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Ärger

Landratsamt erlaubt Kahlschlag

Naturschützer sind sauer: Ein Investor hat bei Pettendorf Bäume fällen lassen. Die Gemeinde hatte das nicht genehmigt.
Von Bettina Mehltretter

Naturschützer sind wütend, weil die Bäume entgegen der Pläne der Gemeinde gefällt worden sind. Rainer Brunner dokumentiert das fotografisch.Foto: bm
Naturschützer sind wütend, weil die Bäume entgegen der Pläne der Gemeinde gefällt worden sind. Rainer Brunner dokumentiert das fotografisch.Foto: bm

Pettendorf.Als an der Dorfstraße im Pettendorfer Ortsteil Günzenried kürzlich die Motorsägen knatterten, hat drinnen, in einem Wohnhaus, eine Frau bitterlich geweint. Selbst Tage später ist sie noch geschockt. „Das ist Naturschändung“, sagt sie. Die Frau hat Sorge, dass jemand sie für den Kahlschlag verantwortlich macht, der auf ihrem ehemaligen Grundstück passiert ist: Arbeiter haben dort alle sieben Bäume umgelegt. Teils sind sie deutlich über 50 Jahre alt. Nuss-, Kirsch-, Apfel- und Pfirsichbäume waren darunter, außerdem eine alte Linde. Passiert ist das am 27. Februar – zwei Tage bevor ab 1. März wieder das Fällverbot galt, das im Bundesnaturschutzgesetz geregelt ist. Naturschützer sind empört.

Die Arbeiten beauftragt hat der Käufer des Grundstücks, ein Unternehmer aus dem Bayerischen Wald. Zuvor hatte der Pettendorfer Gemeinderat mehrfach seine Baupläne abgelehnt. Denn der Investor hatte jedes Mal die Fläche in seine Planung einbezogen, auf der die Bäume standen. Er wollte dort drei Mehrparteienhäuser und etliche Stellplätze errichten.

Satzung sollte Bäume schützen

Schon vor ungefähr zehn Jahren hatte der Pettendorfer Gemeinderat darüber diskutiert, wie die Baumgruppe, die er als besonders schützenswert empfand, erhalten werden könnte. Zunächst hatte er versucht, das Fällverbot im Flächennutzungsplan zu verankern. Doch die Regierung der Oberpfalz lehnte den Plan ab. Markus Roth, Sprecher der Regierung, erklärte auf MZ-Anfrage: „Der Baumschutz wird in einem Flächennutzungsplan explizit nicht geregelt.“ Für den Baumschutz gelte das Instrument des Bebauungsplans. Für den Ortsteil Günzenried hat der Gemeinderat 2013 eine Satzung mit den Vorgaben für Bauprojekte verabschiedet. Dazu zählt auch ein Passus, wonach die Baumgruppe erhalten werden müsse – soweit möglich. Darin heißt es weiter: Falls ein Baum nicht erhalten werden kann, sei als Ersatz ein Laubbaum erster Ordnung in Absprache mit der zuständigen Kreisfachbehörde zu pflanzen.

Gegenüber der früheren Eigentümerin hat der Investor angeblich bereits davon gesprochen, dass „der ein oder andere Baum wegmüsse“, wie die Frau erzählt. Aber dass am Ende kein Baum stehenbleiben würde, hatte sie nicht geahnt: „Sonst hätte ich ihm das Grundstück nicht verkauft. Wahrscheinlich hat er eine Strafe von Anfang an einkalkuliert.“ Ihr Vater und ihr Großvater, die die Bäume gepflanzt hatten, seien Naturfreunde gewesen.

Naturschützer sind wütend, weil die Bäume entgegen der Pläne der Gemeinde gefällt worden sind. Rainer Brunner dokumentiert das fotografisch.Foto: bm
Naturschützer sind wütend, weil die Bäume entgegen der Pläne der Gemeinde gefällt worden sind. Rainer Brunner dokumentiert das fotografisch.Foto: bm

Naturschützer kritisieren auch das Landratsamt. Rainer Brunner, Vorsitzender der Pettendorfer Ortsgruppe des Bund Naturschutzes, sagt: „Nach langem Hinreden ist das Landratsamt jetzt auf den Investor hereingefallen.“ Brunner steht inzwischen selbst im Kontakt mit der Pettendorfer Gemeindeverwaltung und dem Landratsamt.

„Nachdem die Satzung der Gemeinde nicht bußgeldbewährt ist, scheidet eine Sanktionierung seitens der Gemeinde aus.“

Hans Fichtl, Landratsamtssprecher

Behörde prüft Bauantrag

Derzeit beschäftigt sich das Landratsamt, die eigentliche Genehmigungsbehörde, mit dem Bauantrag. Eine Zusage hat sie noch nicht erteilt. „Derzeit läuft noch die Fachstellenbeteiligung der Unteren Naturschutzbehörde“, erklärt Sprecher Hans Fichtl. Dabei werde auch geprüft, „wie sich die Fällung der Bäume auf die Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens auswirkt“.

Etwaige Bußgelder hat der Investor allerdings nicht zu erwarten. Zum einen habe er sich an das Bundesnaturschutzgesetz gehalten, sagt Fichtl. „Und nachdem die Satzung der Gemeinde nicht bußgeldbewährt ist, scheidet auch eine Sanktionierung seitens der Gemeinde aus.“

Wann dürfen Bäume gefällt werden und wann nicht? Informationen dazu erhalten Sie in unserem Video:

Wann dürfen Bäume gefällt werden?

Auf Anfrage unserer Zeitung hin zeigte sich der Investor irritiert von dem Wirbel, den die Fällaktion ausgelöst hat. Er beschäftige sich seit November intensiv mit dem Bauvorhaben, erzählt er. Bei einer Unterredung im Landratsamt seien alle drei beteiligten Experten – ein Kreisfachberater, ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde und ein externer Sachverständiger – der Ansicht gewesen, dass die Bäume nicht zu halten seien. Denn bei den Baggerarbeiten wäre deren Wurzelwerk beschädigt worden. Und hätte er nur einzelne Teile der Baumgruppe entfernen lassen, hätte der verbliebene wohl beim nächsten Sturm Schaden genommen. Daher hat der Investor mit den Experten vereinbart, die alten Bäume durch neue an anderer Stelle zu ersetzen. So sieht das auch Günzenrieds Satzung vor. Zudem will der Investor statt der erlaubten 18 Wohnungen mit 32 Parkplätzen nur zwei Drittel davon errichten. „Und da wird mir dann noch Gewinnmaximierung an den Kopf geworfen“, seufzt er.

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Wann Bäume gefällt werden dürfen

  • Fällverbot:

    Zwischen März und September gilt in Deutschland ein Fällverbot: Laut Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten, Bäume abzuschneiden, die außerhalb des Waldes, von sogenannten Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grünflächen stehen. Zulässig bleiben sogenannte Form- und Pflegeschnitte.

  • Tiere nicht stören:

    Die Vogelschutzzeit, wie sie im Volksmund heißt, ist die Grundlage dieses Paragrafen, erklärt Christopher Busch vom Bund Naturschutz. „In dieser Zeit dürfen die Tiere nicht gestört werden.“

  • Bei geschützten Arten:

    Für manche Bäume gilt laut Paragraf 44 ein noch strikteres Fällverbot – nämlich für die, wo geschützte Tierarten leben. Diese Bäume dürfen gar nicht gefällt werden.

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