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Umwelt

Mülldeponie wird 2018 saniert

Bis 1977 war der Müllplatz Karlstein in Betrieb. Seit 2007 wird der Sanierungsbedarf untersucht. Ab Juni soll gebaut werden.
Von Sabine Norgall

Bürgermeister Siegfried Böhringer (links) besichtigt zusammen mit Johann Würsching von der Marktverwaltung die ehemalige Hausmülldeponie in Karlstein. Im Hintergrund sind die Häuser des Baugebietes Unterspitzackerweg zu sehen, die an die ehemalige Mülldeponie angrenzen. Fotos: Norgall
Bürgermeister Siegfried Böhringer (links) besichtigt zusammen mit Johann Würsching von der Marktverwaltung die ehemalige Hausmülldeponie in Karlstein. Im Hintergrund sind die Häuser des Baugebietes Unterspitzackerweg zu sehen, die an die ehemalige Mülldeponie angrenzen. Fotos: Norgall

Regenstauf.Von 1967 bis 1977 füllte die Gemeinde Karlstein Hausmüll, Bauschutt, Erdaushub und Sperrmüll in einen Taleinschnitt am Ortsende. Rund 8000 Kubikmeter Müll wurden abgeladen. Eine Müllentsorgung, wie sie damals allerorts üblich war. Unmittelbar an die ehemalige Deponie schließt jetzt das Baugebiet Unterspitzackerweg an. 2007 wurde das Gebiet als Altlastenverdachtsfläche eingestuft, es begann eine orientierende Altlastenerkundung. Bereits damals wurde der Verdacht auf Grundwassergefährdung bestätigt.

Zehn Jahre Planung

Über zehn Jahre später, in der jüngsten Marktratssitzung, nahmen die Markträte den Sanierungsplan zur Kenntnis und stimmten der Sanierung einstimmig zu. Das Beratungsbüro Tauw, das den Sanierungsplan erstellte, ging bei der Vorstellung von einem Baubeginn im Juni dieses Jahres aus. Die Maßnahme soll im November beendet sein. Vor Baubeginn müssen das Wasserwirtschaftsamt als Fachstelle, das Landratsamt als Genehmigungsbehörde und die Gesellschaft für Altlastenbeseitigung (GAB) der Maßnahme zustimmen. Da man während des Verfahrens eng mit Landratsamt und GAB zusammenarbeitete, sieht Reinhold Viehbacher, Leiter des Bauamts, hier keine Hürden mehr.

„Wenn man seit zehn Jahren weiß, dass Abwasser in den Karlsteiner Bach läuft, warum wartet man so lange, bis etwas passiert?

CSU-Fraktionssprecher Bruno Schleinkofer

Reinhold Viehbacher beantwortete in der Sitzung eine Frage des CSU-Fraktionssprechers Bruno Schleinkofer. Dieser wollte wissen: „Wenn man seit zehn Jahren weiß, dass Abwasser in den Karlsteiner Bach läuft, warum wartet man so lange, bis etwas passiert?“ Dipl. Ing. Matthias Schwalb vom Büro Tauw und Reinhold Viehbacher verwiesen dazu übereinstimmend auf die aufeinanderfolgenden Verfahrensschritte, die durch das Bundesbodenschutzgesetz vorgeschrieben sind: Als ersten Schritt muss es bei einem Altlastenverdacht eine orientierende Untersuchung geben. Dem folgt die Detailuntersuchung, die feststellt, ob sich der Verdacht erhärtet. Es folgt die Sanierungsuntersuchung, die festlegt, wie zu sanieren ist. Als letzter Schritt folgt der Sanierungsplan, den Matthias Schwalb in der Marktratssitzung feststellte. Alle Verfahrensschritte werden mit Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt abgestimmt. Anschließend geht der Plan zur Genehmigung an die GAB, die nur zweimal pro Jahr tagt.

„Hätten wir die Verfahrensschritte nicht eingehalten, hätten wir die Zuschüsse verloren und die 600 000 Euro alleine bezahlt.“

Reinhold Viehbacher, Leiter des Bauamts

Die Sanierung der ehemaligen Mülldeponie kostet circa 625 000 Euro. Der Eigenanteil des Markts liegt bei 122 000 Euro. Viehbacher: „Hätten wir die Verfahrensschritte nicht eingehalten, hätten wir die Zuschüsse verloren und die 600 000 Euro alleine bezahlt.“ An die Gesellschaft für Altlastenbeseitigung zahlen alle Kommunen, je nach Bevölkerungszahl, eine jährliche Abgabe. Für Regenstauf sind das 7500 bis 8000 Euro pro Jahr.

