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Kultur

Laaberer spielen 60 Jahre altes Stück

Das „Laabertheater“ zeigt „Biedermann und die Brandstifter“. Das Werk von Max Frisch wurde schon 1958 uraufgeführt.
Von Peter Pavlas

  • Die Laiendarsteller proben schon fleißig für ihre Auftritte. Fotos: Pavlas
  • Die Mitspieler haben Spaß an ihrer Arbeit gefunden.
  • Bühnenbauer Stefan Matschiner mit Sohn Jonas
  • Medienvertreter befragen Herrn Biedermann Foto:Pavlas

Laaber.Das „Laabertheater“ zeigt demnächst Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ auf seiner eigenen, nun perfektionierten Bühne. Stefan Matschiner, Leiter der Schreinerei am Regensburger Stadttheater, und seine Helfer haben sie in ihrer Freizeit geschaffen. Junge Mitspieler sind zum erprobten Team gestoßen.

Der Stoff ist eine paradoxe, dennoch hoch aktuelle Begebenheit: Der Bürger Biedermann nimmt Brandstifter in sein Haus auf, obwohl von Anfang an klar ist, dass sie es anzünden werden. Dummheit und Verblendung ermöglichen die Diskrepanz zwischen offensichtlich Gegebenem und dem tatsächlichen Handeln.

Zuschauer interpretieren selbst

Das Stück wurde 1958 in Zürich uraufgeführt und ist bis heute eines der erfolgreichsten Stücke auf allen Bühnen der Welt. Es gilt als eine „repräsentative Parabel“. Selbstkritisch kommentierte dies Max Frisch selbst: „Ich habe festgestellt, dass ich mich durch die Form der Parabel nötigen lasse, eine Botschaft zu verabreichen, die ich nicht habe.“ Und deshalb möchte er dem Zuschauer die Freiheit zur eigenen Interpretation lassen.

Der schweizerische Autor Frisch gilt mit Friedrich Dürrenmatt als der bedeutendste deutschsprachige Bühnenautor der Nachkriegszeit. Nach einigen Jahren als Architekt wandte er sich der schriftstellerischen Arbeit zu. Dabei setzte er sich von Anfang an kritisch mit Problemen des postmodernen Menschen auseinander. Er thematisierte Fragen zur Identität, zu Vorurteilen, zur Geschlechterrolle und zu Funktion und Leistung von Sprache und Literatur. Er war beeinflusst von Carl Zuckmayer und Bertolt Brecht. Frisch verstand seine Arbeit als Schriftsteller im Sinne eines politischen Engagements, das sich einer klaren Gesellschaftskritik verpflichtet sah. So gehörte er auch über Jahre hinweg der Gruppe 47 an. Zahlreiche Auszeichnungen dokumentieren seine zentrale Rolle in der Nachkriegsliteratur.

Aufführung

  • Ort:

    Alle Aufführungen finden in der Aula der Grundschule Laaber statt.

  • Karten:

    Der Eintritt ist frei. Spenden sind erwünscht. Ab sofort können im Internet unter www.laabertheater.de oder telefonisch unter (0 94 98) 89 54 Plätze für die unten stehenden Vorstellungen reserviert werden.

  • Termine:

    Die Aufführungen sind am Samstag, 17. Februar, 19 Uhr, Sonntag, 18. Februar, 18 Uhr, Freitag, 23. Februar, 19 Uhr, Samstag, 24. Februar, 19 Uhr, Sonntag, 25. Februar, 18 Uhr, Freitag, 2. März, 19 Uhr, Samstag, 3. März, 19 Uhr.

„Zu verstehen ist dieses Stück als Burleske, eine Mischung aus komischen und makabren Elementen mit düsterem Ende. Diesen Charakter des Stückes galt es, spielerisch herauszuarbeiten. Feigheit, Mitläufertum und Opportunismus als Voraussetzungen und Bedingungen der einsetzenden Katastrophe sollen deutlich werden. Unsere Überzeugung ist, mit ironischem Ulk und bitterem Spaß dieser Weltanschauungsgroteske am besten beizukommen.“ So beschreibt Regisseur Paul Reinwald die Inszenierung, auf die sich die Theaterfreunde aus der Umgebung freuen können. Denn im Februar ist es schon soweit.

Der nach dem Vorbild der antiken Tragödie fungierende Chor der Feuerwehrleute wurde in Laaber durch eine Gruppe Medienvertreter ersetzt, die beobachtend, kommentierend und warnend das Geschehen begleiten, ganz im Sinne einer als „Vierte Gewalt“ fungierenden Presse.

Premiere für junge Schauspieler

Eine Lehre aus dem „Lehrstück ohne Lehre“ zu ziehen, bleibt laut dem Autor Sache der Zuschauer. Regisseur Reinwald ist da konkreter: „Seid politisch aktiv!“ So ruft er die Zuschauer zum Mitdenken auf.

Stolz ist der Regisseur, der von Sabine Gibis unterstützt wird, darauf, dass eine Reihe von jungen Schauspielern zum ersten Mal auf einer Bühne steht.

Für eine perfektionierte Bühne sorgte Stefan Matschiner aus Edlhausen. Er arbeitet seit 16 Jahren am Theater Regensburg und ist mittlerweile Leiter der dortigen Schreinerei. Seine Konstruktion lässt sich sehr variabel bespielen. Licht-, Ton- und Technikmann Martin Stühler wird schließlich noch für eindrucksvolle Feuer-Simulationen sorgen.

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