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Nahverkehr

Nachtbusse: Letzte Fahrt um 1.35 Uhr

Die zehn Landkreis-Nachtlinien starten nun später als bisher. Der Jugendring hält das Angebot dennoch für mangelhaft.
Von Michael Jaumann

Regensburg,.Der Landkreis verbessert innerhalb des Regensburger Verkehrsverbunds (RVV) sein seit fast 20 Jahren bestehendes Nachtbusangebot. Ab sofort fahren am Wochenende von Freitag bis Sonntag nach einer Abfahrt gegen Mitternacht die Linien einheitlich um 1.35 Uhr von Regensburg hinaus in den Landkreis. Je nach Zielort treffen die Nachtschwärmer damit mitunter kurz vor drei Uhr morgens in ihren Heimatgemeinden an. Das reicht, findet Josef Weigl, Geschäftsführer der landkreiseigenen Nahverkehrsgesellschaft GFN. Nein, beharrt der Kreisjugendring.

Rund 260 000 Euro lässt sich der Landkreis das Angebot der inzwischen zehn Nachtbuslinien kosten. Das Defizit dürfte sich fast in gleicher Höhe bewegen: „Die zusätzlichen Tariferlöse sind überschaubar“, sagt Weigl. Denn meist nutzen junge Leute das Angebot. Und die verfügen in der Regel ohnehin über eines der für sie geschneiderten RVV-Abos.

Neue Fahrt in den Südosten

Erstmals angebunden wird der südöstliche Landkreis mit Mintraching, Riekofen, Mötzing und Sünching. Die Linie N23 fährt um 23.35 Uhr und 1.35 Uhr ab Regensburg über Burgweinting und Obertraubling nach Sünching. Neutraubling wird dafür künftig nur über die Linie 30/33 bedient. Diese Linie fährt dann in Neutraubling aber zusätzliche Haltestellen an. Abgerundet wird das neue Angebot in Richtung Sünching durch eine zusätzliche Fahrt am Samstagabend nach Geschäftsschluss in beide Richtungen. Von Montag bis Freitag gibt es das Fahrtenpaar bereits.

Das Nachtbus-Angebot wird ausgeweitet.

Die Nachtschwärmerfahrt in den Südosten sei mehr, als sich die Gemeinde Mintraching erhofft habe, freut sich Bürgermeisterin Angelika Ritt-Frank. Als der Bedarf in der Gemeinde in Umfragen angemeldet wurde, sei es zunächst um eine spätabendliche Anbindung nach Neutraubling gegangen, berichtet Ritt-Frank. Aus dieser Überlegung habe der Landkreis dann die weitergehende Lösung mit den Nachtfahrten in Richtung Sünching entwickelt.

Die Bürgermeisterin ist mit diesem neuen Angebot „für den Anfang“ zufrieden. Hilft es doch, den Individualverkehr zu vermeiden. Zusammen mit anderen Bürgermeisterkollegen ist sie aber der Meinung, dass auch für eine spätere Fahrt durchaus Bedarf bestünde.

„Wir haben einen Nachtbus und keinen Partybus.“

Josef Weigl, RVV-Geschäftsführer

Der Verwaltungsrat der GFN lehnt spätere Fahrten in der Nacht nicht rundweg ab. Voraussetzung aber sei, dass die jeweilige Gemeinde dann einen Großteil der Kosten für eine weitere Nachtfahrt übernimmt, so Weigl. Aktuell überlegt der Markt Regenstauf, ob er in eine Nachtfahrt um 3.35 Uhr ab Regensburg über Regenstauf ins Städtedreieck investieren will. Die Hoffnung des Marktes, dass sich die drei Kommunen des Städtedreiecks an den Kosten von rund 16 000 Euro beteiligen, schwindet. Neben Burglengenfeld hat bereits Teublitz abgewunken. In der Maisitzung soll das Thema auf der Tagesordnung stehen, so Böhringer.

Die neue Vorstandschaft des Kreisjugendrings um Fabian Deml und Konstantin Seitz will am Thema Nachtbus dranbleiben. Weil die letzte Bedarfserhebung aber schon 20 Jahre alt ist, will der Dachverband der Jugendorganisationen zunächst eine umfangreiche Befragung durchführen. Zu diesem Zweck hat er eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen.

Trotz der nun späteren Abfahrt befindet der Kreisjugendring die nächtliche Abdeckung im Landkreis als „mangelhaft“, so Seitz. Als ersten Schritt plant die Jugend, Gebiete mit größtem Bedarf zu identifizieren. Daran anknüpfend soll ein Konzept erstellt werden, um die nächtliche Busversorgung im Landkreis schrittweise zu erweitern, so Seitz abschließend.

Würde man im Flächenlandkreis Regensburg eine zusätzliche Fahrt um 3.35 Uhr anbieten, dann wären die letzten Partygänger erst kurz vor fünf Uhr an Endhaltestellen in Schönach oder Schierling – und die Busfahrer erst viel später in den Federn. Die privaten Unternehmer, die im Landkreis den öffentlichen Personennahverkehr tragen, könnten zusätzliche Fahrten schwer stemmen, meint Weigl. So müssten Busfahrer pro Woche eine einmalige Ruhezeit von 36 Stunden am Stück einhalten.

GFN setzt andere Prioritäten

Eine weitere Fahrt auf allen zehn Nachtschwärmerlinien würde die bisherigen Kosten drastisch erhöhen, sagt Josef Weigl. Bei allem Verständnis für Forderungen der Jugend – das ist ihm zu viel: „Wir haben einen Nachtbus und keinen Partybus!“

Den Verwaltungsrat der GFN weiß er dabei hinter sich. Der hat vor zwei Jahren entschieden, zunächst notwendige Verbesserungen im Nahverkehrsplan anzugehen. Dazu zählen etwa mehr schnelle Verbindungen für Berufstätige, die Neuordnung der Linienverkehre im Raum Lappersdorf, der Lückenschluss bei den Taktverkehren durch zusätzliche Fahrten, die Überarbeitung und Verdichtung des Fahrtenangebotes an Samstagen und die Ausweitung des Abendangebotes von Montag bis Donnerstag auf stark genutzten Linien.

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