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Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Ehrenamt

Miss Feuerwehr mag Action

Veronika Lautenschlager vertritt jetzt 176 Wehren im Landkreis. Vor allem Frauen will sie zum Mitmachen motivieren.
Von Leonie Düngefeld

Bei der Wahl zur „Miss Feuerwehr“ musste sich Veronika Lautenschlager auch im Schätzen von Flüssigkeitsvolumen beweisen. Foto: Steffen
Bei der Wahl zur „Miss Feuerwehr“ musste sich Veronika Lautenschlager auch im Schätzen von Flüssigkeitsvolumen beweisen. Foto: Steffen

Steinsberg.Mit Äußerlichkeiten hatte diese Miss-Wahl wahrhaftig nichts zu tun: Es ging um Schnelligkeit, Geschick und Kreativität. Damit überzeugte Veronika Lautenschlager am vergangenen Sonntag in Mintraching die Jury und sicherte sich den Titel „Miss Feuerwehr“. Nun vertritt sie die 176 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis – und will vor allem mehr Frauen für dieses spannende Ehrenamt begeistern. Mit gerade einmal 19 Jahren beweist sie, was es heißt, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen.

„Ich hatte es mir eigentlich schwieriger vorgestellt“, blickt Veronika, von Freunden „Vroni“ genannt, auf den Wettbewerb zurück. In vier Runden traten die zehn Finalistinnen gegeneinander an, mussten zum Beispiel in Sekundenschnelle ein Frage-Antwort-Spiel bestehen, dann auf der Bühne den Schutzanzug anziehen und den Schlauch auswerfen. Veronika war eine der Besten: „Das liegt mir und gefällt mir gut – so was mit Action!“

Der Fanclub jubelte los

Nach der Überreichung der Schärpe durfte gejubelt werden. Foto: Steffen
Nach der Überreichung der Schärpe durfte gejubelt werden. Foto: Steffen

Die Punktzahlen verkündete die Jury jeweils am Ende aller Disziplinen, sodass Veronika wusste, dass es gut lief: „Man konnte sich ungefähr selbst einschätzen.“ Trotzdem konnte sie es nicht so recht glauben, als ihr Name tatsächlich als Siegerin genannt wurde. Nicht lang, denn ihr Fanclub jubelte bereits los und stürmte auf sie zu. Es gab Glückwünsche von ihrer Familie, ihrem Freund, ihren Freunden und Kollegen. Sie alle hatten vier Stunden lang mitgefiebert und angefeuert.

Dass Veronika zur Feuerwehr kam, war kein Zufall: Ihr Vater war einst Zweiter Kommandant bei der Feuerwehr Steinsberg, ihre Mutter sowie die drei älteren Brüdern sind allesamt aktive oder zumindest zahlende Mitglieder der Feuerwehr. „Ich wurde quasi hineingeboren ins Feuerwehrleben“, erzählt sie.

Veronika Lautenschlager wuchs in Frauenberg bei Steinsberg auf und besuchte die Realschule Niedermünster in Regensburg. Mit 13 Jahren, als sich alle im Freundeskreis ein Hobby neben der Schule suchten, war für Veronika klar: „Ich wollte immer schon etwas Ehrenamtliches machen, was mich auch persönlich weiterbringt.“ Also trat sie in die Jugendfeuerwehr Steinsberg ein. „Das war schon eine Riesengaudi“, sagt sie und lacht. Als sie 18 wurde, durfte sie mit ihren Kollegen zu Einsätzen fahren – endlich. Dass man manchmal im Schlafanzug und ungeschminkt aus dem Haus rennen muss, macht ihr gar nichts: „Wenn man wirklich was reißen will, muss einem das egal sein.“

„Ich wurde quasi hineingeboren ins Feuerwehrleben.“

Veronika Lautenschlager

An einen ihrer ersten Dienste erinnert sie sich noch gut: Bei einem Verkehrsunfall wurde ein Motorradfahrer lebensgefährlich verletzt. „Ich war zum Glück weiter weg und habe ihn nur aus der Ferne gesehen“, erzählt sie. Doch auf solche Erlebnisse müsse man natürlich vorbereitet sein. Veronika sieht sich der Herausforderung mittlerweile gewachsen – eine Stütze ist ihr vor allem die Gemeinschaft in der Feuerwehr, die sie als „Familie“ bezeichnet.

2015 machte sie ihren Schulabschluss und begann eine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement in Regenstauf, wo sie mittlerweile auch mit ihrem Freund lebt. Über diesen, der – wen wundert’s? – ebenfalls Feuerwehrmann ist, gelangte sie zur ortsansässigen Wehr. Anfangs war sie noch unsicher: Sollte sie riskieren, bei Einsätzen aufspringen und ihren Ausbilder sitzenlassen zu müssen? Sie wartete ab, doch irgendwann kribbelte es zu sehr in den Fingern. Besonders jedes Mal, wenn ihr Freund zum Einsatz gerufen wurde und sie auf ihn warten musste. Sie trat schließlich also auch dieser, ihrer „Arbeitsfeuerwehr“ bei.

Zwei Wehren vertreten

Spätestens seit feststeht, dass ihr Arbeitgeber sie übernehmen wird, braucht sie sich auch keine Sorgen mehr machen, wenn sie spontan zum Dienst gerufen wird. Praktisch, dass ihr Freund dann direkt mitkommt. Ihrer Heimatfeuerwehr Steinsberg ist sie trotzdem treu geblieben, fährt regelmäßig zu Übungen und hält den Kontakt zu ihren Kollegen. Deshalb vertrat sie bei der Miss-Wahl beide Feuerwehren.

Als Preis erhielt Veronika Gutscheine im Wert von 500 Euro. Sie hat nun die Aufgabe, ihre Eindrücke an andere Frauen weiterzugeben, sie zu motivieren. Denn der Wettbewerb zeigt: Feuerwehrfrauen trifft man immer noch zu selten. In Regenstauf ist Veronika eine von acht – bei mehr als 50 Männern. Natürlich ist die Aufgabe auch anstrengend: Bei Übungen musste sie Ausrüstung tragen, die halb so viel wiegt, wie sie selbst; am Einsatzort erschweren oft blöde Kommentare und respektloses Verhalten die Arbeiten. Doch im nächsten Moment zeigen der Spaß an der Teamarbeit und das Lob von anderen Mitbürgern wieder, dass es sich lohnt. „Ich kann Frauen nur empfehlen, zur Feuerwehr zu gehen“, meint Veronika.

Impressionen vom Abend der Wahl zeigt unsere Bildergalerie:

Veronika Lautenschlager ist Miss Feuerwehr 2018

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