Baumaßnahme belastet die Anlieger

  • Verkehr:

    Während der Bauphase (geplant Juni bis November 2018) sollen zwischen 3500 und 4000 Kubikmeter Material auf die Deponie aufgebracht werden. Für die Anwohner des Baugebietes Unterspitzackerweg bedeutet dies, dass es auf dem Weg oberhalb des Baugebietes, der zur ehemaligen Deponie und weiter nach Kirchberg führt, täglich zwischen 30 und 40 Lkw-Fahrten geben wird. Um die Staubentwicklung möglichst gering zu halten, soll der unbefestigte Weg vor Beginn der Arbeiten asphaltiert werden.

  • Bäume:

    Auf der ehemalige Hausmülldeponie Karlstein ist seit der Stilllegung im Jahr 1977 ein dichtes Wäldchen gewachsen. Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen muss ein Großteil der Bäume gefällt werden. Diese sind, wie Johann Würsching auf dem Foto zeigt, mit einem roten Punkt markiert. Besonders große und markante Bäume sollen geschont werden. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten werden abschließend 30 Zentimeter Oberboden aufgebracht. Darauf werden nach Vorschlag des Forstamtes Esskastanien angepflanzt.

  • Wasser:

    Das Gelände der ehemaligen Deponie wird momentan noch von einem Wasserlauf durchspült. Dieser Wasserlauf soll verrohrt und über die Deponie geleitet werden. Gleichzeitig wird oberhalb der Deponie ein Regenrückhaltebecken angelegt, so dass kein Wasser mehr in das ehemalige Deponiegelände eindringen kann. Nach der Sanierung soll das Wasser, das über die Deponie fließt, nicht mehr direkt in den Karlsteiner Bach gelangen, sondern zunächst in einen Sickerschacht eingeleitet werden, wo es beprobt werden kann.

Wie genau die Sanierung ablaufen soll, erläuterte Matthias Schwalb den Markträten. Zum Schutz des Grundwassers geht es dabei vor allem darum, dass kein Wasser mehr in die ehemalige Deponie eindringt, beziehungsweise kein belastet Wasser mehr unterhalb der Deponien in den Karlsteiner Bach gelangt.

Die Bäume, die mit einem roten Punkt markiert sind, müssen für die Sanierung gefällt werden. Besonders markante und große Bäume werden geschont. Foto: Norgall
Die Bäume, die mit einem roten Punkt markiert sind, müssen für die Sanierung gefällt werden. Besonders markante und große Bäume werden geschont. Foto: Norgall

Rund 3000 Kubikmeter Material werden auf die Deponie aufgebracht werden, Lehmschichten sollen ein Eindringen des Wassers verhindern. Der Bachlauf durch die Deponie wird verrohrt, Drainagen und ein Schacht für das Sickerwasser werden eingebaut, dieses wird überwacht. Vor der Deponie wird es ein Regenrückhaltebecken geben, das größere Wassermassen abhält.

Der Bachlauf durch die Deponie, erkenntlich an den Binsen, wird verrohrt. Foto: Norgall
Der Bachlauf durch die Deponie, erkenntlich an den Binsen, wird verrohrt. Foto: Norgall

Zur Böschungssicherung wird es Stützkonstruktionen am Böschungsfuß gebaut, der Forstweg wird erhöht und die Baustraße zum Schutz der Wohnbebauung asphaltiert. Auf Nachfrage von Markträtin Elisabeth Meierhofer (CSU), ob die Bewohner des benachbarten Baugebiets mit belastetem Wasser in Zisternen rechnen müssten, sagte der Fachmann, dass nach Abschluss der Bauarbeiten 95 Prozent des Wassers aus der Deponie gesondert aufgefangen wird.

Die Forststraße in Richtung ehemaliger Deponie wird asphaltiert,  um die Staubbelastung möglichst gering zu halten. Foto: Norgall
Die Forststraße in Richtung ehemaliger Deponie wird asphaltiert, um die Staubbelastung möglichst gering zu halten. Foto: Norgall

Auf die Frage von Marktrat Albert Bauer (CSU), wie die Baumaßnahme die Bürger belaste, kündigte Bürgermeister Siegfried Böhringer genaue Informationen in der Karlsteiner Bürgerversammlung am 12. April an.

Entwarnung für Lauber Weg

Während der Vorbereitungsphase erhöhten sich die Kosten für die Sanierung erheblich, teilweise durch Nachbesserungsforderungen der Genehmigungsbehörde, teilweise durch Anstieg der Baukosten. Der Eigenanteil des Markts bleibt jedoch bei 122 000 Euro.

Derzeit laufen im Markt zwei weitere Untersuchungen an ehemaligen Mülldeponien. Beim Lieglhof läuft derzeit die Detailuntersuchung. Die Untersuchungen an der ehemaligen Deponie am Lauber Weg sind laut Bauamtsleiter Reinhold Viehbacher so gut wie abgeschlossen. Die bisherigen Ergebnisse dort seien ermutigend, dass dort kein Sanierungsbedarf bestehe. Allerdings stehe das Fachgutachten des Wasserwirtschaftsamtes noch aus. Hier hofft man bis zum Sommer auf eine Entscheidung.

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