Hotelbediensteten zum kleinen Gemüsebauer gewagt habe. Das Haus gehörte früher zum Schloss- und Hammergut Traidendorf, 1987 erwarb es Wigg Bäuml, der es ca. 25 Jahr renovierte, bis es in seiner jetzigen Pracht erstrahlen konnte. Die letzte Station der „(W)Örtlichkeiten“ war das Künstlerhaus am Brunntor.

Den Goldschatz nicht gefunden

Zu sehen war ein Giebelhaus aus dem 17./18. Jahrhundert, das an die alte Schutzmauer und direkt an das Brunntor anschloss. Man munkelt, dass früher einmal ein Goldschatz unter dem Gebäude versteckt lag. Der damalige Besitzer habe lange gegraben, aber nichts gefunden, erzählte Dr. Eva Schropp. Die beiden Musiker Ainoha und Andreas Mehringer setzten das außergewöhnliche Haus, das auch als Feriendomizil zu mieten ist, musikalisch mit Gegenständen in Szene, die sie größtenteils in dem Haus fanden.

Nachgefragt bei den Besuchern der Veranstaltung, waren alle begeistert von der Symbiose, die von den Örtlichkeiten mit den künstlerischen Darbietungen getroffen wurde. Michael Schropp habe vor drei Jahren zwar gedacht, dass die Örtlichkeiten für diese Veranstaltung ausgehen würden, aber Kallmünz hat noch so viele versteckte Orte zu bieten, dass es in den nächsten Jahren bestimmt noch einige „(W)Örtlichkeiten“ geben wird.

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