mz_logo

Landkreis
Montag, 23. April 2018 22° 8

Streit

Marktrat im Clinch mit Bürgermeister

In Beratzhausen hängt der Haussegen schief. Konrad Meier verweigert die Zusammenarbeit, lautet einer der Vorwürfe.
Von Dietmar Krenz

Bürgermeister Konrad Meier will mehr „Zurückhaltung von außen“ in Sachen Personalentwicklung im Beratzhausener Rathaus. Foto: Krenz

Beratzhausen.Beratzhausen kommt nicht zur Ruhe. Der Marktgemeinderat, der inzwischen vorbereitende Sitzungen ohne das Gemeindeoberhaupt anberaumt und eigene Beschlussvorlagen fraktionsübergreifend vorformuliert, erhebt neue Vorwürfe gegen Bürgermeister Konrad Meier. „Er verweigert die Zusammenarbeit mit dem Marktgemeinderat und setzt Beschlüsse zur Personalgewinnung nicht um“, heißt es in einer Pressemitteilung, die von der SPD-Fraktion, der CSU, den Freien Wählern, den Grünen und den Unabhängigen Bürgern ausgearbeitet und mitgetragen wird.

Die fünf Fraktionssprecher wehren sich in dem Schreiben gegen öffentliche Beschuldigungen von Konrad Meier. Dieser hatte mehrfach, unter anderem beim Neujahrsempfang, geklagt, die Marktgemeinderäte würden ihm keine Neueinstellung genehmigen. „Dies entspricht nicht der Wahrheit“, heißt es wörtlich. Vielmehr verweigere der Bürgermeister seit über einem Jahr die Umsetzung konkreter Beschlüsse zu Personaleinstellungen.

Gemeinsam Antrag gestellt

Bereits im Februar 2016 hatte es laut Michael Eibl (UB) einen fraktionsübergreifenden Antrag zur künftigen Personalentwicklung in der Verwaltung des Marktes gegeben. Dabei machten die Fraktionen deutlich, wie sie gemeinsam mit dem Bürgermeister diese großen Herausforderungen angehen wollten. Es kam schließlich im Herbst 2016 zu einem Beschluss des Marktgemeinderates, zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Beamten der 3. Qualifizierungsebene (oder vergleichbaren Angestellten) auszuschreiben. Diese Ausschreibung erfolgte mit Rückmeldetermin 15. November 2016. Dann war aber Schluss. Seitdem erhielten die Marktgemeinderäte keine Informationen mehr.

Erst nach mehrmaligen mündlichen und schriftlichen Nachfragen durch den 2. Bürgermeister und Gremiumsmitglieder erfuhren die Räte, dass es sieben Bewerber gibt, die jedoch allesamt nicht zu einem Gespräch eingeladen worden seien. Auf Drängen des Gremiums legte der Bürgermeister die Liste mit den Kandidaten in nichtöffentlicher Sitzung vor. Meier erhielt die Rückmeldung, dass unter den Bewerbern Kandidaten sind, die eingeladen werden müssten.

Hinter den Kulissen im Rathaus Beratzhausen rumort es gewaltig. Foto: lik

Trotz mehrmaligen Nachhakens gab es im Oktober 2017 immer noch keine Reaktion vonseiten des Bürgermeisters, deshalb wurde in der Oktobersitzung auf Drängen aller Fraktionen ein einstimmiger Beschluss gefasst, dass die Ausschreibung bis zum 31. Oktober zu erfolgen hat und bis Ende November befristet ist. Die eingegangenen Bewerbungen sollten dem Marktrat in der Dezembersitzung vorgelegt werden. „Bis heute ist dies nicht umgesetzt worden“, teilen die Fraktionssprecher unserem Medienhaus mit.

„Von einer Verweigerung zu sprechen ist falsch“, bezieht Konrad Meier zu den Vorwürfen Stellung. Bei einer Verweigerung würde seiner Meinung nach die Zusammenarbeit nicht mehr funktionieren. „Wir können in der Verwaltung nicht immer alles machen, was vorgeschlagen wird.“ Beschlussvorlagen oder Gesetze sprächen oftmals dagegen. Wenn sich ein Marktrat darüber genauer informieren wolle, seine Bürotüre im Rathaus stehe für jeden offen.

Warum sich bisher noch kein Beamter der 3. Qualifizierungsebene vorgestellt hat, erläutert Kämmerer Andreas Dechant. Ein Bewerber sei zwar eingeladen worden, der habe aber selbst abgesagt. Zudem stelle sich die Frage, wo und in welchem Bereich der Bewerber eingesetzt werden sollte, zumal es in der Verwaltung Personen gibt, die das Amt ausfüllen könnten.

Dechant hat dazu eine ausführliche Aufstellung angefertigt, wie man künftig die Aufgaben und Sachgebiete aufteilen und intern umsetzen könnte. „Schließlich muss ich auch meinen Leuten im Rathaus die Möglichkeit für einen beruflichen Aufstieg geben“, ergänzt Bürgermeister Meier. Auch in der Verwaltung sei der Fachkräftemangel bereits angekommen, gutes Personal sei nur mehr schwer zu bekommen. „Wir machen uns sehr wohl Gedanken, wie die Verwaltung aufgestellt ist“, kontert Meier, der derzeit 14 Mitarbeiter, davon sechs Teilzeitkräfte, im Beratzhausener Rathaus beschäftigt.

Marktrat hat Angebot abgelehnt

Auf das von den Fraktionen seit Jahren geforderte Personalentwicklungskonzept angesprochen, kann Meier nur müde lächeln. Der Marktrat selbst war es, der vor geraumer Zeit ein Angebot für eine Klausur zur Strategieentwicklung mit der Verwaltungsführung zunächst verschoben und dann mehrheitlich abgelehnt hat. „Ich habe dafür gestimmt“, sagt Meier und verweist auf das Sitzungsprotokoll.

Nach Ansicht des Bürgermeisters und des Kämmerers könne solch eine Organisationsuntersuchung nur von außerhalb erfolgen. „Wir kümmern uns sehr wohl um die Personalentwicklung im Rathaus, aber in diesen Dingen wäre mehr Zurückhaltung von außen angebracht. Ob sich so mancher Vertreter der Marktgemeinde mit solchen Aussagen und Vorwürfen einen Gefallen tut, wir sich spätestens bei den Kommunalwahlen in zwei Jahren zeigen“, stellt er fest.

Weitere Nachrichten und Berichte aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Handlungsbedarf

  • Antrag:

    Der fraktionsübergreifende Antrag zur Personalentwicklung für die Verwaltung des Markts wurde am 1. Februar 2016 gestellt.

  • Vorschlag:

    In dem Antrag erläutern die Fraktionssprecher ihre Personalvorschläge und sehen einen dringenden Handlungsbedarf.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht